Bei der Theatergesellschaft Rothrist heisst es «Schiff über Bord»

Rothrist Vorverkauf für das Theater im Gemeindesaal Breiten ist gestartet

Marco Swiatek, Selina Balmer und Fabienne Bumann (von links) servieren einen amüsanten Zweiakter im Gemeindesaal.Bild: manuel Arnold

Marco Swiatek, Selina Balmer und Fabienne Bumann (von links) servieren einen amüsanten Zweiakter im Gemeindesaal.Bild: manuel Arnold

Regisseur Hans Koolen schärft die Mimik und Gestik seines Ensembles (im Bild Cornelia Bader als Jessica James). Bilder: Manuel Arnold

Regisseur Hans Koolen schärft die Mimik und Gestik seines Ensembles (im Bild Cornelia Bader als Jessica James). Bilder: Manuel Arnold

Lüftet Reedereichef Billy Bob John James (Marcel Gerber) das Geheimnis des doppelten Spiels von Marlene Brando (Sarah Di Marco, links) und Eva Vogel (Saskia König)?

Lüftet Reedereichef Billy Bob John James (Marcel Gerber) das Geheimnis des doppelten Spiels von Marlene Brando (Sarah Di Marco, links) und Eva Vogel (Saskia König)?

Ende Oktober kommt die Komödie «Schiff über Bord» auf die Bühne im Gemeindesaal Breiten. Die 55. Produktion der Rothrister Theaterleute verspricht ein rasantes Stück in zwei Akten, bei der im Kielwasser der «MS Sausewind» kein Auge trocken bleibt.

Ein Donnerstagabend im September. Langsam trudeln die Theaterspielerinnen und Theaterspieler im Gemeindesaal Breiten ein. Die einen bereits verkleidet, die anderen noch in Zivil. Die Stimmung ist locker und heiter, passend zum Stück «Schiff über Bord», das die Theatergesellschaft Rothrist heuer auf die Bühne bringt. «Es ist ein lustiges und unterhaltsames Stück. Das Publikum darf sich zurücklehnen und zwei Stunden getrost den Kopf abschalten», sagt Spielerin Saskia König. Marco Swiatek ergänzt scherzend: «Das Einzige, was bei diesem Stück Tiefgang hat, ist das Schiff.»

An besagtem Probeabend fehlt einer der Hauptprotagonisten. Kurzerhand schlüpft Regisseur Hans Koolen in die Rolle. Für den gebürtigen Holländer ist das kein Problem, seit 36 Jahren spielt er bei den Theaterfans Walterswil. Was 1990 mit einem kurzen Stück für die dortige Mehrzweckhallen-Einweihung begann, entwickelte sich zu einem jahrzehntelangen Engagement als Spieler und Regisseur. «Es reizt mich, Leute nicht an, sondern über ihre Grenzen zu bringen. Ich will, dass mein Ensemble seine Rolle nicht spielt, sondern lebt.»

Mit den Spielerinnen und Spielern aus Rothrist harmoniert es offensichtlich. Bereits zum fünften Mal in Folge sitzt der 68-Jährige auf dem Regiestuhl. «Das Ensemble hat eine sehr schöne Spielfreude. Alle haben ihre Rolle verinnerlicht. Ich bin mit dem Verlauf sehr zufrieden», sagt Hans Koolen. 

36 Proben und eine Hauptprobe stehen zwischen der ersten Leseprobe Mitte April und der Premiere am 30. Oktober. An diesem Septemberabend geht es um den zweiten Teil des Zweiakters. Und wenn Hans Koolen nicht als Spieler aushilft, steht er unten vor der Bühne. Greift ein, wenn Mimik, Gestik oder Stimme nicht so sind, wie er sich das vorstellt. Mit einer gesunden Mischung aus Ernsthaftigkeit und Lockerheit führt er sein Ensemble – wie ein Dirigent, nutzt seine Worte als Taktstock, um Szenen punktuell zu verfeinern.

Natürlich sitzt an diesem Abend noch nicht jeder der Einsätze. Hoch konzentriert sitzt deshalb Souffleuse Sonja Christen auf ihrem Stuhl und hilft dort, wo die Dialoge noch nicht sattelfest sind. Ein Auftritt als Spielerin wäre auf keinen Fall etwas für sie, winkt sie ab. Viel lieber bleibt sie im Hintergrund – respektive auf der Seite der Bühne – und verhilft der Produktion seit Jahren als stille Helferin zum Erfolg.

Wenig Erfolg hat derweil das Flussfahrtschiff «MS Sausewind», um das es im Stück geht. Die grosse Reederei, die das Schiff kürzlich gekauft hat, weiss nicht, dass auf dem Boot kaum Passagiere sind und wenig Betrieb herrscht. Als der neue Besitzer überraschend seinen Besuch ankündigt, muss das Schiffpersonal improvisieren und kurzerhand ein fiktives, lebhaftes Bordleben inszenieren. Die Schauspielerinnen und Schauspieler schlüpfen so in mehrere Rollen, was bei dieser Verwechslungskomödie für ordentliche Turbulenzen und überraschende Wendungen sorgt.

Die Komödie aus der Feder von Dani von Wattenwyl, Telebasel-Moderator und Inhaber des «Kulturhuus Häbse», ist wie gemacht für die Theatergesellschaft Rothrist. Leichte Kost, humorvoll serviert, auf einem spielerisch ernsthaften Niveau, dafür stehen die Rothrister Produktionen seit Jahrzehnten. «Das Stück hat mich von Anfang an überzeugt. Dani von Wattenwyl ist ein hervorragender Autor. Bei ‹Schiff über Bord› darf man sich durchgehend amüsieren», verspricht Regisseur Hans Koolen.

Für die Kulisse wurde die Theatergesellschaft Rothrist beim Theaterfundus fündig. Die vier Meter hohe Bühnenleinwand zeigt ein doppelstöckiges Schiff, mit einem Durchgang im hinteren Teil. Die Kommandobrücke des Schiffs ist auf der kleinen Empore des Gemeindesaals platziert.

Der Vorverkauf für das 55. Theater in Rothrist ist am 1. Oktober gestartet. Für Hans Koolen gibt es gute Gründe, weshalb man die Komödie in zwei Akten nicht verpassen sollte: «Wir haben viele erfahrene Spieler auf der Bühne. Mit Fabienne Bumann haben wir zudem eine Debütantin auf der Bühne, die ihre Sache hervorragend macht. Wer ein paar vergnügte Stunden bei bester Unterhaltung erleben möchte, ist bei uns an der richtigen Adresse.»Manuel Arnold