An Ostern steht ihre Arbeit in Gottes Dienst
Aarburg Wie sich die neue Sigristin Daniela Schneuwly auf das Osterfest vorbereitet
Arbeiten, während andere frei haben. Das gilt künftig auch für Daniela Schneuwly, die sich als neue Sigristin der reformierten Kirche Aarburg auf ihre ersten Ostergottesdienste freut.
Bewacht von einer Festung, gestützt von Fels und Stein, thront die reformierte Kirche über dem Aarburger Städtchen, als stünde sie seit jeher dort. 117 Treppenstufen muss erklimmen, wer vor die Pforte der Kirche treten will. Es sei denn, man kennt den «Schleichweg» und nimmt den Lift am Fuss des Felsens. Eben dort steht am Freitagmorgen Daniela Schneuwly, die sich seit diesem Jahr Sigristin dieser Kirche nennen darf. Freundlich, gesprächig und häufig lächelnd führt sie in die Gemäuer des zwischen 1842 und 1845 erstellten neugotischen Baus.
35 Jahre lang war Willy Aebischer Aarburgs Sigrist, ehe er sich Ende letzten Jahres in den Ruhestand begab. Das ausgeschriebene Stelleninserat im «Wiggertaler» sah Daniela Schneuwly, bewarb sich nach ihrer sechsjährigen Babypause und fand sich bald am Vorstellungsgespräch in der Kirche wieder. «Ich bin gerne Gastgeberin und liebe Begegnungen mit Menschen. Dass ich dies an einem so friedvollen und ruhigen Ort wie diesem ausleben kann, erfüllt mich mit Stolz», erklärt die 33-Jährige.
Ein Sigrist ist weiss Gott kein Abwart. Und doch sind die Aufgaben von Daniela Schneuwly mannigfaltig. Den Kirchenraum schmücken, Kerzen anzünden, Kirchenglocken läuten, die Lesebändchen auf den richtigen Seiten der Gesangsbücher zurechtlegen, staubsaugen, Taufwasser temperieren und Kirchengäste betreuen sind nur einige Beispiele. Trotz ihrer jungen Amtszeit weiss sie auch bereits, wie es sich anfühlt, 117 Treppenstufen lang Schnee zu schaufeln. Beim unfreiwilligen Fitnessprogramm vor jenem Gottesdienst konnte sie glücklicherweise auf die spontane Hilfe eines Kirchgängers zählen.
So alt die Mauern wirken, so überraschend modern zeigt sich ihr Inneres: Die Kirche ist mit Beamer, Leinwand, Lichtsteuerung per App, Mikrofon und Mischpult ausgestattet. Bei der Türkollekte ist nicht nur Bares Wahres, digital geht’s auch per Twint. «Es bringt mich immer wieder zum Schmunzeln, wenn ich sehe, wie auch unsere älteren Kirchenbesucherinnen diese Bezahlform nutzen.» Die älteren Frauen, welche die Gottesdienste besuchen, haben es der Oftringerin besonders angetan. Für Schneuwly sind sie eine Art Ersatz-Omas, weil sie ihre eigene nach ihrem Wegzug in die Schweiz vor zwölf Jahren im weit entfernten Norddeutschland zurückgelassen hat.
Butterzopf beim Abendmahl
In wenigen Tagen steht mit Ostern der höchste Feiertag des reformierten Kirchenjahres an. Am Karfreitag und am Ostersonntag gibt es Gottesdienste. Die Tischdecke für das Abendmahl hat Daniela Schneuwly bereits gebügelt, die Kelche und Becher sind bereits poliert.
Statt Hostien gibt es bei den Reformierten Brote – in Aarburgs Fall Zöpfe, die sie zuhause backen will. «Auf das gemeinsame Singen und das Beisammensein freue ich mich an Ostern am meisten. Die Kirche ist ein sicherer Ort, an dem jeder und jede willkommen ist. Ein Ort, an dem der Geist zur Ruhe kommen darf.» Zelebrieren will Daniela Schneuwly im Privaten auch die weltlichen Ostertraditionen: «Meine sechsjährige Tochter freut sich schon riesig auf den Osterhasen und das Eiersuchen. Und ich mache gerne Geschenke. Ich bin ein Mensch, der gerne gibt.»
Quereinstieg ins Gotteshaus
Als Sigristin ist Daniela Schneuwly eine Quereinsteigerin. Die gelernte Bürokauffrau und spätere Wirtschaftsfachwirtin arbeitete ihr Leben lang in der Gesundheitsbranche, in der Schweiz zuletzt in der Patientenabrechnung. Im Herbst geht es für sie an den einwöchigen Grundschulungskurs für Sigriste. Und bis dahin muss sie hie und da auch mal improvisieren. «Wir haben hier in Aarburg ein super Kirchen-Team. Alle sind sehr hilfsbereit, wenn ich Fragen habe. Im Bedarfsfall helfen mir auch Videos auf Youtube weiter.» Wie man innen und aussen alles in Schuss hält, weiss Daniela Schneuwly aber bereits bestens, weil sie mit ihrem Mann privat ein Haus und einen Schrebergarten besitzt.
Mitgliederschwund aufhalten
Die Zeiten, als das sonntägliche Glockengeläut die Menschen noch in Scharen in die Gotteshäuser lockte, sind vorbei. Ein Umstand, der auch Daniela Schneuwly zu denken gibt. «Es wäre schön, wenn wieder mehr Menschen den Weg in die Kirche finden würden. Ich verstehe nicht, warum ein Ort, der einem so viel Frieden schenken kann, nicht häufiger besucht wird. Gerade in Aarburg wird mit einem frischen Ansatz versucht, die Zelebrierung des Glaubens modern zu gestalten. Ich hoffe, dass diese Arbeit dereinst Früchte trägt.»
Zu lange möchte Daniela Schneuwly die Klaviatur der ernsten Töne aber nicht spielen. Deshalb wechselt sie gekonnt das Notenblatt. Sie erzählt von ihrer Vorfreude, wenn sie als Sigristin zum ersten Mal die Aarburger Orgel hören darf. Davon, wie sie den Glockenturm besteigen will, weil sie jeden Winkel ihrer Kirche erforschen möchte. Und nicht zuletzt von ihrer tiefen Genugtuung, wenn sie am Feierabend aus ihrer «zweiten Stube» tritt und am Aussichtspunkt den Blick zufrieden über Aarburg und die Aare schweifen lässt. Manuel Arnold





