Eine Fabrik an der Grenze

Zofingen Die 82. Folge der beliebten Mühlethaler Geschichten

Der hintere Teil der «Bethge» lag auf Mühlethaler Boden. Aufgenommen wurde das Bild von Oftringer Gebiet aus, das hinter dem Hottigerischlagbächli beginnt.Bild: Christian Roth
Der hintere Teil der «Bethge» lag auf Mühlethaler Boden. Aufgenommen wurde das Bild von Oftringer Gebiet aus, das hinter dem Hottigerischlagbächli beginnt.Bild: Christian Roth

Die 1834 gegründete und 1871 von den Gebrüdern Bethge übernommene Textilfabrik an der Mühlethalstrasse musste 2023 ihren Betrieb einstellen. Ihr Standort hatte eine besondere Lage im «Dreiländereck» von Mühlethal, Zofingen und Oftringen.

Die einstige Grenze zwischen Zofingen und Mühlethal ist eigentlich schnell erklärt. Sie begann beim Dänibach-Stein, wo einst «Twing Lentzburg, Arburg und Zofingen» aufeinandertrafen, wie schon in der Geschichte Nr. 70 erklärt. Von dort ging sie durch den Wald, ziemlich genau nach Westen Richtung Seiler/Martinsgraben. Oberhalb der Fischzucht im Martinsgraben traf sie dann auf den Wissbach und folgte diesem bis zur Hauptstrasse/Mühlethalstrasse hinunter, wo der Wissbach auf den Moosbach trifft. Ab hier heisst das Gewässer Stadtbach und bildete weiter die Grenze zwischen Mühlethal und Zofingen. Gleich nach dem Fabrikareal der Bethge, an der tiefsten Stelle der ehemaligen Gemeinde Mühlethal, wo das «Hottigerischlagbächli» den Hang hinunterkommt, beginnt dann auf der nördlichen Seite des Stadtbachs das Gebiet der Gemeinde Oftringen. Womit sich hier der Dreifachgrenzpunkt Oftringen/Mühlethal/Zofingen befand.

Von der Gemeindegrenze durchschnitten

Bis zur Fusion von Zofingen und Mühlethal 2002 wurde das Fabrikgelände der Textilfabrik Bethge von der Gemeindegrenze durchschnitten. Diese wurden einst entlang des Bachlaufs festgelegt. Weil die Fabrik im Lauf der Jahre grösser wurde, «sprengte» sie mit der Zeit das Korsett dieser Grenzen. Gebäude wurden über den Bach hinein gebaut.

Die ursprünglichen Verhältnisse sind nach wie vor aus dem Grundbuch ablesbar. Die Onlinekarte des Kantons zeigt, dass die Bachparzelle auf dem Bethge-Areal dreigeteilt ist. Die südliche Bach-Hälfte, seit jeher auf Stadtgebiet von Zofingen, gehört der Einwohnergemeinde Zofingen (Parzelle 1067).Die nördliche Hälfte, ursprünglich Mühlethaler Gemeindegebiet, gehört den Kanton Aargau und ist wiederum in die zwei Parzellen 4057 und 4058 aufgeteilt. Dies mutet umso seltsamer an, als der Bach heute gar nicht mehr vollständig unter der Fabrik hindurch verläuft, sondern entlang der Zufahrt zur Hinterseite der Fabrik neu verlegt worden ist.

Das Fabrikgelände besteht aus zwei Hauptteilen: der 1,2 Hektaren grossen Zofinger Parzelle 235 und der 1,75 Hektaren grossen Mühlethaler Parzelle 4056, die sich bis auf das anschliessende Landwirtschaftsfeld erstreckt. Dazu kommen die drei schon erwähnten Bachparzellen sowie die Parzelle 3793 direkt an der Mühlethalstrasse, die der StWZ Strom AG gehört und auf der ein Trafohäuschen steht. Zu guter Letzt mussten die Fabrikeigentümer beim Bau der Bushaltestelle «Zofingen, Bethge», Richtung Zofingen, wohl ein Stück Land abgeben: Die Busbucht samt Wartehäuschen steht nämlich auf der Strassenparzelle 243, die dem Kanton Aargau gehört. Christian Roth