«Für den Sommer brauche ich noch ein Hobby»

Zofingen Repol-Chef Stefan Wettstein wird nach 40 Jahren pensioniert

Stefan Wettstein im Einsatz während einer Veloprüfung Ende der Achtzigerjahre.Bild: zvg

Stefan Wettstein im Einsatz während einer Veloprüfung Ende der Achtzigerjahre.Bild: zvg

Stefan Wettstein geht nach 40 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.Bild: Alex Spichale

Stefan Wettstein geht nach 40 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand.Bild: Alex Spichale

Vierzig Jahre trug Stefan Wettstein die Polizeiuniform. Im Abschiedsinterview blickt der Chef der Regionalpolizei Zofingen auf gemütliche Zeiten bei der Stadtpolizei und eher herausfordernde bei der Repol zurück.

Herr Wettstein, Sie haben den Rosengarten als Treffpunkt vorgeschlagen. Weshalb?

Stefan Wettstein: Mir hat der Rosengarten immer sehr gefallen, so nahe bei der Stadt und doch ein so ruhiger Naherholungsort. In meinen Anfangstagen bei der Stadtpolizei hatte ich hier einen speziellen Fall. Ein Verdächtiger war während einer Einvernahme aus einem Büro der Kantonspolizei abgehauen und verschwunden. Ich suchte ihn hier im Rosengarten — und fand ihn schliesslich auch. Er hatte sich auf einem Baum versteckt (lacht).

Waren Sie ein braver Jugendlicher oder eher ein wilder?

Ich bin im Dorf Rütihof bei Baden aufgewachsen. Wir waren viel draussen in der Natur, im Wald. Und ich war bei der Jungwacht. Ein Töffli hatte ich dann auch, vom Vater geerbt, ein altes Sachs 2-Gang mit Jahrgang 1962…

… aber natürlich nicht frisiert, oder?

(Mit einem breiten Grinsen) Ich sage es mal so: Ich wusste bereits damals, wie man mit Motoren umgeht. Ich wurde allerdings nie angehalten von der Polizei und habe mich an die Regeln gehalten. Ein wilder Jugendlicher war ich wohl nicht.

Wie kamen Sie auf die Idee, Polizist zu werden?

Eine Option war, mich als Koch selbstständig zu machen mit einem eigenen Betrieb. Der Vater meiner damaligen Freundin war Polizist in Baden. Durch ihn hatte ich Einblick in diesen Beruf und fand ihn sehr interessant. Deshalb habe ich mich schliesslich gegen die Küche und für die Polizeischule entschieden. Ich habe das nie bereut. Ich finde den Beruf Polizist immer noch einen der vielseitigsten und spannendsten Berufe, den es gibt. Ich koche aber auch immer noch sehr gern.

Am 1. September 1986 haben Sie bei der Stadtpolizei Zofingen angefangen. Das war noch eine andere Welt, nicht wahr?

Oh ja, es war sehr gemütlich am Anfang bei der Stadtpolizei. Unser Korps bestand aus zehn Männern. Wir waren nur für Zofingen zuständig, später dann noch fürs Mühlethal und für Safenwil. Mit dem Polizeigesetz, das 2007 in Kraft trat und das duale System mit Kantonspolizei und Repol begründete, änderte sich das dann schnell und grundlegend. Plötzlich waren wir für 80’000 Einwohner in 22 Gemeinden zuständig und nicht mehr nur für 15’000. Wir mussten das Korps von 10 auf 36 Polizistinnen und Polizisten aufstocken, das dauerte ein paar Jahre und es war eine anspruchsvolle Zeit. Allerdings bekamen wir vor 20 Jahren noch 20 Bewerbungen auf eine freie Stellen. Heute sind es noch zwei.

War es in Ihren Anfangszeiten einfacher, als Polizist zu arbeiten als heute?

Nun, unser Gebiet war viel kleiner, wir kannten die Bürgerinnen und Bürger und sie uns. Das machte die Arbeit tatsächlich in gewisser Hinsicht einfacher. Aber alles war sicher nicht einfacher, im Gegenteil. Heute ist Polizist ein Berufstitel mit Fähigkeitszeugnis, die Strukturen sind viel klarer und die Aufgabenteilung ebenfalls. Das hebt den Stellenwert des Berufs und ist ein klarer Fortschritt.

Nach der Gründung der Repol 2007 kam es in rascher Abfolge zu drei Chefwechseln, nur einer blieb länger als ein Jahr auf seinem Posten. Fühlten Sie sich als langjähriger Stellvertreter des Polizeichefs nicht übergangen bei der Chefwahl?

Nein, ich fühlte mich nicht übergangen, weil ich mich auch nie für den Chefposten beworben hatte. Mir war es wohl als Stellvertreter in dieser Zeit. Allerdings hatte ich drei Mal interimistisch den Chefposten inne und musste dann jeweils die neuen Chefs einarbeiten und gleichzeitig meine eigenen Aufgaben erledigen. Das war ziemlich anstrengend. Nach dem dritten Mal entschloss ich mich, selber zu kandidieren. Das war 2013, nachdem Raymond Ducret nach einem Jahr wieder ging. Ich wusste ja inzwischen, was auf mich zukommen würde (lacht). 2013 wurde ich dann Repol-Chef und bin es bis zur Pensionierung geblieben. Es war eine sehr gute Zeit.

Nun haben Sie plötzlich eine Menge freie Zeit. Welche Pläne haben Sie?

Ich muss erst mal ankommen in diesem neuen Zeitabschnitt der Pensionierung. Ich will noch keine Pläne machen. Ich denke, die Gesundheit, das Reisen und im Winter das Skifahren werden einen grösseren Stellenwert in meinem Leben erhalten. Für den Sommer werde ich mir noch ein Hobby suchen.

Was wünschen Sie Ihrem Repol-Korps zum Abschied?

Vor allem ein gutes Händchen bei der Personalentwicklung und viele interessante Einsätze. Die Führungspositionen sind von den richtigen Leuten besetzt. Ich habe 26 Jahre lang mit meinem Nachfolger Reto Tresch zusammengearbeitet, wir konnten uns quasi blind vertrauen. Er ist sicherlich der richtige Mann an der Spitze, da bin ich mir sicher. Oliver Schweizer