Mehraufwand beträgt bereits jetzt rund 21’500 Franken

Aargau 28. Generalversammlung von «Cartons du Coeur»

Der neu gewählte Präsident Gerhard Friedl aus Unterentfelden.Bild: zvg
Der neu gewählte Präsident Gerhard Friedl aus Unterentfelden.Bild: zvg

Rasche, kostenlose und diskrete Lebensmittelhilfe im Kampf gegen versteckte Armut im Kanton Aargau, das hat sich diese als Verein konstituierte gemeinnützige Hilfsorganisation seit 28 Jahren auf die Fahne geschrieben. Ziel ist nach wie vor, unbürokratisch, punktuell und schnell Armutsbetroffenen im Kanton Aargau zu helfen, die durch das soziale Netz gefallen sind. Zudem erfolgten vermehrte Zuweisungen durch Caritas, Pro Infirmis, Spitex und weitere Beratungsstellen. Ebenfalls verstärkten sich die Anfragen für Überbrückungshilfen bei längeren Wartezeiten für Abklärungen bei Sozialämtern und RAV. «Cartons du Coeur» leistete im Jahr 2025 insgesamt 2‘001 Lebensmittel-Lieferungen (Vorjahr 1‘938). Total wurden über 52 Tonnen (Vorjahr über 51 Tonnen) Lebensmittel ausgeliefert. Das Jahr 2026 zeigt schon in den ersten vier Monaten, dass die Hilfsanforderungen im laufenden Jahr ähnlich liegen dürften.

Die Spenden im Jahr 2025 waren im Vergleich zu 2024 fast 9000 Franken (4 %) geringer – dies trotz vieler grosszügiger Geldspenden von Institutionen, Firmen und Privatpersonen. Im Dezember verzeichnete «Cartons du Coeur» mit 77‘300 Franken den drittgrössten Spendeneingang innerhalb eines Monats seit der Gründung. Im Verlauf des Jahres konnten auch mehrere sehr grosszügige Einzelspenden von bis zu 10‘000 Franken entgegengenommen werden. Die Ausgaben für Waren und Lebensmittel-Gutscheine zum Kauf von Frischprodukten lagen 2025 um 6.5 % über dem Vorjahr, bedingt durch mehr als 60 zusätzliche Lieferungen im Vergleich zu 2024. Die Warensammlungen bewegten sich auf dem Niveau des Vorjahres, ebenso blieben die übrigen Kosten weitgehend stabil. Dank der grosszügigen Spenden konnte ein Teil der höheren Kosten - infolge der zusätzlichen Lieferungen - gedeckt werden und den Jahresverlust auf 10‘000 Franken begrenzen.

Überdies sind die niedrigen Betriebskosten des Vereins von 0,8 % hervorzuheben, die vollständig durch die Mitgliederbeiträge gedeckt wurden.

Ebenso konnten die Mittelbeschaffungskosten in Höhe von 1,8 % durch Mitgliederbeiträge und Mitgliederspenden finanziert werden. Von jedem gespendeten Franken entfielen im 2025 97,4 % an die Hilfsbedürftigen, davon 95 % als Warenkosten und/oder Gutscheine und 2,4 % als Lagerungs-, Verteilungs- und Transportkosten. Nur dank ehrenamtlicher Tätigkeit von Vorstand und Mitgliedern wurde dieses Ergebnis möglich, ganz nach dem Vereins-Motto: «Mit Herz für Menschen in Not!» «Es geht nicht um Objekte, sondern immer um Menschen, die Würde verdienen», unterstreicht Kassier Pierre Tschumper aus Zofingen.

Ein neuer Präsident wurde gewählt

An der Generalversammlung im April 2026 wurde die Jahresrechnung 2025 einstimmig genehmigt. Durch den Rücktritt der Co-Präsidentinnen Anja Weiersmüller und Jacqueline Burkhard, die mit herzlichen Dankesworten verabschiedet wurden, galt es diese Lücke zu schliessen. Der 66-jährige Gerhard Friedl aus Unterentfelden wurde einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. «Warum ich mich hier engagiere hat damit zu tun, dass ich in «Cartons du Coeur» etwas erkenne, das für mich einen hohen Wert darstellt, nämlich Solidarität mit Menschen in Not in unserer Wohlstandsgesellschaft. Jetzt habe ich die Möglichkeit, mich nicht nur gedanklich kritisch mit dem Schattenseiten unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen, sondern ich kann konkret etwas tun, um Not zu lindern», erklärt der frisch gewählte Präsident. Für die ebenfalls aus dem Vorstand zurücktretende Rebeca Weber (Koordination/Administration) aus Obermumpf wurde Sandra Lanfranchi aus Suhr in den Vorstand gewählt.

Da per Ende April 2026 der Mehraufwand bereits rund 21‘500 Franken beträgt, hofft «Cartons du Coeur», dass der Spendenwille im Verlauf des Jahres wieder ansteigt. Doch die generellen Kostensteigerungen, ganz abgesehen von Krankenkassen-Prämien und Mietkosten, lassen einen Anstieg der Hilferufe erwarten. Daher wird es auch weiterhin dringend nötig sein, «Cartons du Coeur» tatkräftig finanziell zu unterstützen, um dieses wichtige und Not lindernde Hilfswerk in unserem Kanton zu erhalten. Siegfried Stich