«Einen Plan B gibt es nicht»
Zofingen Der Zofinger Musiker Eon Awa will in den Pop-Olymnp

Der Zofinger Musiker Eon Awa ist das SRF3 Best Talent des Monats Juli. Im Gespräch verrät er, wo er sich in fünf Jahren sieht.
Eon Awa meint es ernst, wenn er sagt, sein Ziel sei es, mit seiner Kunst einen Fussabdruck auf dieser Welt zu hinterlassen. «Einen Plan B gibt es nicht», sagt der 26-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Timo Gloor heisst und in Zofingen aufgewachsen ist. Sobald es um seine Musik geht, wird er zu Eon Awa. Und um Musik geht es in seinem Leben eigentlich, seit er denken kann.
«Als Kleinkind bin ich Nachmittage lang vor dem Kassettenrekorder gesessen und habe zweite und dritte Stimmen zu den Kinderliedern gesungen», erinnert sich Eon Awa. Rückblickend gesehen sei das eine sehr gute Gehörbildung gewesen, von der er bis heute profitiere. «Als Fünfjähriger habe ich darum gebettelt, Geige spielen zu dürfen. Die Musikschule machte dann eine Ausnahme, obwohl man eigentlich erst mit sieben Jahren anfangen durfte.»
Ganz einfach machte es der junge Timo dem Geigenlehrer allerdings nicht, wie er lachend zugibt: «Ich hatte keine Lust, Noten zu lernen. Ich spielte alles nach Gehör. Der Lehrer hat es akzeptiert, und so spielte ich zehn Jahre Geige, ohne Noten lesen zu können.»
Wie Mariah Carey Eon Awas Idol wurde
An einer Pfadi-Waldweihnacht im Alter von elf Jahren hatte Timo Gloor eine Art Erweckungserlebnis. Er hörte zum ersten Mal Mariah Careys Weihnachtshit «All I Want For Christmas». «Die hohen Töne zogen mich magnetisch an, ich war völlig fasziniert», sagt Eon Awa und erklärt, dass in seinem Elternhaus zwar viel musiziert worden sei, «aber das Radio lief bei uns nie. Deshalb kannte ich viele Pop-Hits gar nicht.»
Der elfjährige Timo sezierte in den folgenden Jahren förmlich sein gesangliches Vorbild Mariah Carey. «Ich schaute mir in Videos ihre Mundstellung bei den ganz hohen Tönen an, ihre Mimik, und imitierte alles. Am Ende konnte ich alle Songs mitsingen, auch die wirklich extrem hohen Töne. Das war einige Jahre vor meinem Stimmbruch.» Gleichzeitig begann Eon Awa auch mit dem Klavierunterricht, da er mit dem Piano seine Stimme besser begleiten konnte als mit der Geige.
Bald fing er an, mit seinem Jugendfreund Ben Heuser erste Songs zu schreiben. Sie gründeten die achtköpfige Band Unfound, die heuer ihr zehnjähriges Bestehen feiert. Parallel dazu trat Timo als Eon Awa im Duo mit Ben Heuser auf.
Mit 20 nahm Eon Awa zum ersten Mal Gesangsunterricht und suchte eine Logopädin auf, weil er nach dem Stimmbruch Probleme mit seiner Stimme bekam. «Ich fing damals gesangstechnisch nochmals bei Null an», erinnert er sich. Eine kurze Zeit liebäugelte er mit einem Studium an der ZHdK in Pop-Gesang, in dem pro Jahr nur zwei Studienplätze vergeben werden, scheiterte aber schliesslich in der Endrunde und begann ein Filmstudium, das er demnächst beenden wird. Dass es dereinst einen längeren Film von ihm geben wird, will Eon Awa nicht ausschliessen. Er sieht das Medium Film in erster Linie als Ergänzung und Erweiterung zur Musik, wie er zum Beispiel mit dem Kurzfilm «Take My Crown» zur gleichnamigen EP im Jahr 2023 bereits deutlich gemacht hat.
Der ESC als internationales Sprungbrett
Trotz Filmstudium will Eon Awa alles auf die Karte Musik setzen. Seine Wahl zum SRF3 Best Talent des Monats Juli sieht er als Schritt in die richtige Richtung: «Es ist so etwas wie ein Gütesiegel, das einem Türen öffnen kann. Es kann auch Veranstalter überzeugen, dich für einen Gig zu buchen.»
Erstes Etappenziel auf dem Weg zum Erfolg wäre es, so Eon Awa, von der Musik leben zu können. Bisher habe er immer nur investiert, aber nichts verdient. Ein guter Startschuss für eine internationale Karriere wäre der ESC 2027, findet der 26-jährige Zofinger. An einem neuen ESC-Song werkelt Eon Awa bereits. Er ist zuversichtlich, dass es klappt: «Ich denke, meine Songs sind ziemlich ESC-kompatibel, viel Drama und grosse Melodien.» Aber nicht nur ins Songwriting, sondern auch in die Bühnen-Outfits und die Show investiert Eon Awa viel Energie und Zeit. Er ist der festen Überzeugung, dass guter Pop unbedingt mehr sein muss als nur Musik.
Eine Welt-Tournee ist das grosse Ziel
In fünf Jahren sieht sich Eon Awa auf einer Welt-Tournee, «hoffentlich der zweiten», wie er sagt, «und mit einem halben Orchester auf der Bühne». Ein eigenes Label möchte er bis dann auch gegründet haben. «Vielleicht stehe ich dann kurz vor einem Auftritt im New Yorker Madison Square Garden.»
Bevor es so weit ist, kann man Eon Awa am 15. August im Flösserplatz in Aarau sehen und hören, wo seine neue EP getauft und 10 Jahre Unfound gefeiert werden. Am 21. August tritt Eon Awa am MUMA Basel (Swiss Live Talents) auf, einem zweitägigen Networking- und Showcase-Event, das der Förderung aufstrebender Live-Musiktalente aus der Schweiz gewidmet ist. Am 5. September tritt Eon Awa an der Pride in Aarau auf.
Oliver Schweizer