Kunstmarkt Zofingen: Ein «Gassenhauer» der feinen Art
Zofingen Die 28. Austragung des beliebten Kunstmarktes geht am 23. August über die Bühne
Am Sonntag, 23. August, von 9 bis 17 Uhr, präsentieren über 100 Künstlerinnen und Künstler ihr Schaffen in Zofingens Altstadtgassen. Warum der Kunstmarkt nach fast 30 Jahren immer noch ein Publikumsmagnet ist, erklärt Gründer und Organisator Pitsch Geissbühler im Gespräch mit dem «Wiggertaler».
Im hinteren Teil des Galerie-Rahmenateliers an der Bärengasse 6 öffnet sich dem Betrachter eine Tür, die in ein grünes Refugium führt. Zwischen Farnen, Bäumen und weiterem Gewächs steht ein Teich mit einer Holzskulptur des Schweizer Künstlers Pascal Murer. Weitere, fein säuberlich ausgewählte Exponate fügen sich nahtlos in die Flora ein. Der Garten im Innenhof, ein mit Hingabe gepflegtes Stück Kulturgut. Dieselbe Leidenschaft lässt Pitsch Geissbühler bereits zum 28. Mal auch am Kunstmarkt Zofingen walten, der am Sonntag, 23. August, in den Altstadtgassen vor besagtem Garten über die Bühne geht.
Pitsch Geissbühler und Fulvio Castiglioni riefen den Kunstmarkt 1997 ins Leben. Die beiden Galeriebesitzer wussten nur zu gut, dass ein qualitätsorientierter Galerist stark selektieren muss. «Wir wollten die Kunst den Betrachterinnen und Betrachtern auf eine niederschwellige Art näherbringen. Einige Menschen haben einen gewissen Respekt, eine Galerie zu betreten. Mit einem frei zugänglichen Markt, an dem nicht ein Kurator, sondern das Publikum selektiert, liessen sich gleich beide Ziele umsetzen», sagt Pitsch Geissbühler.
Mehr als 100 Aussteller
Inzwischen lockt der Kunstmarkt Zofingen jedes Jahr zwischen 110 und 130 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Schweiz und dem nahen Ausland in die Gassen der Altstadt. Die Standplätze sind heiss begehrt. Auch in diesem Jahr waren die Plätze bereits im April ausverkauft. Künstler wie Sam Staufer, Beat Hofer und andere sind seit der ersten Stunde dabei.
Im letzten Jahr war auch Elfi Castiglioni an einem Stand, um mit Kunstwerken an ihren Mann, den 2020 verstorbenen Mitgründer Fulvio Castiglioni, zu erinnern.
Wie sich die Kunst in den letzten rund 30 Jahren gewandelt hat, erklärt Pitsch Geissbühler anhand seiner künstlerischen Sparte, der Malerei: «Bei den ersten Austragungen des Kunstmarktes war die gegenständliche Malerei noch viel dominanter. Inzwischen hat sie enorm an Abstraktheit und Vielseitigkeit gewonnen, so auch bei Materialwahl und Technik. Waren früher klassische Materialien bevorzugt, so gibt es heute experimentellere Materialwahlen mit Bitumen, Gips und Farbpigmenten, um nur einige zu nennen.»
Ungestörtes Kunstvergnügen
Vor fünf Jahren wechselte der Kunstmarkt von Samstag auf Sonntag. Um dem Gewerbe der Altstadt nicht in die Quere zu kommen, wie Pitsch Geissbühler sagt. Eine Foodmeile sucht man am Kunstmarkt vergebens. «Wir wollen kein «Fressmärt» sein. Die Bäckerei Konditorei Leutwyler und die öffentlichen Restaurants in der Altstadt bieten mehr als genügend Vielfalt.» Ein grosses Rahmenprogramm – die Unterhaltung von Ron Dideldum und Delta Magpie ausgenommen – gibt es auch heuer nicht. Die Kunstwerke sollen ungestört im Fokus stehen: Malereien, Skulpturen, Druckgrafiken, Fotos und Kunsthandwerk - auch mit Demonstrationen diverser Kunstschaffenden.
Künstlerische Nähe
Die Magie des Kunstmarktes liegt nicht nur an seiner schieren Grösse und Vielfalt, sondern auch darin, dass man mit den Kunstschaffenden ganz locker ins Gespräch kommen kann. Etablierte Künstler, Newcomer und der Nachwuchs stehen Stand an Stand. Vertreter von Kulturinstitutionen mischen sich unters Volk, um Künstler für kommende Projekte auszusuchen. Nicht selten klingelt auch nach dem Kunstmarkt Pitsch Geissbühlers Telefon, wenn Besucher oder Institutionen sich nach Künstlern erkundigen, die sie am Markt getroffen hatten.
Wie viele Telefonate und Mails Pitsch und Evi Geissbühler im Vor- und Nachgang des Kunstmarkts führen, zählt er nicht. Es dürften aber Hunderte sein. Die Organisation des Kunstmarkts ist ein Ganzjahresjob, den Pitsch Geissbühler, seine Frau Evi und das OK-Team Jahr für Jahr in Angriff nehmen. Und geht es nach dem 67-jährigen Ur-Zofinger, so wird sein Telefon noch einige Zeit weiter summen. «Solange der Markt so regen Anklang findet, solange der Geist es noch zulässt und ich weiterhin auf ein so tolles Team zählen darf, wird es den Kunstmarkt in Zofingen auch weiterhin geben.» Etwas kürzer tritt Pitsch Geissbühler derweil in seinem auf Einrahmen, Vergolden und Restaurieren spezialisierten Galerie-Rahmenatelier. Rund die Hälfte seiner Ausstellungsfläche tritt er bald Hans Leutwyler für dessen Kunstwerkstatt ab. «Ich will aber weiterhin Ausstellungen durchführen», versichert Pitsch Geissbühler. Dass auch der Kunstmarkt die Zofinger Altstadt wohl noch Jahre beleben wird, dürfte Musik in den Ohren der hiesigen Marktfreunde sein. Zumal sie in diesem Jahr bereits das Ende des traditionellen Bio-Marchés verkraften mussten, der sich nach erfolgreicher 26. Durchführung gleich selbst kompostiert hat.
Manuel Arnold





