Werbe-Streuplan
Donnerstag, 29. Juli 2010 / Nr. 30
Erst seit 1994 ist der 1. August ein abgesegneter Feiertag
CH: 719. Wiegenfest
Dass der Geburtstag unseres Landes heuer auf einen Sonntag fällt, ist Künstlerpech und freut ganz bestimmt die Arbeitgeberseite. Nichtsdestotrotz, Sonntag hin oder her, sollten wir uns alle auf unseren Nationalfeiertag freuen. – Man zweifelt an der Regierung und am System, man macht mobil oder man zeigt sich defensiv und desinteressiert. Die Neinsager und Bewahrer und nicht die Reformer haben das Sagen. Das scheinbar harmonische und gut funktionierende Gebilde Schweiz wird immer öfter in Frage gestellt. – Unser 1. August unterscheidet sich von anderen Nationalfeiertagen dadurch, dass er ein bewusst schlichter, besinnlicher Anlass ist, der nach unserem Demokratieverständnis in der kleinsten politischen Einheit, der Gemeinde, begangen wird. Die Gemeindeautonomie, auf die wir mit Recht so stolz sind, kommt zum Tragen, indem jedes der noch etwa 3000 Gemeinwesen die Bundesfeier auf seine ureigene Weise gestaltet. – Unsere Heimat mit mittlerweile 7,7 Millionen Menschen an Bord zeigt richtigerweise immer mehr Ecken und Kanten. Wir sind beileibe kein Land ohne Fehl und Tadel. Die Frage sei erlaubt: Welches Land ist das schon? – Es ist nicht nur unser aller demokratisches Recht, jeden Tag von neuem Sachen und kritische Dinge zu hinterfragen, zu horchen und sich, wenn die Überzeugung da ist, auch energisch zu Worte zu melden, sondern eine schöne Pflicht. Am Umbau bzw. an den Sanierungsarbeiten unserer Demokratie sind alle aufgefordert tatkräftig mitzutun. – Ich wünsche ­Ihnen allen, geschätzte Leserinnen und Leser, über den 1. August hinaus «e gfreuti und positivi Zyt» und viele Gründe, das weisse Kreuz mit erhobener Brust zu tragen. – Zum Bild: Anlässlich der 1.-August-Feierlich­keiten auf dem Rütli wird der aktuelle Mister Schweiz Jan Bühlmann den Bundesbrief verlesen. Dazu der schöns­te Mann der Schweiz: «Ich bin ein echter Vollblutschweizer, und das will ich auch rüberbringen.
Bruno Muntwyler, Chefredaktor