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Der Bäcker aus dem Bernbiet

Nathalie Isenschmid erinnert sich an ihren Urgrossvater Fritz Isenschmid, der viele Jahrzehnte im Mühlethal daheim war, wo er an der Geiserstrasse eine Bäckerei mit Laden betrieb.

Zofingen Die 79. Folge der beliebten Mühlethaler Geschichten

Fritz Isenschmid, 1887 als «Bärner Bueb» geboren, ist im Alter von 43 Jahren, am 4. April 1930, ins Mühlethal zugezogen, um die Bäckerei Binggeli zu übernehmen. Isenschmid war selber Bäcker und sein Geschäft war bereits im Telefonbuch von 1930 erwähnt. Mit der Nummer, die zuvor Bäcker Binggeli gehört hatte. Neben Isenschmid war damals im Telefonbuch für Mühlethal nur noch Wirt Humm vom späteren Restaurant Linde zu finden.

Bäckerei mit Konsum

Wie Urenkelin Nathalie Isenschmid (*1969) berichtet, führte Fritz die Bäckerei mit Konsum bis mindestens zu seiner offiziellen Pensionierung 1952 und wahrscheinlich noch darüber hinaus. Die Familie Isenschmid, zu der noch Ehefrau Rosette (*1889) und fünf Kinder gehörten, lebte in der Wohnung über der Bäckerei mit den Schlössli-Türmen, nicht weit von der Linden-Passhöhe entfernt. Hinter dem Haus, das heute die Adresse Geiserstrasse 10 hat, gab es noch eine grosse Scheune und einen ansehnlichen Garten. Der einzige Sohn war Hans, Grossvater von Nathalie Isenschmid. Die jüngste von vier Schwestern, Gertrud, wurde 1931 in Mühlethal geboren. Alle fünf Kinder gingen im Mühlethal zur Schule.

Fritz Isenschmid sprach berndeutsch und trug bis ins hohe Alter einen langen Seebären-Schnauz, mit 95 Jahren dann Kurzschnauz. Sohn Hans hätte eigentlich den Betrieb übernehmen sollen, musste dann aber die Bäckerlehre nach ein paar Wochen aus gesundheitlichen Gründen beenden. Er hatte chronisches Asthma und der Mehlstaub in der Backstube führte zu allergischen Reaktionen. Somit konnte Hans die Mühlethaler Dorfbäckerei nicht weiterführen. Auch die Lehre als Schreiner musste er wegen des Sägemehl-Staubes wieder aufgeben. So lernte er dann Spengler und blieb diesem Beruf bis zur Pensionierung treu.

Das Ehepaar Isenschmid lebte bis zum Tod von Rosette 1968 an der Geiserstrasse 10. Fritz mochte dann nicht mehr ganz alleine im grossen Anwesen leben und entschied sich, in der Nähe der Bushaltestelle Milchhüsli, an die Hauptstrasse, in ein Zweifamilienhaus, umzuziehen. Dort wohnte er dann bis 1985, ein paar Monate vor Lebensende, im Obergeschoss. Er starb 1986 mit fast 99 Jahren im Altersheim Zofingen. Weil er sich von einer Operation nicht mehr ganz erholte, konnte er nicht mehr in die eigene Wohnung im Mühlethal heimkehren. Zu erwähnen ist noch, dass er bis zu dieser Operation mit 98 Jahren täglich den Garten bestellte und die Rabatten ums Hüüsli selber pflegte. Er brauchte nie einen Gehstock, auch den Haushalt führte er selber.

Ausschnitt aus dem Telefonbuch von 1930 mit zwei Einträgen zu Mühlethal.
Bild: zvg

Mühlethal einst und heute – ein fotografischer Streifzug

Auf Einladung der Historischen Vereinigung Zofingen hält Bruno Graber am Freitag, 28. November, 19.30 Uhr, einen Vortrag zum Thema «Mühlethal einst und heute – ein fotografischer Streifzug». Der Vortrag findet im Bildungszentrum Zofingen (BZZ), Raum ZU 26 (Aula) an der Strengelbacherstrasse 27 statt.