Woche 25 / 2018

«Jetzt kei Häxeschuss»


«Eis Erdbeeri is Chörbli, eis is Muul, eis is Chörbli ...» – Jetzt nur keinen «Häxeschuss» einfangen, denn die Erdbeerernte ist in vollem Gang und die Selberpflücker (Einsparung etwa zwei Fränkli pro 500 g) müssen ihre Arbeit wohl oder übel bücklings oder kniend erledigen können, was bisweilen ganz schön in den Rücken gehen kann. Aber es lohnt sich, denn die süssen und verführerischen Schlankmacher haben es in sich. – Sie leuchten rot und sind so gesund, die Erdbeeren. Die Ernte hat ihren Höhepunkt mittlerweile erreicht. Jede 10. Schweizer Erdbeere wächst im Aargau ... – Die Erdbeere wird als «Königin» unter den Beeren bezeichnet. Und das mit Recht, schliesslich ist die «Fragaria ananassa », so ihr botanischer Name, bei uns das beliebteste Obst, abgesehen vom Apfel. – Die Erdbeerzeit ist stark vom Wetter abhängig, deshalb kann sie sich von Jahr zu Jahr etwas verschieben. Je nach Region und Witterungslage blühen Erdbeeren von April bis Mai. Entsprechend können in milden Regionen die ersten Erdbeeren ab Mai geerntet werden. Die Erdbeersaison endet spätestens Anfang August. Erdbeerzeit ist von Mai bis Juli. Bereits in der Antike priesen römische Dichter die Qualitäten der kleinen, aromatischen Walderdbeeren.


Die direkten Vorfahren der grossen roten Erdbeeren, die heute den europäischen Markt bestimmen, kommen jedoch aus Übersee. Sie sind nicht, wie man vermuten könnte, eine Züchtung aus der Walderdbeere, die bei uns in Europa schon seit jeher beheimatet ist. Sie sind eine Kreuzung aus der kleinen amerikanischen Scharlach-Erdbeere mit der grossfruchtigen «Schönen von Chile», die der französische Fregattenkapitän Fraisier 1712 von seinen Fahrten mitbrachte. Mit dieser neuen Art begann die Karriere der dicken Gartenerdbeere. Inzwischen sind daraus mehr als 1000 Erdbeersorten entstanden, und jedes Jahr kommen ein paar neue hinzu. Erdbeeren müssen vorsichtig transportiert werden. Sie sind druckempfindlich, faulen rasch und verlieren schnell ihr Aroma. Sie sollten spätestens zwei Tage nach der Ernte verzehrt werden. Es wird empfohlen, Erdbeeren zum Waschen nur kurz in kaltes Wasser zu tauchen. Erst danach werden Stiele und Blätter entfernt, da sonst das Aroma verwässert wird. Den Zucker erst kurz vor dem Servieren zugeben, um zu verhindern, dass die Erdbeeren zu viel Saft verlieren und weich werden.

Erdbeerzeit! Die rote Köstlichkeit lacht wieder von Marktständen und Plantagen und bietet einen der gesündesten Genüsse des Sommers. Von Erdbeeren können die meisten gar nicht genug kriegen, und das ist auch nicht nötig: Erdbeeren bestehen zu 90 Prozent aus Wasser und liefern bei ihrem erstaunlich geringen Nährwert von 32 Kilokalorien pro 100 Gramm Vitamine und Mineralstoffe.

Erdbeeren schmecken einfach lecker und sind ein ideales «Schlankobst». Das gilt natürlich nur, solange man sie nicht in Schlagsahne oder Zucker taucht. Am besten ist es, Erdbeeren pur zu geniessen oder mit einer «Sosse» aus Joghurt, gesüsst mit etwas Honig. Dann sind Erdbeeren nicht nur ein voller Genuss, sondern auch ein wertvoller Beitrag zur gesunden Ernährung. – Hier sind 6 Gründe, warum Erdbeeren so gesund sind:
– Erdbeeren enthalten mehr abwehrstärkendes Vitamin C als Orangen.
– Ernährungsexperten setzen sie wegen ihres hohen Gehalts an Folsäure und Eisen seit alters her gegen Blutarmut ein.
– Der hohe Kalzium-Gehalt schützt die Knochen vor Osteoporose.
– Kalium und Magnesiumschützen das Herz.
– Erdbeeren enthalten Salicylsäure, die Beschwerden von Gicht und Rheuma lindert.
– Sekundäre Pflanzenstoffe aus der Gruppe der Phenolsäuren schützen vor Krebs und beugen Arteriosklerose vor.

Die Erdbeere ist bei uns das beliebteste Obst, abgesehen vom Apfel. Es gibt sie mal kleiner, mal grösser. Die einheimischen Erdbeeren gehören bei uns zum Frühsommer wie die Eröffnung der Badisaison. Herr und Frau Schweizer essen jährlich ungefähr drei Kilo von dieser gesunden Frucht. Ziemlich viel, bedenkt man doch, dass eine Erdbeere ein paar wenigeGramm auf die Waage bringt. Auf einer Fläche von rund 425 Hektaren werden schweizweit Erdbeeren angepflanzt. Dies entspricht einer Erntemenge von über 5500 Tonnen. Rund ein Drittel des Konsums der Fragaria ananassa stammt aus der Schweiz selber. Der Rest wird hauptsächlich vor der Inlandsaison importiert. Schweizer Erdbeeren von Gemüsebauern hierzulande aber heben sich vor allem punkto Frische von weither transportierter ausländischer Konkurrenz ab. Im Zusammenhang mit dem Wasserkanton Aargau redet man gerne vom «Rüebli»-Land. Die wichtigste Beere im Aargau ist die Erdbeere. Also ist der Aargau auch ein «Erdbeeriland». Mit einer Anbaufläche von ca. 40 ha liegt der Aargau gesamtschweizerisch an 5. Stelle nach den Kantonen Thurgau, Bern, Zürich und Wallis. Rund 60 Produzenten kultivieren Flächen zwischen 5 und 400 Aren.

Erdbeeren enthalten viel Vitamin C und Mineralstoffe und sind darum sehr gesund. Man darf sie ganz hemmungslos essen – denn sie enthalten nur wenig Kalorien. Erdbeeren sind von der Verwendung her äusserst vielseitig: man kann sie frisch ab Pflanze geniessen, dann mit Rahm oder Joghurt, als Milchshake oder auf Torten und Törtli, im Birchermüesli oder als Coupe Romanoff usw. – Ganz klar, Erdbeeren frisch gepflückt schmecken am besten. Der Genuss einheimischer Erdbeeren lässt sich allerdings über die eigentliche Erntezeit hinaus verlängern, wenn man sie tiefgefriert. Nach dem Auftauen sind die ganz eingefrorenen Früchte unansehnlich und eignen sich nicht mehr für dekorative Zwecke. Aber als laufend frisch hergestellte Konfitüre oder püriert im Joghurt, Birchermüesli oder Erdbeermousse erfüllen sie ihren Zweck noch alleweil. Ich wünsche Ihnen, geschätzte Leserinnen und Leser, eine gute Woche.

BRUNO MUNTWYLER, CHEFREDAKTOR/ZVG