Mit Ross und Wagen

Zofingen Die 87. Folge der beliebten Mühlethaler Geschichten

Fuhrmann Paul Gygax mit einer Ladung grosser Stoffrollen.Bild: zvg
Fuhrmann Paul Gygax mit einer Ladung grosser Stoffrollen.Bild: zvg

Mit Ross und Wagen

Obwohl es nach dem zweiten Weltkrieg immer mehr Lastwagen gab, spielten Transporte mit Pferden weiterhin eine gewisse Rolle. Auch die Bethge wurde zum Teil noch mit Fuhrwerken beliefert.

Während seiner Bezirksschulzeit fuhr Ernst Roth (*1950) täglich an der Textilfabrik Bethge vorbei. «Neben der Firma Bethge stand noch ein Bauernhaus, damals bewohnt von Familie Gygax», erinnert er sich. Familie Gygax bewirtschaftete nicht nur den Landwirtschaftsbetrieb, der zur Bethge gehörte, sie erledigte auch Transporte. Mit einem Pferdewagen transportierte Paul Gygax grosse Rollen mit Textilien, die in der Bethge bearbeitet wurden. Sie kamen von der Textilfabrik Weber in Aarburg oder mussten nach Schönenwerd SO transportiert werden. «Das Bild mit grossen Stoffrollen auf einem Brückenwagen, Herr Gygax auf dem Wagen sitzend und mit zwei braunen Pferden vorne dran sehe ich immer noch vor mir», sagt Ernst Roth. Später habe dann ein Traktor die Pferde ersetzt.

Für Kleider, Schuhe und Storen

In der Bethge wurden die Stoffe veredelt und auch Futterstoffe für die Schuhindustrie hergestellt. In Schönenwerd, dem Sitz der berühmten Schuhproduzenten-Familie Bally, gab es neben Schuhfabriken auch eine Textilindustrie: die Bally Band AG, die unter anderem Elastique und Hosenträger produzierte. Ausserdem die Nabholz AG, deren Sportbekleidung und Trainingsanzüge in den 1960er und 1970er Jahren gross in Mode waren. 1968 waren elf Olympiateams aus aller Welt mit Nabholz-Kleidern ausgestattet. Vielleicht aus Stoff, der im Mühlethal bearbeitet worden war? In der Bethge wurde auch Storenstoff imprägniert, wie sich Bruno Graber (*1955) erinnert, der von 1977 bis 1983 als Werkstattleiter dort gearbeitet hat. «Dieser wurde meines Wissens nach Schönenwerd in die Firma Schenker Storen, geführt.»

Die Chüegass hinauf

Auch Familie Roth hat einen Bezug zur Fabrik: Guido Roth (1925–2020) und andere Familienmitglieder haben zeitweise dort gearbeitet. Und zum Bauernhaus bei der Bethge gehörte ein Stöckli, in dem Ernsts Grosseltern Albert und Bertha Roth-Kunz wohnten, bevor sie 1923 das Bauernhaus auf dem Härdöpfuhoger kauften. «Mein Vater Willi (1921–1987) hat einmal von seiner Erinnerung erzählt, wie er an der Hand seines Vaters die Chüegass hinauf auf den Härdöpfuhoger marschiert ist», berichtet Ernst Roth. Der Hohlweg, dessen Umgebung im Juli von einem Forst-Team ausgeholzt wurde, diente den Bewohnern des Härdöpfuhogers jahrzehntelang als kürzeste Verbindung zur Hauptstrasse hinunter; und damit auch als Schul- oder Arbeitsweg nach Zofingen.

Christian Roth/Ernst Roth