Der Herbst hält sich nicht an den Kalender
Region Impressionen aus der Natur
Noch bis vor Kurzem fühlte es sich an, als wolle der Sommer überhaupt nicht enden. Bis weit in den September hinein, ja sogar Anfang Oktober, sorgten ungewöhnlich warme Temperaturen für beinahe sommerliche Verhältnisse. Dann folgten Regen, kühlere Tage und erste herbstliche Stimmung. Doch inzwischen zeigt sich die Sonne wieder häufiger. Und wer mit offenen Augen durch die Natur streift, entdeckt Erstaunliches.
So blühen in manchen Gartenteichen noch immer vereinzelte Seerosen. Eigentlich geht ihre Blütezeit längst zu Ende. Doch das Wasser speichert die Wärme der vergangenen Wochen, sodass die Pflanzen noch einmal ihre Blüten öffnen. Ein ungewöhnlicher Anblick im Oktober, wenn ringsum bereits die ersten Blätter fallen.
Auch die Rosen scheinen vom nahenden Winter noch nicht viel wissen zu wollen. Die historische Strauchrose «Pink Grootendorst», auch Nelkenrose genannt, trägt noch immer ihre auffälligen rosa Blüten. Deren gezackte Blütenblätter erinnern tatsächlich an Nelken. Die robuste, öfterblühende Sorte kann bei mildem Wetter bis weit in den Herbst hinein neue Knospen bilden.
Andernorts zeigt sich die Jahreszeit bereits von ihrer typischen Seite. Der immergrüne Feuerdorn trägt dichte Büschel leuchtend orangefarbener Früchte. Während seine Dornen Vögeln Schutz bieten, dienen die Früchte verschiedenen Arten wie Amseln und Drosseln als Nahrung. Gerade in den kommenden Monaten werden solche natürlichen Futterquellen zunehmend wichtig.
Auch in der Vogelwelt ist der Herbst längst angekommen. Der unscheinbare Baumpieper gehört zu den Langstreckenziehern und macht sich bereits im Spätsommer und Frühherbst auf den Weg in sein Winterquartier südlich der Sahara. Mit etwas Glück lässt sich während des Vogelzugs noch ein Exemplar beobachten, bevor es seine weite Reise fortsetzt.
In den feuchten Wäldern wiederum haben die Pilze ihren grossen Auftritt. Der Grünblättrige Schwefelkopf wächst oft in dichten Gruppen auf alten Baumstümpfen und abgestorbenem Holz. Seine gelblichen Hüte fallen zwischen Laub und Moos sofort ins Auge. Als Zersetzer übernimmt er eine wichtige Aufgabe im natürlichen Kreislauf des Waldes. Für Pilzsammler ist allerdings Vorsicht geboten: Der Schwefelkopf ist giftig und kann mit essbaren Arten verwechselt werden.
So zeigt sich der Oktober derzeit von ganz unterschiedlichen Seiten. Während die einen Pflanzen bereits auf Winterruhe umstellen und die Zugvögel längst unterwegs sind, halten andere noch ein wenig am Sommer fest. Und vielleicht macht gerade dieser Gegensatz den Reiz eines Herbstspaziergangs aus: Hinter der nächsten Wegbiegung wartet manchmal eine kleine Überraschung. Regina Lüthi









