Naturschutzverein nimmt die Vogelwelt ins Visier

Rothrist Exkursionen, Pflegeeinsätze, Quiz und Vogelartenliste

Auf Vogelpirsch (v.l.): Martin Fürer, Regula Stengele, Sven Leutwyler und Therese Plüss.Bild: Beat Rüegger / ornifoto.ch

Auf Vogelpirsch (v.l.): Martin Fürer, Regula Stengele, Sven Leutwyler und Therese Plüss.Bild: Beat Rüegger / ornifoto.ch

An der Aare gesichtet: Wasserralle.

An der Aare gesichtet: Wasserralle.

Die Flachwasserzone bei den Boniger Inseln wurde beim Neubau des Kraftwerks Ruppoldingen geschaffen.Bilder: Beat Rüegger / ornifoto.ch

Die Flachwasserzone bei den Boniger Inseln wurde beim Neubau des Kraftwerks Ruppoldingen geschaffen.Bilder: Beat Rüegger / ornifoto.ch

Eine Krickente im Flug.

Eine Krickente im Flug.

Der Naturschutzverein Rothrist setzt sich seit über vierzig Jahren für die Anliegen der Natur in der Gemeinde ein. Mehr als hundert Projekte wurden bis heute eingeleitet, begleitet und umgesetzt. In diesem Jahr richtet der Verein sein Augenmerk auf die Vogelwelt und lädt die Bevölkerung zum Mitmachen ein.

«Wir möchten die Freude für die Natur vor der Haustüre wecken und möglichst viele Leute zum Mitmachen animieren», sagt Beat Rüegger, Co-Präsident des Naturschutzvereins Rothrist. Gelegenheiten zum Mitmachen bietet der Naturschutzverein seinen Mitgliedern und Interessierten mit seinem neuen Jahresprogramm viele. Und in verschiedenster Form: Exkursionen, Pflegeeinsätze, Quiz und Vogelartenliste. Letztere ist auf der Homepage natur-rothrist.ch aufgeschaltet. Sie zeigt, welche Vogelarten im Dorf 2026 bereits beobachtet werden konnten. Diesbezüglich haben fünf Mitglieder des Naturschutzvereins – Therese Plüss, Regula Stengele, Martin Fürer, Sven Leutwyler und Beat Rüegger – auf einem gemeinsamen Neujahrsspaziergang am 4. Januar schon mal eine beachtliche Vorarbeit geleistet. 40 verschiedene Vogelarten hat das fünfköpfige Team auf seinem Rundgang durch die Wässermatten und entlang des Aarelaufs bereits am Neujahrstag gesichtet. Darunter diverse Highlights wie Wasserralle, Eisvogel, Sperber, Bekassine oder Wasseramsel. In der Zwischenzeit sind viele weitere dazugekommen, am 5. Januar sind bereits 69 Vogelarten auf der Liste aufgeführt. «Mit geschärften Sinnen durch die Natur zu ziehen ist für mich Erholung pur. An vier Tagen Rothrist zu erkunden war unglaublich bereichernd», sagt etwa Therese Plüss, die in diesen Zeitraum alleine 59 Vogelarten gesichtet hat.

Mitmachen ist einfach – Quiz liefert Hintergrundwissen

Zum Mitmachen braucht es nicht viel. Raus in die Natur, Augen auf, ein wenig Vogelkenntnisse und vielleicht ein Feldstecher – und schon ist man dabei.

Vogelarten können durch einen simplen Klick auf den Button auf der Homepage des Naturschutzvereins gemeldet werden – Webmasterin und Vorstandsmitglied Angelika Albrecht und ihr Sohn Mathieu haben ganze Arbeit geleistet. Bilder oder Tondokumente sind willkommen und können ebenfalls aufgeschaltet werden. Die beiden Experten Sven Leutwyler und Beat Rüegger validieren die gemeldeten Arten. Die Fotos stammen momentan noch grösstenteils aus dem grossen Fundus von Beat Rüegger. «Es wäre natürlich wünschenswert, wenn die Fotos nach und nach mit Bildern aus diesem Jahr ersetzt werden könnten», meint Rüegger.

Noch unsicher? Auch da hilft die Homepage weiter. Bis zum Erscheinen dieser Zeitung sollte das «Rothrister Vogelquiz 2026» aufgeschaltet sein, welches auf spielerische Art Hintergrundwissen vermittelt und bei der Bestimmung der Vogelarten hilft. Wissen wird auch auf zahlreichen Exkursionen vermittelt. Die erste führt am 7. März unter der Leitung von Beat Rüegger und Adrian Wullschleger sowie in Zusammenarbeit mit Birdlife Aargau ins Naturreservat Langholz, wo Specht & Co beobachtet werden können. «Mit den insgesamt vier geplanten Exkursionen gibt es die Möglichkeit, die wirklich interessanten Lebensräume in der Gemeinde zu besuchen», betont Rüegger und spricht damit den Aareraum samt Flachwasserzone und Boniger Inseln, das Wiedervernässungsgebiet im Langholz, den Karpfenteich im Gfill sowie das Gebiet Hölzli / Hölzliweid an.

Intensive Vogelbeobachtung hat in Rothrist Tradition

Seit vielen Jahren ist Rothrist als bemerkenswertes Vogelbeobachtungsgebiet bekannt. Vor allem im Frühling konnten immer wieder durchziehende Vogelarten beobachtet werden. «Dies ist sicherlich auf die günstige Lage an der Aare sowie den nahen Jurasüdfuss zurückzuführen, welche beide als Leitlinien für Zugvögel dienen», meint Beat Rüegger. Bereits 1946 hat Werner Haller, der ehemalige Redaktor des «Gelben Hefts», seine Beobachtungen der Vogelwelt in Rothrist in Buchform veröffentlicht. In den Jahren 1968 bis 1980 war es vor allem Walter Christen, der die Vogelwelt intensiv beobachtete und seine Resultate schliesslich1984 publizierte. Beobachtungen, die dann von Beat Rüegger fortgesetzt wurden, der insbesondere in den Jahren 1998 bis 2014 die Auswirkungen der ökologischen Aufwertungen im Rahmen der Güterregulierung Bahn 2000 untersucht hat. Es dürfe sicher von einem Glücksfall gesprochen werden, dass damals nahezu gleichzeitig auch der nördlich angrenzende Naturraum Aare im Zusammenhang mit dem Neubau des Aarekraftwerks Ruppoldingen (1996 – 2000) aufgewertet worden sei. Rüegger hat seine Resultate dem Kanton Aargau 2016 in einem ausführlichen Bericht vorgelegt. Bis 2014 konnte er 195 Vogelarten im Untersuchungsgebiet beobachten. «Es darf festgestellt werden, dass es in Rothrist gelungen ist, eine Landschaftskammer ökologisch so aufzuwerten, dass sie in dieser Form für die Zukunft gesichert sein dürfte. Davon profitieren Vögel, Landwirte und auch eine stetig wachsende Zahl von Erholungssuchenden», bilanzierte Rüegger.

Diese Erfolge alleine auf die günstige Lage an der Aare zurückzuführen, wäre zu billig. «Es ist den Bemühungen des Naturschutzvereins in Zusammenarbeit mit langjährigen Partnern wie der Gemeinde, dem Forstbetrieb, der Familie Braun vom Lehenhof, den Hallwyler Unternehmungen oder der Alpiq zu verdanken, dass in Rothrist zahlreiche Naturperlen erhalten, respektive neu geschaffen werden konnten», betont Beat Rüegger, die nicht nur, aber auch der Vogelwelt zugutekamen. Mehr als 100 Projekte hat der Naturschutzverein seit seiner Gründung 1983 initiiert, begleitet, geschaffen oder angeregt: Buntbrachen, Hecken, Weiher in Kulturland und Wald, Kiesgrubenbiotope, Flachwasserzone und anderes mehr sind Zeugnisse dieses Einsatzes. In den letzten Jahren hat der Verein auch sein Engagement im Siedlungsgebiet verstärkt. Die Arbeit des Naturschutzvereins hat Spuren im ganzen Dorf hinterlassen.

Besuch in der Vogelberingungsstation als Highlight

Neben zahlreichen Exkursionen und Pflegeeinsätzen ist im neuen Jahresprogramm auch ein ganz spezielles Highlight eingeplant: Ein Besuch in der Vogelberingungsstation Ruppoldingen am 30. August. Die Platzzahl ist allerdings beschränkt. «Sie wird nach einem Konzept der Vogelwarte Sempach geführt», verrät Rüegger. Deren Ziel sei es, die Lebensraumnutzung von Singvögeln zu erforschen, was erlaube, Aussagen über die Bedürfnisse dieser Vögel zu gewinnen. «So ist es wiederum möglich, entsprechende Unterstützungsmassnahmen auszuarbeiten», führt der Rothrister Ornithologe weiter aus. Denn die Vogelwelt ist nach wie vor unter Druck. Von den rund 200 Brutvogelarten der Schweiz sind mehr als die Hälfte bedroht und auf der Roten Liste der Brutvögel aufgeführt oder potenziell gefährdet und auf der Vorwarnliste aufgeführt, wie die Schweizerische Vogelwarte Sempach ausführt.

Doch vorher soll die Vogelartenliste weiteren Zuwachs erhalten. «Ende Jahr dürfte das Total der gesichteten Vogelarten zwischen 130 und 150 liegen», schätzt Beat Rüegger. Das dürfte realistisch sein. Sind Sie auch dabei? Die Vogelwelt bewusst wahrzunehmen und dabei in der Natur unterwegs zu sein, macht Freude. Oder wie es Sven Leutwyler ausgedrückt hat: «Jeder Tag ist wieder ein neues Erlebnis und immer sind unterschiedliche Vogelarten zu sehen. Ich finde Ruhe und Entspannung mit diesem Hobby.» Thomas Fürst