Kleine Säcke, grosse Spannung – Cornhole findet immer mehr Fans

Aarburg 28. Februar / 1. März: Cornhole Warriors führen grösstes Hallenmasters der Schweiz durch

Lockere und doch konzentrierte Atmosphäre am letzten Hallenmasters in Aarburg.Bild: zvg

Lockere und doch konzentrierte Atmosphäre am letzten Hallenmasters in Aarburg.Bild: zvg

Viele Cornhole-Spieler und -Fans beteiligten sich Hallenmasters der Cornhole Warriors im letzten Jahr.Bild: zvg

Viele Cornhole-Spieler und -Fans beteiligten sich Hallenmasters der Cornhole Warriors im letzten Jahr.Bild: zvg

Adriano Aversa ist Präsident der Cornhole Warriors Aarburg.Bild: Thomas Fürst

Adriano Aversa ist Präsident der Cornhole Warriors Aarburg.Bild: Thomas Fürst

Ein aus Amerika stammendes Wurfspiel gewinnt auch hierzulande immer mehr Anhänger – weil es leicht zu erlernen ist, Spass macht und Menschen aller Altersgruppen zusammenbringt. Mit der Gründung von Vereinen und Verband sowie der Durchführung von Meisterschaften entwickelt sich Cornhole vermehrt zum Wettkampfsport.

«Wenn es um Sport ging, gab es für mich lange Zeit ausschliesslich den Fussball», sagt Adriano Aversa. Der in Oftringen aufgewachsene und heute noch dort wohnhafte Aversa spielte viele Jahre beim FC Oftringen, später auch noch beim FC Rothrist. Und doch hat der 46-jährige IT-Supporter in den letzten Jahren eine neue sportliche Betätigung gefunden, die ihn begeistert. Cornhole – ein ursprünglich aus Amerika stammendes Wurfspiel, bei dem es darum geht, mit einem Kunststoffgranulat gefüllte, rund 400 Gramm schwere Säckchen auf einem gut 8 Meter entfernten, schräg gestellten Brett zu platzieren. Gelingt das, erhält der Werfende einen Punkt gutgeschrieben. Noch besser, wenn er das Säckchen, den sogenannten Bag, gleich im rund ausgeschnittenen Loch im oberen Teil des Bretts versenken kann. In diesem Fall kann der Werfende gleich drei Punkte auf sein Konto verbuchen. Jeder Spielende hat vier Würfe. Mit den eigenen Würfen darf man aber auf dem Brett liegende Bags vom Brett stossen oder – besser die eigenen als die gegnerischen – ins Loch schieben. Nach je vier Würfen wird abgerechnet. Hat ein Spieler alle vier Würfe im Loch versenkt, hat er zwar zwölf Punkte erzielt. Davon werden jedoch die Punkte abgezogen, die sein Gegner verbuchen konnte. Hat dieser zum Beispiel neun Punkte erzielt, so erhält der bessere Spieler die Differenz von drei Punkten gutgeschrieben. Dann wird weiter geworfen. Wer zuerst 21 Punkte erzielt hat, gewinnt das Spiel.

Dank den einfachen Regeln ist Cornhole leicht zu erlernen und kann auch von Anfängern sofort gespielt werden. «Der besondere Reiz des Spiels besteht aber darin, dass der Ausgang der Partie bis zuletzt offen bleibt», betont Adriano Aversa. Er habe eine Partie, in der er mit 19:3 Punkten geführt habe, auch schon mit 19:21 Punkten verloren, weil der Faden damals komplett gerissen sei.

Vom Grillfest-Spiel übers Turnier zur Vereinsgründung

Doch wie kam Adriano Aversa überhaupt zum Cornhole-Spiel. «Aus reinem Zufall», lacht Aversa, die Geschichte startete unter Freunden mit einem Grill und ein paar Stoffsäckchen. «Kyle St. Aubin, ein aus Amerika stammender Freund, brachte nämlich das Spiel an ein Grillfest mit», erzählt der Oftringer. Das Spiel machte allen so viel Freude, dass beschlossen wurde, ein Turnier zu organisieren. Nach dem Turnier wurde im Freundeskreis angeregt, einen Verein zu gründen. Im September 2022 setzten 12 Gründungsmitglieder diese Idee um. «Das war die Geburtsstunde der Cornhole Warriors Aarburg», führt Aversa, der heutige Präsident des jungen Vereins aus.

Das noch junge Pflänzchen hat sich in der Zwischenzeit gut entwickelt, zählt doch der Verein heute rund 40 Mitglieder.

Zusätzliche Vereinsgründungen erfolgten an weiteren Orten in der Schweiz. Und bald nach den ersten Vereinsgründungen wurde auch der Schweizerische Cornhole Verband – die Swiss Cornhole Federation – gegründet. Dem Verband gehören heute neun Vereine an. Dabei hat sich insbesondere das Wiggertal zu einer eigentlichen Cornhole-Hochburg entwickelt, stammen doch drei der neun Vereine aus der Region: Cornhole Warriors Aarburg, Argovia Mole Baggers Rothrist und Storks Cornhole Brittnau. «Wieso die Sportart ausgerechnet in unseren Breitengraden so populär ist, kann ich mir nicht erklären», meint Adriano Aversa.

Warriors dominierten erste Schweizermeisterschaft

Der Verband setzte sich einerseits zum Ziel, den Cornhole-Sport in der Schweiz einheitlich zu regeln. Andererseits sollte eine Turnierserie geschaffen werden, mit der eine offizielle Rangliste der besten Spieler des Landes erstellt werden konnte. Mit den Swiss-Cup-Turnieren, die in der Saison 2024/25 erstmals durchgeführt wurden, konnte eine Schweizermeisterschaft im Cornhole geschaffen werden. Dabei feierten die Aarburger Cornhole Warriors grosse Erfolge. Sie dominierten den erstmals durchgeführten Swiss Cup vollends, belegten doch ihre Mitglieder gleich die ersten fünf Plätze und zusätzlich auch die Ränge 9 und 10. Mit der gleichen Punktzahl von 1180 Punkten platzierten sich Stefan Kiefer und Roland Hauri gemeinsam auf dem ersten Rang und durften sich als erste Schweizermeister im Cornhole feiern lassen. Auch im aktuellen Swiss Cup 2025/2026 haben die Aarburger bereits wieder ihre Ambitionen angemeldet. In der Zwischenrangliste nach zwei von neun Turnieren findet sich mit Kyle St. Aubin, Andreas Heller und Andreas Kiefer eine «Aarburger Armada» geschlossen auf den Plätzen 2 – 4.

Um zu weiteren Spielgelegenheiten zu kommen, ergriffen die Aarburger Warriors 2025 ein weiteres Mal die Initiative. Unter Führung von Joao de Oliveira wurde die Zofingen-Gäu-Liga ins Leben gerufen. «Eine Meisterschaft, die die drei Wiggertaler Cornhole-Klubs gemeinsam mit Cornhole Härkingen austragen», erklärt Adriano Aversa. Die vier beteiligten Klubs würden äusserst freundschaftliche Beziehungen untereinander pflegen, führt Aversa weiter aus. So sei es auch jederzeit möglich, Trainings der anderen Klubs zu besuchen.

«Mit der zunehmenden Turniertätigkeit entwickelt sich Cornhole aktuell immer mehr in Richtung Wettkampfsport», betont Adriano Aversa. Dies sieht auch die Swiss Cornhole Federation so. «Auffällig war das deutlich gestiegene spielerische Niveau im Vergleich zur vergangenen Saison, was spannende und hochklassige Begegnungen garantierte», stellt der Verband auf seiner Homepage nach dem ersten Swiss Cup der Saison 2025/26 fest.

Beim Hallenmasters steht der Plausch im Vordergrund

Wettkampf hin, Wettkampf her. «Die Beziehungen der Cornhole-Spieler untereinander sind auch während der Turniere äusserst freundschaftlich», betont Adriano Aversa, die Freude am Spiel bleibe stets sichtbar. Die Freude am Spiel soll auch am Wochenende vom 28. Februar / 1. März im Vordergrund stehen. Dann führen die Aarburger Cornhole Warriors bereits zum vierten Mal ihr Hallenmasters durch. Ein Plauschturnier, das allen offensteht. Und für das man sich bis zum 21. Februar über die Homepage cornhole-aarburg.ch anmelden kann. «Hier treffen sich Anfängerinnen, Fortgeschrittene und Profis – und alle haben dank eines speziellen Modus eine faire Chance auf den Sieg», führt Aversa weiter aus. Eine Festwirtschaft sorgt für das leibliche Wohl, an der Bar werden die passenden Drinks serviert. Dazu gibt es Musik, Moderation und jede Menge gute Laune. «Für uns ist das Hallenmasters mehr als ein Turnier: Es ist Ausdruck unserer Vereinsphilosophie – Gemeinschaft leben, Spass haben und Erinnerungen schaffen», betont Adriano Aversa abschliessend. Thomas Fürst