Fünf Gastgebende – ein buntes Fest voller Spiel, Spass und Genuss
Rothrist Am Miescherheimet-Fest wird gemeinsam 30 Jahre Feuerwehrverein gefeiert
Beim Miescherheimet-Fest machen Verein Begegnungszentrum, Bibliothek, Heimatmuseum, Feuerwehr- und Naturschutzverein wiederum gemeinsame Sache. Im Mittelpunkt des gemütlichen Festgeschehens steht dieses Jahr der 30. Geburtstag des Feuerwehrvereins. Eine Vorschau auf das gemütliche Fest und ein Rückblick auf die Entwicklung des Miescherheimet-Areals.
Kein Scherz: Die Sitzung findet am 1. April statt. Locker ist die Stimmung trotzdem, auch der eine oder andere Spruch hat Platz. Die Leute, die sich am runden Tisch im Rothrister Heimatmuseum versammelt haben, verstehen sich offensichtlich gut. Was nicht weiter erstaunlich ist, denn die Vereine und Institutionen, die sie vertreten, sind allesamt auf dem Miescherheimet-Areal mitten im Dorf angesiedelt. Und dort organisieren Verein Begegnungszentrum, Schul- und Gemeindebibliothek, Heimatmuseum, Feuerwehr- sowie Naturschutzverein am kommenden Samstag ein gemeinsames Fest. Bei dem dieses Jahr der örtliche Feuerwehrverein etwas mehr im Zentrum steht als die anderen Beteiligten. Denn der Feuerwehrverein darf dieses Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiern.
Dass die fünf Vereine und Institutionen beim Miescherheimet überhaupt ein gemeinsames Fest feiern können, ist einer Frau zu verdanken. Gertrud «Trudi» Miescher (1914 – 1986), eine eigenwillige Bäuerin und Viehhändlerin, hatte ihr Heimet samt Umschwung und Barvermögen testamentarisch der Gemeinde vermacht – unter der Bedingung, dass im Bauernhaus ein Heimatmuseum eingerichtet werden müsse und das dazugehörige Land nicht überbaut werden dürfe.
Das Dorf erhält sein Zentrum
Mit der grosszügigen Schenkung tat sich die Gemeinde zu Beginn eher schwer, denn der Kredit für ein erstes Heimatmuseums-Projekt wurde 1991 verworfen. Danach schlief das Projekt über viele Jahre ein.
Und damit war auch eine mögliche Weiterentwicklung des zentral gelegenen Areals, das der Gemeinde grosse Entwicklungschancen geboten hätte, vorübergehend ad acta gelegt. Denn Rothrist fehlte damals, wie Martin Widmer-Dean im Kapitel «Siedlungsentwicklung» in der Ortsgeschichte schön aufgezeigt hat, ein eigentlicher Dorfkern. Das aus zahlreichen Streusiedlungen entstandene Rothrist bezeichnete Charles Tschopp in seiner Landeskunde des Kantons Aargau von 1961 sogar als «village nébuleux», was man wohl am ehesten mit «Dorf mit verschwommenen Konturen» übersetzen würde.
Die Arealentwicklung nahm erst nach der Jahrtausendwende wieder Fahrt auf. Im August 2002 konnte der Verein Begegnungszentrum Rothrist mit dem naturnahen Erlebnis-Spielplatz «Drachenäscht» eine kleine Oase mitten im Dorf schaffen. Als erster Schritt zu einem Heimatmuseum wurde 2003 die Remise des Museums saniert, welche heute die landwirtschaftliche Sammlung beherbergt. Im Juni 2005 schliesslich stimmte die Gemeindeversammlung dem heute realisierten Projekt zur Errichtung eines Heimatmuseums zu, inklusive Schaffung eines modernen Anbaus, in den die Schul- und Gemeindebibliothek einziehen sollte. 2007 waren die umfangreichen Bauarbeiten abgeschlossen – Museum und Bibliothek wurden noch im gleichen Jahr eröffnet. 2017 wurde die Bibliothek bereits mit einem zusätzlichen Anbau ergänzt. 2019 schliesslich konnte der Feuerwehrverein Rothrist sein Mini-Museum eröffnen, in dem die von der «Schrübeler-Gruppe» sorgfältig renovierten Gegenstände präsentiert werden konnten. Im gleichen Jahr wurde der vom Naturschutzverein angelegte Naturgarten geschaffen – ein idyllischer Ort für Menschen, ein wertvoller Lebensraum für die Natur. Damit war die Arealentwicklung weitgehend abgeschlossen – und das Areal für das Dorf zum eigentlichen Zentrum geworden.
Besser gemeinsam statt nebeneinander
So wie das Areal Schritt für Schritt entwickelt wurde, so verstärkten auch die dort ansässigen Vereine und Institutionen ihre Zusammenarbeit. Zum Beispiel mit der gemeinsamen Organisation des Miescherheimet-Fests, das am kommenden Samstag von 11 bis 16 Uhr über die Bühne gehen wird. «Der Ursprung des Fests ist das Frühlingserwachen, welches jeweils vom Verein Begegnungszentrum organisiert wurde», weiss Fabienne Bühlmann, Vorstandsmitglied des Vereins. Mit dem Fest sei jeweils der Spielplatz Drachenäscht aus seinem Winterschlaf geweckt worden. Nach und nach wurden die weiteren Vereine und Institutionen ins Fest eingebunden – ganz nach dem Motto «besser gemeinsam als nebeneinander». Im vergangenen Jahr wurde das Fest schliesslich in Miescherheimet-Fest umbenannt. «Damit trug man dem Umstand Rechnung, dass nun sämtliche Partner ins Fest eingebunden waren», erläutert Barbara Wiget-Liebi, Co-Präsidentin des Naturschutzvereins und Mitglied der Kerngruppe des Elternforums Rothrist.
Es gibt viel zu sehen und zu erleben
Im Mittelpunkt des diesjährigen Miescherheimet-Fests steht mit dem Feuerwehrverein das Geburtstagskind. Der heute 30 Jahre alte Verein wurde 1996 gegründet, damit der Zusammenhalt unter den austretenden Feuerwehrangehörigen nicht verloren ging. «Aufs Miescherheimet gekommen» ist der Verein dann mit seiner «Schrübeler-Gruppe» – einer Gruppe begabter Handwerker, welche die alten Geräte und Maschinen der Feuerwehr restaurierten, damit diese der Nachwelt erhalten bleiben. Im Schopf auf dem Miescherheimet-Areal, das die «Schrübeler» ebenfalls instandstellten, konnten sie zumindest einen Teil ihrer Gerätschaften unterbringen und ausstellen. Das «kleine Feuerwehrmuseum» kann am Miescherheimet-Fest besichtigt werden, Mitglieder des Feuerwehrvereins sind vor Ort und geben auch gerne Auskunft. Zum Geburtstag der Ehemaligen ist auch die aktive Feuerwehr vor Ort – und zwar gleich mit dem neuen Tanklöschfahrzeug und sechs Mann. Einsatzbereit selbstverständlich – bei einem Ernstfall müsste die Equipe samt TLF notfallmässig ausrücken. Vor Ort bleibt dafür sicher das Riesen-Jenga, an dem Kids mitsamt ihren Eltern spielen können. Ebenfalls geöffnet sind Bibliothek und Museum. In letzterem ist als Sonderausstellung weiterhin die Strohhut-Ausstellung zu sehen. Kinder können sich natürlich im Drachenäscht nach Lust und Laune austoben – der Verein Begegnungszentrum öffnet an diesem Tag auch die Spielkiste.
Kein Fest ohne Verpflegung. «Dieses Jahr haben wir entlang des Strässchens ein kleines ‹Streetfood-Festival› eingerichtet», meint Hanspeter Sommer vom Feuerwehrverein schmunzelnd, im Feuerwehr-Jargon würde man wohl eher von einer Fassstrasse sprechen. So oder so. Der Feuerwehrverein bereitet ein feines Risotto zu, daneben werden auch Würste vom Grill angeboten. Am Getränkestand können Besucherinnen und Besucher den Durst löschen und zum Abschluss gibts Kaffee und Kuchen beim Museum. Das gesamte Verpflegungsangebot ist während der ganzen Festdauer zwischen 11 und 16 Uhr erhältlich. Es gibt also viele gute Gründe, am 25. April ans Miescherheimet-Fest zu kommen.
Thomas Fürst
Fünf Gastgebende – ein buntes Fest voller Spiel, Spass und Genuss









