Keine Fasnacht ohne ihn – Walter Müller liebt das närrische Treiben
Strengelbach Am Wochenende findet die Strengelbacher Fasnacht statt
Keine Fasnacht ohne ihn – Walter Müller liebt das närrische Treiben
Konfetti, Guggenklänge und bald schon 46 Jahre Fasnachtsgeschichte. Den grossen Umzug wird auch dieses Jahr eine bekannte Stimme kommentieren – Walter Müller, der noch keine einzige Strengelbacher Fasnacht verpasst hat.
«Die Strengelbacher Fasnacht – das ist für mich jedes Jahr ein bisschen wie heimkommen», sagt Walter Müller. Und das seit 45, bald schon 46 Jahren. Denn der 68-jährige Müller, der zusammen mit sechs Geschwistern am Strengelbacher Höhenweg aufwuchs, aber schon viele Jahre in Aarburg wohnt, hat bis heute noch keine der 43 durchgeführten – zwei fielen bekanntlich der Pandemie zum Opfer – Strengelbacher Fasnachten verpasst. «Ich bin einfach als Helfer dabei», sagt er bescheiden. Was leicht untertrieben ist. Denn Müller kennt nicht nur die Geschichte der Strengelbacher Fasnacht aus dem Effeff, er hat sie in zahlreichen Funktionen auch mitgeprägt. War zusammen mit Freunden und Geschwistern als Wagenbauer dabei – daraus sind später die «Wiissbärgler» entstanden. War etliche Jahre Mitglied der Guggenmusik Sträggelebrätscher. War Gründungsmitglied der Martinszunft. War zusammen mit Hans Senn, dem ehemaligen Tambourmajor der Sträggelebrätscher, acht Jahre als Schnitzelbänkler und Helgenzeichner der «Fädere-Böck» unterwegs. Hat viele Jahre die Fasnachtsplakette gezeichnet. Und ist heute regelmässig als Speaker beim Umzug im Einsatz. Ein Vollblut-Fasnächtler also. Einer allerdings, der sich überhaupt nicht in den Vordergrund stellen mag. «Treibende Kraft hinter der Strengelbacher Fasnacht war in den Anfangsjahren sicherlich Willy Müller», betont er, der mit seinem Namensvetter nicht verwandt ist, mit der ihm eigenen Bescheidenheit.
Sträggelebrätscher 1980, Martinszunft 1982 gegründet
Die Vorgeschichte der Strengelbacher Fasnacht beginnt in den 1970-er-Jahren. Damals führten die Kindergärtnerinnen des Säget-Kindergartens während der Fasnachtszeit jeweils einen Umzug durch, damit die Kinder ihre selbst gebastelten Masken und Kostüme präsentieren konnten. In einem Zeitungsbericht des Zofinger Tagblatts von 2010 befragte Herbert Siegrist Willy Müller zu den Anfängen der Strengelbacher Fasnacht. «Es war an einem Samstag 1979 während der Fasnachtszeit. Eine Gruppe von acht Gästen sass im ‹Frohsinn› am Stammtisch, als eine Schar von Schülern in einem kleinen Fasnachtsumzug am Restaurant vorbeizog, voraus ein einziger Tambour. Da ist die Idee entstanden, diesen Umzug künftig kakophonisch zu begleiten, dem fasnächtlichen Treiben in Strengelbach mit einer Guggenmusik mehr Auftrieb zu geben», gab Willy Müller damals zu Protokoll. Im März 1980 berief Müller eine Orientierungsversammlung im «Schlössli» ein. Von den 40 Anwesenden erklärte sich die Hälfte spontan bereit, in einer Guggenmusik mitzumachen. Die Gründung erfolgte drei Monate später. Am 25. Juni 1980 wurde die Guggenmusik «Sträggelebrätscher» im Schlössli-Saal gegründet, Willy Müller stellte sich als Präsident zur Verfügung und wurde nicht zuletzt deshalb als «Sträggele-Vater» bezeichnet.Fortsetzung Seite 2
Um weiteren Interessierten die Möglichkeit zu bieten, sich aktiv am Fasnachtsgeschehen zu beteiligen, gründeten die Mitglieder der Guggenmusik am 11. November 1982 eine Zunft. Auf der Suche nach einem geeigneten Namen stiess die Gründungsmitglieder der Zunft – allesamt Mitglieder der Sträggelebrätscher – in Aufzeichnungen auf ein Original namens Marti Sämi, der um die Wende zum Zwanzigsten Jahrhundert im Dorf gelebt und bei festlichen Anlässen jeweils für Stimmung gesorgt hatte. Weil die Gründung zudem auf den Namenstag des heiligen Martin fiel, war der Name der Zunft schnell gefunden: Martinszunft.
Guggenmusik und Zunft bemühten sich ab den 1980-er-Jahren mit vereinten Kräften, eine tragfähige Basis für eine Fasnacht im Dorf zu etablieren. Die ersten Einnahmen verschaffte sich die junge Guggenmusik mit dem Verkauf von «Sträggelebrätscher»-Klebern und dem Verkauf von Tombolalosen an der Zofinger Gewerbeausstellung ZOGA. «Aber ohne die Wirtsleute von Hirschen, Frohsinn, Schlössli und Kastanienbaum hätte die noch junge Fasnacht kaum Überlebenschancen gehabt», stellt Walter Müller klar, denn die Wirte der vier Dorfbeizen hätten jeweils sämtliche auswärtigen Cliquen gratis verpflegt. Als Dankeschön an die entsprechenden Wirtsleute verewigte der damalige Plakettenzeichner und bekannte Conferencier Urs Siegrist (Zofingen) die vier Wirtshäuser auf den Plaketten der Jahre 1986 bis 1989, bevor Walter Müller das Amt für 18 Jahre übernahm.
Fasnachtstreiben hat sich gewandelt
Die Strengelbacher Fasnacht startete 1981 ganz bescheiden. «Die allererste Fasnacht verdiente den Namen Fasnacht noch kaum», weiss Walter Müller. Der Umzug habe damals aus einer Guggenmusik, zwei Wagen, einer Schul- oder Kindergartenklasse sowie zwei Tambouren bestanden. Dafür hätte die Umzugsroute das Prädikat «Wanderschuhe anziehen» verdient, führt Müller lachend aus. Diese führte damals vom Mätteli übers Dörfli, Neumattweg, Altmattweg und Hüssiweg zur Hardmatt und schliesslich zurück zum Kreuzplatz. «Heute ist das in etwa umgekehrt», sagt Müller. «Der Umzug hat mit jeweils rund 30 Nummern eine ansprechende Grösse, ist bei Teilnehmenden und Publikum beliebt, dafür wurde die Umzugsroute auf eine gute Länge verkleinert».
Und doch habe sich der Charakter der Fasnacht mit der Zeit etwas gewandelt, bedauert Müller. «Die Fasnacht wird sicher nicht mehr so intensiv gelebt, wie das früher der Fall war», sagt er. Es seien kaum mehr Vollmasken auszumachen. «Heute ist die Fasnacht eigentlich zu einer Kostüm-Party mit Guggenmusik-Begleitung verkommen», meint er, und trotzdem freue er sich jedes Jahr von Neuem darauf.
Schneepflug vor dem Umzug – «Dorf-Sheriff» am Mikrofon
Besonders in Erinnerung geblieben ist
Müller die Fasnacht von 2006 mit dem grossen Wintereinbruch am 4. und 5. März. «Wir konnten den Umzug am Samstag, 4. März unter leicht erschwerten Bedingungen durchführen», meint Müller schmunzelnd. Den Umzug führte damals nicht ein Tambourmajor an, sondern ein Schneepflug. Und als der Umzug beendet war, musste der Schneepflug die Strassen bereits wieder vom Schnee befreien. Das närrische Treiben fand anschliessend wie gewohnt in der Turnhalle seine Fortsetzung. Bis es eine ungewohnte Unterbrechung gab. «Gemeindepolizist Willi Zinniker trat ans Mikrophon – und alle Anwesenden fragten sich, was jetzt der ‹Dorf-Sheriff› zu verkünden hätte», erinnerte sich Müller. Die Fasnächtler durften dann mit Dankbarkeit zur Kenntnis nehmen, dass der Krisenstab ganze Arbeit geleistet hatte – und in der unteren Turnhalle eine Notschlafstelle für die auswärtigen Guggen und Cliquen sowie alle Gäste, denen die Rückkehr auf Grund der verschneiten und teilweise gesperrten Strassen nicht mehr möglich war, eingerichtet hatte.
Dorfkern wird zum Fasnachtsdorf
Die Strengelbacher Fasnacht vom kommenden Wochenende wird hoffentlich unter deutlich besseren Wetterbedingungen als 2006 durchgeführt werden können. Den Auftakt macht der Kindermaskenball am Freitag, 20. Februar um 14 Uhr. Basteln, ein grosses Spielangebot, Konfetti-Bad, ein Zvieri und der Auftritt der Sträggelebrätscher lassen die Stunden bis 17 Uhr schnell vorbeigehen. Am Abend startet die Warm Up-Party, bei der sechs Guggen für kakophonische Unterhaltung sorgen. Da und dort wird vielleicht schon mal dem diesjährigen Fasnachtsmotto «e Schott näme mer no» nachgelebt.
Am besten nicht allzu flott, denn die Fasnacht geht am Samstag schliesslich weiter. Wie üblich wird der Dorfkern wieder zu einem Fasnachtsdorf umgebaut. Auf dem Mätteli kann jedermann in der geheizten Kaffeestube, im Barzelt, an der Shötli-Bar oder an einem der vielen Food-Stände verpflegen. Punkt 14.14 Uhr geht das närrische Treiben los. Mit dem Monsterknall startet der Umzug, der auch dieses Jahr mit vielen bunten und abwechslungsreichen Nummern ein Highlight ist. Ab 18.15 Uhr werden die Schnitzelbänke in der Alphütte und in den Beizen vorgetragen. Wer bekommt dieses Jahr wohl am meisten Fett ab? Ab 19 Uhr gibts dann beim Monsterkonzert nochmals richtig schönen Guggensound auf die Ohren. Am Abend geht die Fasnachtsparty munter weiter – die Sträggelebrätscher und vier weitere Guggenmusiken sorgen für Unterhaltung.
Thomas Fürst
Keine Fasnacht ohne ihn – Walter Müller liebt das närrische Treiben







