«Die Reaktion der Jugendlichen ist Gold wert»

Zofingen Mit viel Engagement bereitet das Uniformteam rund 150 Kadetten auf ihren Auftritt am Kinderfest vor

Im Taillengürtel stecken die Kadetten die geschenkten Rosen fest.Bild: Archiv Raphaël Dupain

Im Taillengürtel stecken die Kadetten die geschenkten Rosen fest.Bild: Archiv Raphaël Dupain

Jeanine Mehr.Bild: zvg

Jeanine Mehr.Bild: zvg

Wenn am Zofinger Kinderfest die Kadettenaufmarschieren, sitzt die Uniform: Die Krawatten sind geknotet, die Berets passen auf jeden Kopf.Wer allerdings schon einmal versucht hat, 150 Jugendliche mit passenden Kleidern auszustatten, weiss: selbstverständlich ist das nicht.

Hier kommt Jeanine Mehr ins Spiel. Mit sechs weiteren Frauen kümmert sie sich darum, dass jede Uniform rechtzeitig bei der richtigen Person landet. Seit drei Jahren gehört Jeanine Mehr zum Team. Zu ihrem Amt kam sie durch einen Aufruf an der Schule ihrer Kinder. «Da haben wir uns gemeldet und seitdem machen wir das», erzählt die zweifache Mutter.

Von der Anprobe bis zum Aufmarsch

Die Arbeit beginnt lange vor dem Kinderfest. Wochen vorher erscheinen die künftigen Kadetten zur Anprobe. Passt die Hose? Ist das Hemd zu lang? Sitzt das Beret? «Wir versuchen, jedem Jugendlichen die möglichst passende Uniform zu geben.»

Es wird kommentiert, gelacht, geschmunzelt und gestaunt. Manche wirken für einen Moment ziemlich überrascht, dass ihnen eine Uniform ganz gut steht. «Die Reaktion der Jugendlichen beim Einkleiden zu beobachten, ist Gold wert», erklärt Jeanine Mehr.

Erst in der Woche vor dem Kinderfest werden die Uniformen wieder angezogen. Dort werden die Kadetten in der Übungswoche durch grösstenteils freiwillige Helfer ausgebildet, damit am Kinderfesttag alles reibungslos abläuft. In dieser Woche wird auch ein letzter Check der Uniformen vorgenommen.

Strapazierfähig müssen sie sein

Die Uniform besteht aus sieben Teilen: blaue Hose, hellblaues Hemd, blaue Krawatte, Beret mit dem Zofinger Wappen und zwei Gurte. In den Taillengürtel werden Rosen gesteckt, die die Kadetten von den Teilnehmenden am Umzug geschenkt bekommen.

Die Uniformen müssen einiges aushalten. Es steht schliesslich ein Gefecht an. Das startet bereits in der Altstadt mit kleinen Scharmützeln. Später findet auf dem Heitern das eigentliche Gefecht statt. Während der 30 bis 45 Minuten wird gerannt und gekrochen. Trotzdem fallen die Reparaturen meist überschaubar aus. Knöpfe müssen angenäht, Berets angepasst oder kleinere Schäden geflickt werden. Praktischerweise gehört eine Schneiderin zum Team. «Weil es hochwertige Uniformen sind, versuchen wir natürlich, so viel und so gut wie möglich zu pflegen und zu flicken», betont die Uniformverantwortliche.

Uniformen mit Geschichte

Die aktuellen Modelle aus Polyester und Schurwolle wurden Mitte der 1980er Jahre eingeführt. Die früheren grünen Uniformen waren damals in die Jahre gekommen. Zum 200-Jahr-Jubiläum 2025 wurden sie nochmals hervorgeholt. «Wir mussten aber feststellen, dass gar nicht mehr so viele Kinder hineinpassen.» Die Uniformen seien enger geschnitten gewesen und die Jugendlichen von heute schlicht grösser.

Das Zofinger Kadettenkorps existiert seit 1825 und gehört damit zu den letzten seiner Art in der Schweiz. Die Tradition hat sich im Laufe der Zeit verändert, geblieben ist ihre Bedeutung für das Kinderfest. Seit dem Jahr 2000 können auch Mädchen bei den Kadetten mitmachen.

Nach dem Fest ist vor dem Fest

Nach dem Kinderfest geht die Arbeit für das Uniformteam weiter. Die Uniformen werden eingesammelt, gereinigt, sortiert und kontrolliert. Nächstes Jahr sollen die Kadetten ja wieder tadellos aussehen. Selten fehlt etwas. Angesichts von rund 150 Jugendlichen und unzähligen Uniformteilen ist das fast schon eine eigene Glanzleistung.

«Die meisten sind sehr stolz, diese Uniform tragen zu können», sagt Mehr. Vielleicht erklärt das auch, weshalb die Kadetten seit Generationen nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben.

Und so sorgen die Kadetten Jahr für Jahr für eindrückliche Bilder am Kinderfest. Dass dabei jede Krawatte sitzt und jedes Beret auf dem richtigen Kopf landet, ist den Uniformhüterinnen zu verdanken. Ohne sie würde mancher Kadett nicht ganz so adrett erscheinen. Oliver Roscher