Aarburger feiern zwei Volksfeste binnen dreier Wochen

Jugendfest und Tour de Suisse bescheren Festivitäten im Doppelpack

David Loosli, sportlicher Direktor der Tour de Suisse, erkundet die 4. Etappe in Aarburg.Bild: Tour des Suisse/zvg

David Loosli, sportlicher Direktor der Tour de Suisse, erkundet die 4. Etappe in Aarburg.Bild: Tour des Suisse/zvg

Die Streckenführung der 4. Etappe der Tour de Suisse.Bild: openstreetmap

Die Streckenführung der 4. Etappe der Tour de Suisse.Bild: openstreetmap

Der furchteinflössende Burgdrachen war ganz harmlos.Bild: Archiv Thomas Fürst

Der furchteinflössende Burgdrachen war ganz harmlos.Bild: Archiv Thomas Fürst

Mit dem Jugendfest Ende Mai und der 4. Etappe der Tour de Suisse am Samstag, 20. Juni, ist Aarburg in den kommenden Wochen gleich zweimal Schauplatz eines Grossanlasses mit Volksfestcharakter.

«Die Fahnen des Vaterlandes flatterten im frischen Morgenwind. Und in den roten Rosen spielte das Sonnengold, indessen die Burgsilhouette ob der grünen Aare wie ausgemeisselt im Himmelbau stand. Jugendfest!» So pathetisch-patriotisch berichtete das Zofinger Tagblatt 1916 über das Jugendfest. Rund 50 Jahre später kam in Aarburg ein gewisser Hans-Ulrich Schär zur Welt. In seiner Kindheit erlebte er fünf Jugendfeste, wie er an einer Hand abzählt. Erinnert sich, wie er in der Woche danach jeweils zum Schaufenster von Foto Gmünder an der Oltnerstrasse stapfte, um unter den ausgestellten Fotos des Umzugs das Passende auszuwählen. Mehr als ein halbes Jahrhundert später lebt Hans-Ulrich Schär immer noch in Aarburg. Inzwischen ist er Stadtpräsident und präsidiert heuer zum dritten Mal in seiner Amtszeit die Jugendfestkommission.

Vertrauter Kanonendonner

Circa 900 Schülerinnen und Schüler nehmen in diesem Jahr am Festumzug vom Samstagmorgen teil. Seit Schär die Kommission präsidiert, müssen die Kinder im Anschluss an den Umzug gemeinsam essen, statt sich nach der Abgabe von Essens-Bons in alle Himmelsrichtungen zu verteilen. Besonders am Herzen liegt Hans-Ulrich Schär der Kanonendonner. Beim letzten Jugendfest 2022 eröffnete er mit einem Kanonenschuss auf der Festung höchstpersönlich die Festivitäten. «Die Zofinger schiessen elf Mal, wir nur sechs Mal. Das liegt daran, dass man unsere Kanone stopfen muss, während die Zofinger Hülsen abfeuern können», erklärt Hans-Ulrich Schär. Ob die Aarburger Kanonen bis nach Zofingen reichen, das erklärt er nicht.

Zofingen ist die Gastgemeinde des Jugendfests. Weil diese Notiz beim Präsidiumswechsel in der Thut-Stadt aber scheinbar unterging, läuft am Umzug niemand aus dem Stadtrat mit. Stattdessen schicken die Zofinger die Stadtmusik und die Tambouren vor.

Jugendfest mit Biss

Der Startschuss für die Festivitäten fällt am Freitagabend im Stadtpark. Live-Konzerte der Sofafischer, der Stadtmusik, Billy & Benno und eines Elvis-Imitators bieten ein Programm für die ganze Familie. «Wir konzentrieren uns bewusst auf lokale Grössen», sagt Hans-Ulrich Schär. An früheren Jugendfesten war das anders, als Stars wie Dodo oder Luca Hänni auftraten. Der Auftritt von Hänni machte national Schlagzeilen, weil eine Stalkerin von ihm einer anderen Konzertbesucherin in den Arm biss, weil diese das Schweisstuch des Popstars aufgefangen hatte.

Nebst dem Städtli steht am Samstag das Paradiesli-Areal im Zentrum. Am Samstag und Sonntag ist ein Lunapark in Betrieb. Es gibt Informationsstände für Familien und eine Festwirtschaft. In der Badi hat die Oberstufe ihren Spielenachmittag. Die Badi bleibt aber für alle anderen Badegäste offen. «Wir freuen uns, dass das Jugendfest nach dem budgetlosen Zustand im letzten Jahr wieder stattfinden kann. Ich finde es wichtig, dass diese Tradition auch im 21. Jahrhundert noch weitergelebt wird», sagt Hans-Ulrich Schär.

Zeitfahren der Tour de Suisse

Nur drei Wochen später steht in Aarburg bereits das nächste Volksfest an. Die 4. Etappe der Tour de Suisse, das prestigeträchtige Einzelzeitfahren, geht am Samstag, 20. Juni, über die Bühne. «Dass der Event genau auf einen Samstag fällt, ist ein absoluter Glücksfall. Es gibt im Start-Ziel-Bereich eine Fanzone, diverse Stände und eine Kidszone. Während das Jugendfest eine sehr lokale Angelegenheit ist, so ist die Tour de Suisse ein Event mit internationaler Leuchtkraft», freut sich Hans-Ulrich Schär. 99 Prozent des Zeitfahrens finden zwar auf Solothurner Boden statt. Dennoch erhofft sich der Stadtpräsident einen positiven Imagegewinn für seine Gemeinde: «Aufgrund seiner verkehrstechnischen Lage hat Aarburg das Risiko, eine Schlafgemeinde zu werden. Mit Anlässen wie diesen steuern wir aber dagegen. Auch punkto Tourismus und wirtschaftlicher Wertschöpfung erhoffen wir uns einiges von diesem Event.»

Dass Aarburg überhaupt zum Handkuss für die Tour de Suisse kam, haben sie nicht zuletzt den Murgenthalern zu verdanken. Da diese an ihrer Gemeindeversammlung im November letzten Jahres den Kredit für den Donnschtig-Jass ablehnten, hatte Aarburg plötzlich keinen Jass-Gegner mehr. Von diesem Umstand erfuhren die Organisatoren der Tour de Suisse und klopften bei Aarburg an. «Eine Vorbereitungszeit von vier Monaten ist natürlich sportlich. Finanziell können wir den zugesprochenen Kredit des Donnschtig-Jasses verwenden. Der Swisslos-Fonds hilft ebenfalls. Wir achten sehr genau darauf, dass dieser sportliche Grossanlass kein Loch in die Stadtkasse reisst», betont Hans-Ulrich Schär.

Weil sowohl für das Jugendfest Ende Mai als auch für die 4. Etappe der Tour de Suisse am 20. Juni Strassensperrungen nötig sind, informiert die Stadt per amtlicher Publikationen im «Wiggertaler», auf welche zeitweiligen Einschränkungen sich die Verkehrsteilnehmer an diesen beiden Anlässen einstellen müssen. Manuel Arnold