Christina Kunz wandelt seit 20 Jahren auf Mozarts Spuren

Aarburg Kleines Mozartfestival, 26. bis 30. August

Chrisitina Kunz ist Initiantin und Präsidentin des Schweizer Mozartwegs.bild: Manuel Arnold

Chrisitina Kunz ist Initiantin und Präsidentin des Schweizer Mozartwegs.bild: Manuel Arnold

Schülerinnen und Schüler aus Aarburg gestalteten zur 20-Jahr-Feier des Schweizer Mozartwegs schöne Illustrationen. bild: Manuel Arnold

Schülerinnen und Schüler aus Aarburg gestalteten zur 20-Jahr-Feier des Schweizer Mozartwegs schöne Illustrationen. bild: Manuel Arnold

Bundesrat Guy Parmelin (mit dunkler Sonnenbrille) anlässlich der Mozartwegjubiläumsfeier 2016 in Coppet.Bild: zvg

Bundesrat Guy Parmelin (mit dunkler Sonnenbrille) anlässlich der Mozartwegjubiläumsfeier 2016 in Coppet.Bild: zvg

Christina Kunz wandelt seit 20 Jahren auf Mozarts Spuren

Vor 260 Jahren fuhr Wolfgang Amadé Mozart in der Postkutsche durch Aarburg. Dass man sich heute noch an die Durchreise des Wunderkinds erinnert, ist das Verdienst von Christina Kunz. Seit 20 Jahren hält die Cembalistin den «Schweizer Mozartweg» auf Kurs.

1766 reiste der zehnjährige Wolfgang Amadé Mozart mit seiner Familie per Postkutsche durch die Schweiz. Was aus heutiger Sicht romantisch anmutet, war in Wirklichkeit kein komfortables Unterfangen. Holprige Strassen, Wind und Wetter ausgesetzt, war die richtige Routenwahl entscheidend, damit sich das Wunderkind zwischen seinen Konzerten an Königshöfen und in Adelshäusern nicht verkühlte. Welche Route die Mozarts anno 1766 wählten, diese Frage beschäftigte die Aarburger Cembalistin Christina Kunz vor Mozarts 250. Geburtstag im Jahr 2006. Fortan machte sie sich auf Spurensuche: «Es war nie geplant, dass ich den Schweizer Mozartweg aufgleise, denn ich bin ja Musikerin und nicht Geografin oder Historikerin. Aber da alle infrage kommenden Institutionen Absagen erteilten, musste ich die Idee entweder begraben oder selber die Ärmel hochkrempeln.»

Christina Kunz entschied sich für Letzteres, begab sich auf die Reise, wühlte monatelang im Archiv von «Via Storia», dem Zentrum für Verkehrsgeschichte in Bern – bis für sie ausser Frage stand, dass die Mozarts auch in Aarburg die Pferde wechseln mussten, denn Aarburg war früher ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt.

Vom Klavier zum Cembalo

Durch ihre Geschwister kam die im Toggenburg geborene Christina Kunz bereits in jungen Jahren mit Mozarts Musik in Berührung. Als Erwachsene studierte sie Klavier in Zürich, später Cembalo an der Nordwestdeutschen Musikhochschule Detmold. Sie spielte unter anderem als Solistin mit dem Kammerorchester der Münchner Philharmoniker und dem City of Oxford Orchestra, gab unter anderem Konzerte in der Londoner Wigmore Hall und im Bachhaus Leipzig.

2006 gründete sie den «Schweizer Mozartweg», einen Verein, den sie seit Anbeginn präsidiert. Am 26. August besagten Jahres wurde in Aarburg die erste Mozartstele errichtet. Inzwischen gibt es 26 Standorte zwischen Dardagny und Schleitheim, wo sich auf dem Velo oder per pedes auf Mozarts Spuren wandeln lässt. Der Verein zählt schweizweit rund 70 Mitglieder, darunter hochrangige Persönlichkeiten wie den Schweizer Botschafter Wolfgang Amadeus Brülhart. Ihm ist es zu verdanken, dass sich 2016, zum 10-Jahr-Jubiläum, Bundesrat Guy Parmelin den Feierlichkeiten anschloss und die Delegation auf dem gesamten Weg von Coppet bis nach Morges begleitete.

Wie wichtig ein gutes Beziehungsnetzwerk ist, wusste bereits «Wolferls» Vater, Leopold Mozart, wie Christina Kunz erklärt: «Leopold war Vizekapellmeister am Hof in Salzburg, ein hoch gebildeter Mann. Er wusste, dass er mit Wolfgang in die weite Welt hinaus muss, damit er auf seiner dreieinhalbjährigen Konzert- und Bildungsreise von den Besten der Besten unterrichtet wird. Mozart wäre ein anderer geworden, hätte er nicht diesen Bildungshintergrund in jungen Jahren erhalten.»

Klassik kennt keine Altersgrenze

Der Schweizer Mozartweg ist aber keinesfalls ein elitärer Verein. Sein Auftrag ist viel schlichter. «Es geht uns darum, jungen und älteren Menschen aller Bildungsschichten die wunderbare Klangwelt von Wolfgang Amadé Mozart näherzubringen.» Gerade die Jugend hat es Christina Kunz besonders angetan. Als Pädagogin brachte sie in jungen Jahren zahlreichen Kindern das gekonnte Bespielen der Klaviatur bei. Am Kleinen Mozartfestival, das vom 26. bis 30. August im Rahmen des 20-Jahr-Jubiläums in Aarburg über die Bühne geht, gibt es eine Kindervorstellung zur «Zauberflöte» und eine Matinée «Willst Du die erste Geige spielen?» für kleine und grosse Kinder. Im Städtchen sind überdies Kinderzeichnungen zum Thema Mozart zu sehen, die Aarburger Schülerinnen und Schüler gestaltet haben.

Christina Kunz selbst greift am Mozartfestival mehrfach in die Tasten, spielt an der Jubiläumsfeier und beim kommentierten Konzert in der Rathaushalle sowie beim Abschlusskonzert in der Stadtkirche. «Es wird auch die wunderbare Orgel der Stadtkirche erklingen», sagt Christina Kunz. Das gesamte Konzertprogramm des Mozartfestivals finden Interessierte unter www.mozartweg.ch. Im Museum findet vom 26. August bis 5. Oktober zudem die Ausstellung «Ein Wunderkind reist durch die Schweiz» statt.

Quo vadis, Mozartweg?

20 Jahre Mozartweg, über 200 veranstaltete Vorträge und Konzerte sowie 20 Generalversammlungen (eine davon in Wien) liegen zwischen dem Hier und der Zeit, als Christina Kunz im Archiv von «Via Storia» forschte. Wohin der Weg in Zukunft führen soll, beschreibt die glühende Mozartverehrerin so: «Als Erstes wünsche ich mir eine gute Nachfolge – die ich seit längerer Zeit suche – für den ganzen Schweizer Mozartweg, der Teil des europäischen Mozartwegnetzes ist. Ich könnte mir denken, dass dies mindestens zum Teil eine Aufgabe des Bundesamts für Kultur sein müsste. Für die Region wünsche ich mir, dass das Verständnis und die Freude an Mozarts Musik immer grössere Kreise ziehen, so nach dem Motto: Denn die Freude ist so wichtig wie das Brot.»

Manuel Arnold

Christina Kunz wandelt seit 20 Jahren auf Mozarts Spuren