Borna-Campus macht Jugendliche fit für die Berufswelt

Rothrist Borna-Herbstfest am 6. und 7. November, jeweils von 9 bis 17 Uhr

Campus-Leiterein Berivan Kavak begleitet David Kölner auf seinem Ausbildungsweg. Bild: Manuel Arnold

Campus-Leiterein Berivan Kavak begleitet David Kölner auf seinem Ausbildungsweg. Bild: Manuel Arnold

Der Tag der offenen Tür mit Basar heisst neu Borna-Herbstfest.Bild: Archiv Wiggertaler

Der Tag der offenen Tür mit Basar heisst neu Borna-Herbstfest.Bild: Archiv Wiggertaler

In der Borna-Werkstatt steht David Kölner am liebsten an der Schrumpfmaschine.Bild: Manuel Arnold

In der Borna-Werkstatt steht David Kölner am liebsten an der Schrumpfmaschine.Bild: Manuel Arnold

Am kommenden Wochenende lädt die Borna Arbeits- und Wohngemeinschaft zum Herbstfest. Dort präsentiert sich auch der neue Borna-Campus, der Jugendliche mit einer Kombination aus Ausbildung und Wohngemeinschaft auf ein selbstständiges Leben in Beruf und Alltag vorbereitet.

Ganz entspannt sitzt David Kölner in einem der Sitzungszimmer der Borna, als ihn der «Wiggertaler» zum Interview trifft. Sein Baseballcap sitzt verkehrt herum, eine dicke Kette hängt um seinen Hals. Der 18-Jährige gehört mit fünf weiteren Klienten zur ersten Generation des Borna-Campus. Ziel dieses Pilotprojekts ist es, jungen Menschen eine Ausbildung zu bieten und sie durch gemeinschaftliches Wohnen im Breitenpark auch nach der Arbeit zu betreuen und zu fördern.

David Kölner macht in der Borna eine praktische Ausbildung (PrA INSOS) zum Logistiker. Die ersten Wochen seien schwer gewesen, gibt er unumwunden zu; ein neues Arbeitsumfeld, ein neuer Wohnort. «Es braucht noch etwas Zeit, bis ich es als mein Zuhause ansehe», sagt er. Die Arbeit in der Werkstatt mache ihm aber grossen Spass. Das Rüsten und besonders das Arbeiten an der Schrumpfmaschine gefallen ihm besonders. «Mit den anderen Jugendlichen verstehe ich mich sehr gut. Das hilft mir, mich an diesem neuen Ort einzuleben.»

Struktur und Halt geben

Viel neue Erfahrung hat jüngst auch Berivan Kavak gesammelt. Seit knapp vier Jahren arbeitet sie bei der Borna, seit diesem Sommer leitet sie den Campus. «Es brauchte viel Zeit und Energie, diese Arbeits- und Wohngruppe von Grund auf neu zu planen. Wir glauben an den Ansatz, ein spezifisches Angebot für Jugendliche anzubieten, um sie gezielt für die Arbeitswelt, aber auch für den Alltag fit zu machen», sagt die 31-Jährige. Der grosse Vorteil sei, dass die Betreuerinnen teils auch am Abend in der Wohngruppe vor Ort seien. Drei Mal pro Woche kochen die Klienten, zudem gibt es Lektionen im Waschen und Putzen. Alles mit dem Ziel, die Jugendlichen in die Selbstständigkeit zu führen. Wöchentlich gibt es eine WG-Sitzung, in der Regeln und die Hausordnung thematisiert werden. Dass dabei nicht auf Anhieb alles klappt, ist verständlich. Exemplarisch zeigte sich das in der ersten Woche, als sich Nachbarn über die zu laute Musik der Jugendlichen beschwerten. Nach einem klärenden Gespräch gab es aber keinerlei Reklamationen mehr, versichert Berivan Kavak. 

Schritt für Schritt zum Erfolg

David Kölners praktische Ausbildung dauert zwei Jahre. Einen Tag pro Woche geht er in die Berufsschule in Aarau. Wenn er die Ausbildung besteht, könnte er mit einem Eidgenössischen Berufsattest (EBA) oder mit einem Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) einen wichtigen Schritt in Richtung ersten Arbeitsmarkt machen. Am liebsten würde er im Detailhandel arbeiten, im Idealfall in einem Laden mit einem grossen Nike-Schuhsortiment. In seiner Freizeit produziert David Kölner TikTok-Videos. Seine südamerikanischen Wurzeln zelebriert er in Tanz- und Rapvideos, die gemäss eigener Aussage so beliebt sind, dass ihm die vielen Klicks Ende Monat sogar sein Lehrlingsgehalt aufstocken.

Offene Stelle im Team

Gestartet ist der Borna-Campus mit vier Klienten, inzwischen sind es sechs. Ein Platz ist aktuell noch frei. Und auch beim Betreuungspersonal würde sich die Borna über Zuwachs freuen. «Wir suchen aktuell noch eine Person zur Teamverstärkung in einem 60- bis 80-Prozent-Pensum. Interessierte können sich direkt über die Borna-Website bewerben», sagt Berivan Kavak.

Mit der Kombination aus geschützter Arbeitsstätte und betreutem Wohnen gibt der Borna-Campus den Heranwachsenden die Möglichkeit, im eigenen Tempo an den eigenen Fähigkeiten zu arbeiten. Auf die Frage, wo sie den Borna-Campus in fünf Jahren sieht, antwortet Berivan Kavak: «Ich hoffe, dass wir bis dahin die Gesamtzahl der Klienten steigern können, und, dass unser Pilotprojekt auch an anderen Orten Schule macht. Die ersten Erfahrungen haben uns darin bestätigt, dass wir mit dem Borna-Campus auf dem richtigen Weg sind.» Manuel Arnold

Borna Herbstfest am 6./7. November

Der bisherige Tag der offenen Tür mit Basar heisst neu Borna-Herbstfest. Zum ersten Mal gefeiert wird an der Gländstrasse 24 in Rothrist am 6. und 7. November, jeweils von 9 bis 17 Uhr. Am Anlass für alle Generationen stellt sich die Arbeits- und Wohngemeinschaft vor. Nebst einem geführten Rundgang gibt es eine Tombola, Kinderschminken und Spiele. Der beliebte Basar bleibt Teil des Festes. Kulinarisch gibt es Feines vom Grill, einen Spaghettiplausch, Raclette, Waffeln und den legendären Schoggibrunnen. Alle Informationen zum Borna Herbstfest gibt es auf den Sonderseiten des vorigen «Wiggertalers» (Ausgabe vom 29. Oktober) oder im Internet unter www.borna.ch.