Der Wald von morgen braucht Zeit

Vordemwald Der Waldgang der Frauen am vergangenen Samstag bot viele spannende Momente

Die Ortsbürgerkommission spendierte ein herzhaftes Zvieri.

Die Ortsbürgerkommission spendierte ein herzhaftes Zvieri.

Angekommen beim Waldhaus Felli, ging es zum gemütlichen Teil über.bilder: Regina Lüthi

Angekommen beim Waldhaus Felli, ging es zum gemütlichen Teil über.bilder: Regina Lüthi

Unter dem satten Grün verbarg sich ein alter Bunker.

Unter dem satten Grün verbarg sich ein alter Bunker.

Der Weg zum ersten Posten führte durch einen alten Entwässerungsgraben.

Der Weg zum ersten Posten führte durch einen alten Entwässerungsgraben.

Förster Beat Steffen erläuterte die geplante Strategie, um das Wasser im Wald behalten zu können.

Förster Beat Steffen erläuterte die geplante Strategie, um das Wasser im Wald behalten zu können.

Die Knospen der jungen Weisstanne müssen vor Wildbiss geschützt werden.

Die Knospen der jungen Weisstanne müssen vor Wildbiss geschützt werden.

Der Wald von morgen braucht Zeit

Der Gemeinderat und die Ortsbürgerkommission Vordemwald luden zum gemeinsamen Waldgang der Frauen ein. Treffpunkt war am vergangenen Samstag der Rümlisbergweiher. Via Langholz führte der Weg zum Waldhaus Felli.

Wie lässt sich der Wald auf trockenere Sommer, Starkregen und den Klimawandel vorbereiten? Beim Waldgang erhielten die teilnehmenden Frauen einen Einblick in aktuelle Herausforderungen der Waldbewirtschaftung. Im Mittelpunkt standen der Wasserrückhalt, die natürliche Verjüngung und der neue Betriebsplan für die kommenden 15 Jahre.

Ein wichtiges Zukunftsthema ist der Umgang mit Wasser. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden zahlreiche Waldflächen entwässert, um die Produktivität zu steigern und die Bewirtschaftung zu erleichtern. Heute denkt man teilweise in die entgegengesetzte Richtung. Entwässerungsgräben sollen punktuell verschlossen werden, damit Niederschläge nicht zu schnell abfliessen, sondern länger im Waldboden bleiben. Das kann bei Starkregen den Abfluss bremsen und gleichzeitig dafür sorgen, dass den Bäumen während längerer Trockenperioden mehr Feuchtigkeit zur Verfügung steht. «Das Ziel ist, das Wasser im Boden zu halten. Das hat den Vorteil, dass wir Hochwasser reduzieren und gleichzeitig die Bodenfeuchtigkeit erhöhen können», sagt der Förster.

Forstwirtschaft setzt auf Verjüngung

Wie sich der Wald entwickelt, hängt aber auch stark von seiner Verjüngung ab. Wo immer möglich, setzt die Forstwirtschaft auf Naturverjüngung. Bäume, die von selbst aufkommen, sind an den jeweiligen Standort angepasst. Entscheidend sind genügend Licht, Wasser und Nährstoffe. «Unser Ziel ist, möglichst viel Naturverjüngung zu schaffen. Diese Bäume gehören an diesen Standort und wachsen hier auch gut», so Beat Steffen. Gleichzeitig erschweren Wildverbiss und dichter Bodenbewuchs das Aufkommen junger Bäume. Wo nötig, werden deshalb gezielt weitere Baumarten eingebracht und Jungpflanzen geschützt.

Die Ortsbürgerkommission sorgte für eine stattliche Verpflegung unterwegs. Nach den ersten beiden Posten wurde ein Unterstand erreicht, wo bereits feine Sandwiches und kühle Getränke auf Abnehmer warteten.

Eine wichtige Grundlage für die Arbeit im Wald bildet der Betriebsplan. Waldeigentümer mit mehr als 20 Hektaren Wald müssen im Aargau einen solchen für jeweils 15 Jahre erstellen. Dafür werden unter anderem Baumarten, Alter und Dichte der Bestände, Holzvorrat, Zuwachs, Naturverjüngung und Totholz erfasst. Daraus wird abgeleitet, welche Eingriffe in den kommenden Jahren notwendig sind.

Dabei zeigt sich, wie langfristig Forstwirtschaft gedacht werden muss. Veränderungen bei der Zusammensetzung der Baumarten lassen sich nicht innerhalb weniger Jahre erreichen. Ein Baum wächst über Jahrzehnte, teilweise weit über 100 Jahre. Entsprechend braucht auch der Umbau zu einem vielfältigeren und widerstandsfähigeren Wald viel Zeit.

Der Waldgang machte deutlich: Moderne Waldbewirtschaftung bedeutet längst nicht nur, Holz zu nutzen. Es geht ebenso darum, den Lebensraum Wald zu erhalten, die Biodiversität zu fördern und die Bestände so weiterzuentwickeln, dass sie mit den klimatischen Veränderungen möglichst gut zurechtkommen. Förster Beat Steffen betonte zum Schluss: «Ich kann den Wald nicht von heute auf morgen verändern. Das dauert 60, 70 Jahre.» Danach ging es zum Endpunkt des Waldgangs – beim Waldhaus Felli ging der Anlass dann zum gemütlichen Grillabend über. Auch hier sorgte die Ortsbürgerkommission für das leibliche Wohl. Regina Lüthi