Auf der «MS Sausewind» gehts drunter und drüber
Rothrist Bei der Aufführung von «Schiff über Bord» bleibt kein Auge trocken
Ein cholerischer Kapitän, eine beinahe leere Passagierliste und ein neuer Schiffseigentümer, der besser nicht hinter die Kulissen blickt: Die Theatergesellschaft Rothrist sorgt mit der Komödie «Schiff über Bord!» für reichlich Turbulenzen und strapazierte Lachmuskeln.
Die Glocke, die den Beginn der Vorstellung ankündigt, geht im fröhlichen Geplauder und Gelächter des gespannten Publikums beinahe unter. Beim anschliessenden Heavy-Metal-Song gibt es allerdings kein Überhören mehr: Die Premiere der Theatergesellschaft Rothrist im Breitensaal hat begonnen. Und schon bald wird klar, dass auf der «MS Sausewind» einiges aus dem Ruder läuft.
Eigentlich könnte das Leben an Bord so schön sein. Wäre da nicht der Kapitän, dessen Zündschnur ungefähr so lang ist wie ein Streichholzkopf. Besonders seine Ex-Frau bringt ihn gedanklich regelmässig auf die Palme. Dass sein Schiff inzwischen an die amerikanische Reederei «Royal Jelly Bubble Cruise» verkauft wurde, scheint ihn beinahe weniger aufzuregen.
Dabei hat die Besatzung ganz andere Sorgen. Ein Inspekteur stellt die Betriebslizenz infrage und macht insbesondere der russischen Mechanikerin das Leben schwer. Gleichzeitig kündigt sich der neue Schiffseigentümer zu einem Besuch an. Und der bringt ausgerechnet eine Begleiterin mit, die nicht seine Ehefrau ist.
Ein Schiff voller Hochstapler
Dumm nur, dass auf der «MS Sausewind» kaum jemand mitfährt. Der einzige Passagier ist eine pensionierte Schauspielerin, die ihren Lebensabend auf dem Schiff verbringen möchte und dem Kapitän ausgesprochen zugetan ist.
Also muss improvisiert werden. Kurzerhand plündert die Besatzung den schiffseigenen Theaterfundus und verwandelt sich in eine illustre Reisegesellschaft. Plötzlich tummeln sich eine ältere Mexikanerin im Rollstuhl samt Angestellter, ein schottisches Ehepaar und ein schwedischer General an Deck. Der neue Eigentümer soll schliesslich glauben, ein bestens besuchtes Schiff übernommen zu haben.
Dass dieses Täuschungsmanöver nicht ohne Zwischenfälle über die Bühne geht, versteht sich von selbst. Zumal auch noch der ungeliebte Inspekteur immer wieder aus dem Blickfeld verschwinden soll. Was allerdings mit schöner Regelmässigkeit misslingt.
Wortspiele, schräge Dialoge und Pointen reihen sich aneinander wie Perlen an einer Schnur. Die Schauspielerinnen und Schauspieler überzeugen dabei nicht nur mit ihren Texten, sondern ebenso mit herrlicher Mimik und Gestik. Das liebevoll gestaltete Bühnenbild mit Oberdeck, Rettungsringen und allerlei nautischen Details macht die Illusion einer Schiffsreise perfekt.
Die Pause kommt gerade rechtzeitig, um die Lachmuskeln etwas zu entspannen.
Wenn das Chaos mit an Bord geht
Im zweiten Akt taucht dann auch noch die Ehefrau des Reeders auf. Damit ist das Durcheinander endgültig perfekt. Plötzlich müssen Beziehungen erfunden, Liebschaften vertuscht und unangenehme Wahrheiten verborgen werden.
Als der Inspekteur mit einem Paddel hantiert und Geliebte des Reeders daraufhin regungslos zu Boden geht, nimmt das Chaos erst richtig Fahrt auf. Was nun? Die vermeintliche Leiche muss verschwinden, und zwar möglichst unauffällig. Dass dabei Situationen entstehen, die kaum kompromittierender sein könnten, sorgt für weitere Lachsalven.
Ob sich die verworrenen Liebesgeschichten noch entwirren lassen? Kann die Zukunft der «MS Sausewind» gerettet werden? Und wie lange dauert es, bis der neue Reeder hinter das Täuschungsmanöver kommt? Wer ausserdem wissen möchte, was es mit dem «tasmanischen Lumpen-Socken-Lümmler» oder dem «Tripper vom Lazarett» auf sich hat, kann dies von Donnerstag, 5. bis Samstag, 7. November, jeweils um 20 Uhr, herausfinden.
Übrigens brilliert die Theatergesellschaft Rothrist nicht nur auf der Bühne, sondern auch in der Küche. Die grosszügigen Portionen lassen eigentlich kaum noch Platz für Kuchen und Torten. Irgendwie geht dann aber doch beides rein.
Die Komödie «Schiff über Bord!» von Dani von Wattenwyl unter der Regie von Hans Koolen bietet jedenfalls reichlich Gelegenheit, den Alltag für ein paar Stunden hinter sich zu lassen – und die Lachmuskeln ordentlich zu trainieren. Regina Lüthi













