Der Einzug der Französischen Betten

Zofingen Die 89. Folge der beliebten Mühlethaler Geschichten

Die «Bethge» in einer Luftaufnahme aus den 1970er-Jahren.Bild: zvg
Die «Bethge» in einer Luftaufnahme aus den 1970er-Jahren.Bild: zvg

Bruno Graber (*1955) erzählt aus der Zeit 1977 bis 1983, als er Werkstattleiter in der Textilfabrik «Bethge» und nebenbei auch Kommandant der kleinen Betriebsfeuerwehr war.

«Die Bethge gehörte dazumal der Weberei Weber in Aarburg, die später von Familie Fischer geführt wurde. In der Spinnerei und Weberei in Aarburg wurden diverse Stoffe produziert, die dann in der Bethge gebleicht, gefärbt, mercerisiert, gerauht, imprägniert, auf dem Spannrahmen getrocknet und in die Form gebracht wurden. Ausserdem wurden die Textililen sanforisiert (geschrumpft), damit sie nach dem Waschen nicht eingingen. Der gesamte Maschinenpark war bis etwa 1975 auf die damals gängige Bettwäsche eingerichtet. Also auf maximal 1,60 Meter breite Leintücher, die zu einer Matratzenbreite von 80 – 90 Zentimetern passten.

Weil dann die Französischen Betten Einzug hielten, mit Matratzenbreiten von 1,40 oder 1,60 Metern, musste der Maschinenpark durchgehend für Bettwäsche ausgebaut werden, die etwa 2,40 Meter breit war. In dieser Zeit der Umstellung war ich Werkstattchef und konnte die Bauarbeiten und die Montage der neuen Maschinen begleiten.

Diese wurden parallel zur alten Fabrikation aufgebaut, denn die alten Masse waren ja weiterhin gefragt. Wichtig zu erwähnen ist noch, dass die Bethge selber keinen Stoff herstellte, sondern in anderen Fabriken gewobene Textilien veredelte und konfektionierte.

Weil die Produktion viel Energie brauchte, vor allem Öl für die Heizung, lohnte es sich, eine Wärmerückgewinnung einzurichten. Das viele Wasser wurde aus dem Bach aufbereitet und für das Bleichen und Färben genutzt. Trotz eines eigenen Klärbeckens kam es leider vor, dass der Bach verschmutzt wurde. Neben meiner Arbeit als Werkstattchef war ich auch noch Kommandant der Betriebslöschgruppe, einer eigenen kleinen Fabrikfeuerwehr.

Zeitweise gab es in der Bethge einen Fabrikverkauf von Resten oder Farbvorläufen. Angestellte erhielten bei Geburten Windelstoff geschenkt! Dannzumal waren Pampers und andere Wegwerfwindeln noch nicht so verbreitet. Je nach Auftragsvolumen gab es auch Schichtarbeit. Und selbstverständlich wurde die Arbeitszeit mit Stempelkarten an der Stempeluhr erfasst.

In meiner Zeit in der Bethge arbeiteten viele Mühlethalerinnen und Mühlethaler dort: Otto und Luise Berger vom Seiler. Otto war mein Vorgänger als Werkstattleiter und zuständig für Heizung und Unterhalt, Luise hat an der Sanforisiermaschine gearbeitet. Fritz Müller (Nüchtern) war Färbermeister, Max Oppliger (Seiler) Spannrahmenchef, einer seiner Mitarbeiter war Kurt Hunziker (Sonnenhügel). Ernst Kohli (Seiler) war Heizer. Auch das Ehepaar Susanne und Eugen Hauri sowie Susanne Alder von der Oeltrotte, Margrit Müller und Peter Lauber von der Neuen Strasse haben hier gearbeitet. Die ausländischen Angestellten stammten vorwiegend aus Griechenland und Italien, manchmal waren auch Sozialhilfebezüger für Hilfsarbeiten im Einsatz.»

Christian Roth / Bruno Graber