Nach 50 Jahren ist es Zeit für eine neue Fahne
Rothrist Fahnenweihe des MV Rothrist im Gemeindesaal Breiten
Nach 50 Jahren ist es Zeit für eine neue Fahne
Am 19. September weiht der Musikverein Rothrist mit einem grossen Fest seine neue Fahne ein. OK-Mitglied Bernhard Frei erzählt den Weg zur neuen Fahne. Wie sie aussieht, verrät er selbstverständlich nicht.
Seit 50 Jahren weht die Fahne des Musikvereins Rothrist bei jedem Auftritt im Wind. Dazwischen hängt sie ausgerollt im Gemeindesaal, wo sie während der Proben über die rund 40 Musikantinnen und Musikanten wacht. Kein Wunder also, dass das stolze Fähnlein nach 50 Dienstjahren langsam ermüdete. Die Zeit war gekommen, das treue Stück Stoff zu ersetzen. Eine Umfrage im Verein sollte die brennendsten Fragen klären: Welche Sujets sollen drauf, welche nicht? Welches Wappen, welche Instrumente, welche Texte? «Die Meinungen gingen natürlich auseinander. Die Posaunisten wollten eine Posaune haben, die Cornetisten ein Cornet», erklärt Bernhard Frei, der im OK der Fahnenweihe Einsitz hat.
20'000 Franken für eine Fahne
Auch die Frage der Finanzierung wollte geklärt sein. Schliesslich kostet eine neue Fahne mit Stange, Tragegurt und Regenschutz gut 20’000 Franken. Einen Fahnengötti hat die neue Fahne nicht. Stattdessen startete der Verein auf der Raiffeisen-Plattform lokalhelden.ch eine Crowdfunding-Aktion. Die eine Hälfte steuerten Musikanten, Passivmitglieder und Freunde des Vereins bei, die andere Hälfte stockte die Bank auf.
Mit der Sujet-Idee im Kopf und dem nötigen Betrag im Sack ging die Fahnenkommission zur Heimgartner Fahnen AG.
Die Wiler Manufaktur fertigt Fahnen in Handarbeit an. Auf edler Damast-Seide führten die Näherinnen Kettenstickereien und Lorrainestickereien aus, um bei den Logos und den Schriften einen 3D-Effekt zu erzeugen.
Wie die neue Fahne aussieht, ist aktuell das wohl bestgehütete Geheimnis von Rothrist. «Erst am Tag des Entrollens wird das Geheimnis gelüftet. Abgesehen von der Fahnenkommission wissen selbst unsere Vereinsmitglieder noch nicht, welches Sujet das Rennen gemacht hat», betont Bernhard Frei.
Fahnenweihe am 19. September
Fest steht aber bereits jetzt das Programm für die Fahnenweihe. Am 19. September, um 18.15 Uhr, öffnet die Festwirtschaft im Gemeindesaal Breiten. Um 20 Uhr spielt der Musikverein Rothrist unter Dirigent Peter Streit ein Konzert. Nach der Einweihung der neuen Fahne kommen die Besucherinnen und Besucher um 21.30 Uhr in den Genuss eines zweiten Konzerts, wenn die Brass Band Imperial A Band ihren grossen Auftritt hat. «Wir freuen uns, einen so hochklassigen Gastverein an unserer Fahnenweihe begrüssen zu dürfen», sagt Bernhard Frei.
Er muss es wissen. Denn Bernhard Freis musikalische Karriere dauert länger, als die alte Fahne ihren Dienst verrichtet hat. Während der Schulzeit spielte er Trompete in der Kadettenmusik Zofingen. Es folgten 37 Jahre bei der Brass Band Strengelbach. 2013 wechselte er zum Musikverein Rothrist, wo er seither das Flügelhorn bespielt. Vor einem Jahr ehrte ihn der Aargauische Musikverband für 50 Jahre Mitgliedschaft. «Meine Berufung ist das Musizieren, nicht der Sport», sagt Bernhard Frei mit einem Lächeln. «Auch wenn ich wie ein Sportler zu Hause stetig üben muss, damit das Spiel zum Erfolg führt.»
Jahrzehntelange Kontinuität
Das Beständige, die Treue im Dienst, zog sich auch durch Bernhard Freis Berufsleben. 23 Jahre lang, von 1995 bis 2018, war er Regionenleiter der Neuen Aargauer Bank. 17 Jahre lang war er Finanzchef des New Orleans meets Zofingen, welches vom Kiwanis Club Zofingen organisiert wird. In der Gemeinnützigen Gesellschaft des Bezirks Zofingen war Bernhard Frei 40 Jahre lang Kassier. 34 Lenze wohnte er mit seiner Familie in Rothrist. Vor drei Jahren zog er zurück nach Zofingen in die Innere Altachen, wo er als Sohn eines Landwirts aufgewachsen war. «Die meisten Ämter habe ich inzwischen abgegeben. Stattdessen kümmere ich mich um meine fünf Grosskinder. Und in ruhigen Momenten beobachte ich gerne die Finanzmärkte», erklärt der pensionierte Bankier.
Dass die Karriere eines Blasmusikanten aufgrund der damit verbundenen körperlichen Anstrengungen nicht bis ins allerhöchste Alter andauert, weiss auch Bernhard Frei. Um fehlenden Nachwuchs muss sich der Musikverein Rothrist aktuell aber nicht sorgen. Mit seinen 40 Musikantinnen und Musikanten hat der MV eine stattliche Grösse. Nachwuchs findet er unter anderem in der Musikschule, wo Vereinsmitglied Fabian Gaberthüel unterrichtet. «Es ist schön mitanzusehen, wie immer wieder Junge nachrücken», so Frei.
Gute Gründe
Die Mitglieder des Musikvereins Rothrist, allen voran Fähnrichin Beatrice Schütz und der Chef der Fahnenkommission, Andreas Müller, freuen sich auf ihren grossen Tag am Samstag, 19. September. Laut Bernhard Frei gibt es gleich mehrere gute Gründe, vorbeizuschauen. «Es ist ein einmaliger Anlass. Es gibt einen schönen Abend mit zwei Konzerten von zwei gute Bands», sagt Bernhard Frei – und schiebt nach: «Es lohnt sich vorbeizukommen. Schliesslich dauert es danach wieder 50 Jahre, bis die nächste Fahnenweihe stattfindet. Manuel Arnold





