100 Jahre Wasserfest: eine einzigartige Tradition

Aarburg Freitag und Samstag, 24. und 25. Juli

Sie prägten das Wasserfest in den vergangenen 50 Jahren als OK-Präsidenten (von links): Ulrich Baumann (1974–1988), Bernhard Wullschleger (1990–2004), Jörg Richner (2006–2012), Maik Siegrist (2014–2016) und André Richner (seit 2018).Bild: zvg

Sie prägten das Wasserfest in den vergangenen 50 Jahren als OK-Präsidenten (von links): Ulrich Baumann (1974–1988), Bernhard Wullschleger (1990–2004), Jörg Richner (2006–2012), Maik Siegrist (2014–2016) und André Richner (seit 2018).Bild: zvg

Das Original-Inserat bezüglich der Gründung der Sektion in Aarburg von 1880.

Das Original-Inserat bezüglich der Gründung der Sektion in Aarburg von 1880.

Turnervorführung auf der Aare am Eidgenössischen Wettfahren 1921 in Aarburg. Bilder: zvg

Turnervorführung auf der Aare am Eidgenössischen Wettfahren 1921 in Aarburg. Bilder: zvg

Möglichst lange oben bleiben: Die berühmte Rolle war eine der grossen Attraktionen der Nautischen Spiele.

Möglichst lange oben bleiben: Die berühmte Rolle war eine der grossen Attraktionen der Nautischen Spiele.

Am 24. und 25. Juli findet das weit über die Region hinaus bekannte und beliebte Wasserfest statt. In diesem Jahr gibt es einen besonderen Grund zum Feiern: Das Wasserfest trägt seit 100 Jahren seinen heutigen Namen.

Seine Geschichte reicht jedoch noch weiter zurück. Die Pontoniere gründeten ihren Verein am 2. April 1880. Bereits 1885 organisierten sie mit dem «Fahr- und Schwimmfest» erstmals ein Fest für die Bevölkerung. Höhepunkt war jeweils der Sonntagnachmittag mit den Nautischen Spielen, die sich rasch zu einem eigentlichen Besuchermagneten entwickelten.

Seit 1926 trägt der Anlass den Namen «Wasserfest». Am Grundkonzept änderte sich zunächst wenig: Gefeiert wurde in bescheidenem Rahmen am Samstag und Sonntag. Ulrich Baumann und Jörg Richner, Urgesteine der Aarburger Pontoniere und langjährige OK-Präsidenten, erinnern sich schmunzelnd: «Die Nautischen Spiele waren am Sonntagmittag nach wie vor die Hauptattraktion und zogen viele Besucher an. Am Abend wurde getanzt, serviert wurden Bratwurst und Pommes frites.» 1954 wurde anstelle der Nautischen Spiele erstmals ein Feuerwerk am Samstagabend gezündet – mit Kosten von über 1000 Franken, damals eine beachtliche Summe.

Die Wiederbelebung der Nautischen Spiele in den 60er-Jahren blieb ein einmaliger Versuch. Der organisatorische Aufwand erwies sich als enorm und war kaum zu bewältigen. Zudem wären solche Wettkämpfe unter den heutigen gesetzlichen und sicherheitsrelevanten Auflagen kaum mehr durchführbar.

Mit Feuerwerk, Bühne und Foodmeile zum Grossanlass

1974 folgte der nächste Meilenstein: Die schwimmende Bühne auf acht Aluminiumpontons hielt Einzug auf der Aare. Als Einstimmung auf das Feuerwerk spielte die Dixieland-Band «Harlem Ramblers». An insgesamt fünf Wasserfesten traten Dixieland-Bands auf und wurden ebenfalls zum Magneten für Gäste. Das Fest entwickelte sich stetig weiter. Ende der 70er-Jahre verfolgten bereits rund 5000 Besucher das Feuerwerk und genossen die zahlreichen Attraktionen.

Lange Zeit kümmerten sich die Pontoniere selbst um die Verpflegung. Erst in den 90er-Jahren wurde diese aufgrund der stetig steigenden Besucherzahlen an externe Anbieter vergeben. Damit war der Grundstein für die Foodmeile gelegt, die auch heuer wieder mit 30 Ständen aufwartet.

Ein weiterer Meilenstein war die Einführung des Lunaparks bei der Badi. «In diesem Jahr haben wir sogar ein Riesenrad», sagt OK-Präsident André Richner mit einem Lachen. «Darauf haben wir seit Jahren hingearbeitet. Jetzt klappt es endlich.»

Freier Eintritt und Motorbootfahrten statt Feuerwerk

Mit dem ersten musikbegleiteten Feuerwerk im Jahr 2000 begann eine neue Ära des Wasserfests. Es legte den Grundstein für das Musikfeuerwerk, das seither zu den prägenden Höhepunkten der Veranstaltung zählt. Verantwortlich dafür ist seit vier Jahrzehnten Toni Bussmann. Einziger Wermutstropfen ausgerechnet im Jubiläumsjahr: Aufgrund der anhaltenden Waldbrandgefahr und der aktuellen Lage mussten die beiden Musikfeuerwerke in Absprache mit den zuständigen Behörden definitiv abgesagt werden. «Die Sicherheit der Bevölkerung sowie der Schutz der Umwelt haben für uns oberste Priorität», sagt OK-Präsident André Richner. «Auch ohne Feuerwerk soll das Wasserfest ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Deshalb gewähren wir an beiden Festtagen freien Eintritt und bieten als zusätzliche Attraktion Motorbootfahrten auf der Aare gegen einen kleinen Unkostenbeitrag an. Wir freuen uns auf ein stimmungsvolles Jubiläumsfest mit vielen schönen Begegnungen.»

Ein Fest, das vom Zusammenhalt lebt

Bereits der Aufbau, der am Mittwoch beginnt, hat seinen eigenen Charme. Pressechef Urs Wüthrich erzählt, dass einige Einheimische ihre Camper oder Zelte gleich neben dem Helferzelt aufstellen. Entsprechend gesellig und fröhlich geht es während der Vorbereitungen zu – lange bevor das eigentliche Fest beginnt.

Viele helfende Hände

Ein Anlass dieser Grössenordnung wäre ohne die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer nicht möglich. Die Aarburger Pontoniere können auf die Unterstützung ihrer Familien, Freunde und zahlreicher Vereine aus der Region zählen. So wird das Wasserfest letztlich von einer grossen Festfamilie getragen.

Tradition mit Zukunft

Genau dieser starke Zusammenhalt zeichnet den Verein aus. Der Familiengedanke ist bei den Pontonieren tief verwurzelt: Oft engagieren sich mehrere Generationen derselben Familie im Verein. Die Kinder der Aktiven wachsen mit dem Vereinsleben auf und übernehmen später selbst Verantwortung. Diese gelebte Tradition ist mit ein Grund dafür, dass der Verein in vier Jahren bereits sein 150-jähriges Bestehen feiern kann. Besonders erfreulich: Bleibt der Turnus bestehen, fällt das grosse Vereinsjubiläum mit einem Wasserfest zusammen. Regina Lüthi