Freie Bahn für grosse Investitionen
Rothrist Gmeind bewilligt Projekte für über 10 Millionen Franken

Die Rothrister Stimmberechtigten zeigen sich spendabel: Nach einem Jahresgewinn von knapp 2 Millionen Franken genehmigen sie die Sanierung des Gemeindehauses und die Auffüllung der Kiesgrube Oberwil.
Gemeindepräsidentin Daniela Weber (parteilos) hat ihre erste Gmeind in leitender Funktion vermutlich ganz nach ihrem Gusto erlebt. Die anwesenden 176 von 5848 Stimmberechtigten (Stimmenanteil von 3 Prozent) folgten allen Anträgen des Gemeinderates. Nur zum Traktandum fünf, Sanierung des Gemeindehauses, kam von den beiden Ortsparteien SVP und FDP Opposition.
Fast 2 Millionen Franken Gewinn
Zum Auftakt der Gmeind gab es Musik von der Blaskapelle Dorfspatzen Rothrist. Musik in den Ohren aller Anwesenden dürfte auch das gewesen sein, was sie folglich von dem für die Finanzen zuständigen Gemeinderat Roland Purtschert (FDP) präsentiert bekamen. Er konnte von einem «erfreulichen finanziellen Ergebnis für das Jahr 2025» berichten. Von einer Jahresrechnung, die einen Ertragsüberschuss von 1,99 Millionen Franken aufweist und damit knapp 2,4 Millionen Franken über dem Budget liegt.
Ein grosser Brocken, der zu diesem Resultat geführt habe, seien Budgetunterschreitungen beim Sach- und Betriebsaufwand in Höhe von rund 856'000 Franken sowie Mehreinnahmen bei den Steuern in Höhe von rund 708'000 Franken.
Applaus gab es unter dem Traktandum Rechenschaftsbericht für die Mitglieder der Schützenvereine, die bei der Sanierung des Schützenhauses und der Schiessanlage Gfill in Frondienst Hand angelegt haben. Dadurch konnte die Gemeindekasse um weitere 66’500 Franken (Kreditunterschreitung) entlastet werden. Sehr wichtig für die Gemeinde ist in den Augen von Purtschert das erzielte operative Ergebnis, das mit einem Ertragsüberschuss von 640'000 Franken abschloss.
Zur guten Stimmung in Sachen Zahlen hat auch die Investitionsrechnung beigetragen, die ebenfalls eine Unterschreitung ausweist. Im vergangenen Jahr wurden Investitionen in Höhe von 4,26 Millionen Franken getätigt, während im Budget 4,79 Millionen vorgesehen waren.
Das dürfte sich nun bald ändern, denn unter den Traktanden Sanierung Gemeindehaus und Auffüllung Kiesgrube Oberwil ging es um hohe Kreditbegehren. Zuerst zum Gemeindehaustrakt, der 1984 zum bestehenden Gemeindehausgebäude aus dem Jahr 1902 hinzukam: Eine Sanierung sei dringend nötig und Abwarten keine Option, wie Daniela Weber betonte. Sie zählte die gröbsten Mängel auf: undicht bei Regen, nicht barrierefrei, zu wenig Platz, energetischer Sündenfall, Sicherheitsrisiko für das Personal.
Gemeindehaus kann saniert und aufgestockt werden
Die Gemeinde hat zwei Sanierungsvarianten ausarbeiten lassen, die zur finalen Abstimmung kamen. Beide Varianten sehen eine Aufstockung des Annextraktes vor und beide sollen die gesetzlichen Anforderungen bezüglich Erdbebenertüchtigung erfüllen. Unterschiedlich sind nebst den Investitionskosten von 6,73 Millionen Franken für Variante 1, beziehungsweise 7,49 Millionen Franken für Variante 2, die Heizsysteme: Weiternutzung der bestehenden Ölheizung (1), oder Einbau eines Erdsondenheizsystems (2).
Die Ortsparteien SVP und FDP, vertreten durch den SVP-Präsidenten Mile Vidovic, kritisierten das Fehlen einer Variante «Sanierung light» – eine Sanierung ohne Aufstockung. Vidovic beantragte, das Geschäft an die Behörden zurückzuweisen, verbunden mit dem Auftrag, die Light-Version der November-Gmeind zu unterbreiten. Auch der Kauf des benachbarten Sitzes der EW Rothrist AG sei als Option beizubehalten. Die Anliegen wurden mit 110 zu 48 Stimmen abgelehnt.
In der anschliessenden Abstimmung hat sich Variante 2 durchgesetzt, sie wurde final mit 123 zu 38 Stimmen angenommen. Damit war auch ein möglicher Kauf des EW-Gebäudes vom Tisch. Im Sommer 2027 sollen die Sanierungsarbeiten beginnen. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von 15 Monaten.
Grube Oberwil wird Landwirtschaftszone
Widerstandslos folgte die Versammlung auch beim Traktandum zur Auffüllung der Kiesgrube Oberwil dem Antrag des Gemeinderates. Gemeinderat Hans Rudolf Sägesser (FDP) zeigte auf, wofür der Verpflichtungskredit zur Auffüllung der Grube in Höhe von 3,5 Millionen Franken eingesetzt werden soll und wie das Projekt die Landschaft verändern wird. Wichtig aus Sicht des Naturschutzes: Das bestehende Biotop wird an neuer Stelle erhalten bleiben. Ausserdem sei geplant, die Industriezone in den Bereich der Wiggertalstrasse zu verlegen und das Oberwilerfeld im Endzustand neu der Landwirtschaftszone zuzuteilen. Die Rede ist von zusätzlichen 1,64 Hektar Fruchtfolgefläche, die so generiert würden.
Sägesser erwähnte, dass sich die effektiven Kosten der Gemeinde um den Betrag X aus Deponiegebühren für Auffüllmaterial, das verrechnet werden könne, sowie allfällige Grundeigentümerbeiträge reduzieren dürfte. Ausserdem werde der Kanton die Verlegung des Biotops im Rahmen von Ausgleichsmassnahmen mit rund 140'000 Franken mitfinanzieren. Das Ja zu diesem Geschäft kam einstimmig. Jil Lüscher