17-jähriger Oftringer holt WM-Gold im Kickboxen

Oftringen Sandro Freda erkämpft sich bei der Junioren-WM im K1 in der Gewichtsklasse bis 51 Kilogramm den Titel

Für den Oftringer entscheidet sich ein Kampf vor allem im Kopf.Bild: zvg
Für den Oftringer entscheidet sich ein Kampf vor allem im Kopf.Bild: zvg

Das Nachwuchstalent Sandro Freda feiert seinen bisher grössten Erfolg im Kickboxen. Dahinter stecken hartes Training, Gewichtsmanagement und wenig Freizeit.

«Jetzt habe ich alle», sagt Sandro Freda stolz, als er auf seine bisherigen Weltmeisterschaften zurückblickt. Erst Bronze, dann Silber und nun Gold: Der 17-jährige Oftringer holte sich bei der Junioren-WM im Kickboxen in Jesolo den Weltmeistertitel im K1 in seiner Gewichtsklasse. «Es war ein unglaublich erfüllendes Gefühl. Ich habe mich mega, mega gefreut», erzählt Freda. Der Sieg sei nicht nur eine Belohnung für die vergangenen Monate gewesen, sondern auch für die vielen Jahre Arbeit davor. Denn hinter dem WM-Titel stecken zwölf Trainingseinheiten pro Woche, viel Verzicht und eiserne Disziplin.

Stark im Kopf, hart im Training

Entschieden werde ein Kampf für Freda nicht nur im Ring, sondern auch im Kopf. «Mentale Stärke ist in meiner Sportart das Wichtigste.» Es bringe wenig, körperlich bestens vorbereitet zu sein, wenn man sein Potenzial im entscheidenden Moment nicht abrufen könne. Dass es ihm so gut gelingt, an sich selbst zu arbeiten, schätzt er besonders. Nervös sei er vor Kämpfen kaum: «Ich weiss, was ich kann.» Angst habe er keine, Respekt vor gewissen Gegnern dagegen schon. Während Sandro Freda selbst vor seinen Kämpfen ruhig bleibt, ist die Anspannung bei seiner Familie grösser. Auch an der Weltmeisterschaft im italienischen Jesolo fieberte sie mit. «Wir sind meistens aufgeregter als Sandro, weil wir nichts beeinflussen können», sagt sein Vater Markus Freda.

Die Leidenschaft fürs Kickboxen entdeckte Sandro Freda vor neun Jahren durch seinen Bruder Davide Freda. Dieser wurde für ihn auch zu einer Art Mentor. «Vieles von meiner mentalen Stärke und meiner Einstellung habe ich durch ihn gelernt», sagt Sandro Freda. Zuvor hatte er sich im Fussball und Kunstturnen versucht. Seit 2022 betreibt Sandro Freda Kickboxen auf Leistungssportniveau und tritt auch international an. Viel Zeit neben dem Kickboxen bleibt Freda nicht: Zwölfmal pro Woche trainiert er im Leistungszentrum in Bern. Damit sich Sport und Beruf vereinbaren lassen, absolviert er bei der Aargauischen Kantonalbank eine vierjährige Sportlerlehre als Kaufmann. So erhält er die nötigen Freiräume für Trainingslager und Wettkämpfe.

Der weniger schöne Teil des Sports

50,8 Kilogramm zeigt die Waage an – maximal 51 sind in Fredas Gewichtsklasse erlaubt. Während der Aufbauphase wiegt der 17-Jährige rund sieben Kilogramm mehr. Vor jedem Wettkampf beginnt deshalb der Kampf mit dem Gewicht. Freda achtet genau auf seine Ernährung und versucht, überschüssiges Wasser zu verlieren. «Ich gehe oft mit einer dicken Jacke joggen, um Wasser herauszuschwitzen», erzählt er. Gerade in dieser Phase unterstützt ihn seine Mutter Carmen Freda, die sein Essen genau vorbereitet und ihm im Alltag den Rücken frei hält. Für Vater Markus Freda ist dieser Teil des Leistungssports gewöhnungsbedürftig, die Disziplin seines Sohnes beeindrucke ihn jedoch. Auch Sandro Freda sagt: «Das ist schon der weniger schöne Teil meines Sports.» Auch mögliche Verletzungen beschäftigen seinen Vater. «Ich hoffe immer, dass ihm nichts passiert.» Sandro Freda selbst macht sich weniger Sorgen. Dank der Schutzausrüstung seien schwere Verletzungen mittlerweile selten. K. o. gegangen sei er zum Glück noch nie. «Ich habe nur schon einige ausgeteilt», sagt er.

Seine grössten Ziele liegen noch vor ihm

Lange auf seinem WM-Titel ausruhen will sich Freda nicht. Im kommenden Jahr stehen für ihn zunächst noch alle Wettkämpfe bei den Junioren an, bevor die Junioren-Europameisterschaft folgt. Dort will er sich die Goldmedaille sichern. Anschliessend wartet mit der Erwachsenen-WM noch im selben Jahr bereits die nächste grosse Herausforderung auf ihn. Auch dort ist sein Ziel klar: Gold und damit der Weltmeistertitel bei den Erwachsenen. Langfristig möchte Freda vom Kickboxen leben können und sich auch bei den Erwachsenen international etablieren. Bis dahin bleibt wenig Zeit zum Ausruhen. Wenn er sich nach einem Wettkampf erholt oder Ferien hat, verbringt er die freie Zeit am liebsten mit seiner Familie. Denn auch wenn mit Bronze, Silber und Gold die WM-Medaillensammlung komplett ist, sind Fredas grossen Ziele noch lange nicht erreicht. Gabriela Studer