Neuer Wind in der Blasmusik – junge Klänge für starke Vereine
Rothrist Regionale Jugendmusik Aareland startet am 11. Februar mit erster Probe
Musik verbindet, sagt das Sprichwort. Doch Mitgliederschwund und Nachwuchsprobleme treffen auch die Blasmusikvereine der Region. Auf Initiative von Fabian Gaberthüel wurde nun die Regionale Jugendmusik Aareland gegründet. Ziel ist die bessere Durchlässigkeit von Musikschulen über Jugendmusik hin zu Blasmusikvereinen.
«Die momentane Situation in der Blasmusik ist alles andere als komfortabel», sagt Fabian Gaberthüel. Die Musikschulen führten im allgemeinen kleine Bläserklassen und sehr kleine Jugendformationen. Und in den Blasmusikvereinen von Aarburg, Murgenthal, Oftringen, Rothrist und Vordemwald konnte der Bestand im Vergleich der letzten zwanzig Jahre zwar tendenziell gehalten werden. «Das Durchschnittsalter dürfte sich aber markant erhöht haben», vermutet der 41-jährige Oftringer Musikschullehrer, der an den Musikschulen von Rothrist, Oftringen und Schöftland unterrichtet. Eine Jugendmusikformation gibt es in den fünf genannten Gemeinden mit der Jugendmusik Oftringen-Küngoldingen einzig noch in Oftringen. Mit einem Bestand, der ein gemeinsames Musizieren zur Herausforderung macht.
«Die Probleme sind bekannt», sagt Fabian Gaberthüel, «im Kisi-Lager – ein regionales Blasmusiklager, in dem die Jugendlichen innerhalb einer Woche ein komplettes Konzertprogramm einstudieren und zur Aufführung bringen – diskutieren wir seit 25 Jahren über das immer gleiche Thema». Zu viele Musikschülerinnen und -schüler legen ihr Instrument zur Seite, wenn sie an die Oberstufe wechseln. Oder spätestens am Übergang zu Berufslehre oder Maturität. Zum Leidwesen der Blasmusikvereine, denen es allzu selten gelingt, Jugendliche dauerhaft einzubinden. Man müsste, hätte, sollte ... – der begeisterte Schlagzeuger, der im Musikverein Rothrist und in der Compass Party Band mitspielt, ist kein Freund des Konjunktivs. Er hat vor rund zwei Jahren die Initiative ergriffen und ein Konzept zur Gründung einer regionalen Jugendmusik ausgearbeitet.
Drei-Stufen-Konzept ausgearbeitet
«Mir ging es nicht darum, Musikschulen oder Blasmusikvereine mit dem Angebot einer regionalen Jugendmusik zu konkurrenzieren», hält Fabian Gaberthüel in aller Deutlichkeit fest. Deshalb hat Gaberthüel Mitte Januar sämtliche Involvierten – Lehrpersonen der Musikschulen Aarburg, Murgenthal, Oftringen und Rothrist sowie Delegationen von Big Band Stadtmusik Aarburg, Musikgesellschaft Murgenthal, Musikgesellschaft Oftringen-Küngoldingen, Musikverein Rothrist und Musikverein Vordemwald – zu einem Infoanlass eingeladen. Und dort als erstes die nackten Zahlen präsentiert. Von den 4388 Kindern, die in den fünf Gemeinden unterrichtet werden, spielen immerhin 917 Kinder, also rund jedes fünfte, ein Instrument. Darunter sind aber nur gerade 76 Kinder, die ein Holz- oder Blechblasinstrument spielen. Zählt man die 93 SchlagzeugerInnen dazu, kommt man auf insgesamt 169 Kinder, die in einer Blasmusikformation mitmachen könnten. «Auch wenn die lokalen Blasmusikvereine heute schon viel für die Ausbildung der Jugendlichen tun, zeigen diese geringen Zahlen doch, dass es eine Bündelung der Kräfte braucht», betont Fabian Gaberthüel, um den Jugendlichen eine Möglichkeit zu bieten, in einem gut besetzten Ensemble mit Gleichaltrigen musizieren zu können.
«Mit der Bildung der Regionalen Jugendmusik Aareland wird eine Struktur geschaffen, die es so bisher nicht gab», sagt Fabian Gaberthüel. Eine Struktur auch, die keinen Verein ersetze, sondern als regionales Projekt gemeinsam getragen werde. Die Blasmusik-Ausbildung soll nun in den drei Stufen Mini – Midi – Maxi verlaufen. In der untersten Stufe an der Musikschule gebe es weiterhin Bläserensembles, in der die Kinder erste Erfahrungen im gemeinsamen Musizieren sammeln könnten. Die regionale Jugendmusik sei auf der Midi-Stufe ein verbindendes Projekt für motivierte Nachwuchsmusikerinnen und -musiker aus der ganzen Region. «Sie lernen hier aufbauend zu musizieren und werden schrittweise auf den Übertritt in einen Musikverein vorbereitet», betont Gaberthüel. In der dritten Stufe soll dann der Übertritt in den lokalen Musikverein oder die Musikgesellschaft in der eigenen Wohngemeinde erfolgen, sofern dort eine passende Formation besteht.
Mehrheitlich positive Rückmeldungen
Die Reaktionen von Schulen und Vereinen seien mehrheitlich positiv ausgefallen. Es bestehe ein grundsätzlicher Konsens darüber, dass etwas verändert werden müsse. Natürlich seien auch Befürchtungen geäussert worden. Von Musikschullehrpersonen, die den Verlust einzelner Pensen, von Vereinen, die den «Absprung» einzelner jüngerer Mitglieder in die Regionale Jugendmusik Aareland befürchten. «Ich kann diese Befürchtungen gut verstehen», betont Gaberthüel, er sei jedoch überzeugt, dass letztlich alle Beteiligten von den neuen Strukturen profitieren können und deshalb auch kleine Kompromisse eingehen müssen. «Die neu gegründete Regionale Jugendmusik Aareland braucht gesunde Musikschulen in den Dörfern und die regionale Jugendmusik soll nachher der Topf sein, aus dem sich die Musikvereine alimentieren können», bringt es Gaberthüel auf einen Nenner.
Am 11. Februar geht’s los
Das neue Angebot ist fürs Erste gut angekommen. Nach dem Verteilen der Flyer in Musikschulen und Vereinen haben sich 14 jugendliche Musikerinnen und Musiker für die erste Probe vom 11. Februar angemeldet. «Mit dieser Zahl bin ich sehr glücklich», sagt Fabian Gaberthüel. Weitere Interessierte – die Jugendmusik steht Jugendlichen im Alter zwischen 10 und 25 Jahren offen – können sich jederzeit melden. Konkrete Anforderungen gibt es nicht – im besten Fall haben die Schülerinnen und Schüler bereits erste Erfahrungen in einem Ensemble gesammelt. Die einstündigen Proben finden jeweils von Mittwoch, 18 bis 19 Uhr im Gemeindesaal Rothrist statt. «Das hat sich so ergeben, weil Rothrist geographisch etwa in der Mitte der fünf beteiligten Gemeinden liegt. Der Musikverein Rothrist stellt die Perkussionsinstrumente als Starthilfe zur Verfügung. Geleitet wird die Regionale Jugendmusik Aareland durch den Dirigenten des Musikvereins Rothrist, Peter Streit, der neben einer pädagogischen Ausbildung auch über mehrjährige Erfahrung als Musiker sowie als Leiter von Musikvereinen und Jugendensembles mitbringt. «Eine gute Wahl», ist sich Gaberthüel sicher, Peter Streit werde das fachlich super machen und habe eine ruhige Art im Umgang mit Menschen.
Konkret werde es nun darum gehen, die richtige Balance im Schwierigkeitsgrad der Literatur zu finden und dann auch erste Zielkonzerte zu definieren. «Grundsätzlich wären in Zukunft Auftritte in allen beteiligten Gemeinden wünschbar», meint Gaberthüel, der weiterhin für die administrativen Belange der Jugendmusik zuständig bleibt. Er könnte sich zum Beispiel Auftritte an Kinderfesten oder Märkten vorstellen. Zudem soll die Regionale Jugendmusik Aareland auch online sichtbar werden. Das Projekt ist damit auf gutem Weg. Wird es auch gelingen? «Es ist nicht gesagt, dass es besser wird, wenn es anders ist. Wenn es aber besser werden soll, muss es anders werden», bemüht Gaberthüel ein bekanntes Zitat des deutschen Aphoristikers Georg Friedrich Lichtenberg.
Thomas Fürst
Interessiert?
Jugendliche zwischen 10 und 25 Jahren, die bei der Regionalen Jugendmusik Aareland mitspielen möchten, können sich bei Fabian Gaberthüel melden.Mail: fabian.gaberthuel@bluewin.chTelefon 078 870 44 31





