Organisatoren erwarten bis zu 15’000 Gäste
Aarburg Der Start der 4. Etappe der Tour de Suisse am Samstag, 20. Juni, ist vor dem Rathaus, das Ziel liegt am Landhausquai beim «La Perla»

In nur vier Monaten hat Aarburg Start und Ziel für die vierte Etappe der Tour de Suisse organisiert. Darum ist die Absage Murgenthals für den Donnschtig-Jass zum Glücksfall geworden.
Schliesst sich eine Türe, öffnet sich eine andere. Das trifft auch auf Aarburg zu: Vor einem halbem Jahr trauerte das Städtli noch über die Absage von Murgenthal, sich im nachbarschaftlichen Donnschtig-Jass-Wettstreit zu messen. Dann kam die Anfrage von der Organisation der Tour de Suisse, ob sich die Stadt als Etappenort der grössten Schweizer Sportveranstaltung zur Verfügung stellen würde.
Nach dem Entscheid des Stadtrats, das Projekt anzugehen, blieben vier Monate für die Organisation. Das ist wenig Zeit – und ging nur, weil die Gemeindeversammlung bereits den Kredit für die Durchführung des Donnschtig-Jass gesprochen hatte.
Es habe durchaus Diskussionen mit der Finanzkommission gegeben, ob das Geld – die Versammlung sprach 50'000 Franken Cash sowie 50'000 Franken in Dienstleistungen – nun einfach für eine andere Veranstaltung genutzt werden kann, erzählt Stadtpräsident Hans-Ulrich Schär am Mediengespräch im Bärensaal in Aarburg. Am 20. Juni wird die Tour de Suisse mit dem Zeitfahren nun Halt in Aarburg machen. Erwartet werden je nach Wetter 10'000 bis 15'000 Besucher.
Gemäss dem neuen Konzept findet die Tour für die Männer und Frauen gleichzeitig statt: Die Frauen sind am Morgen dran, die Männer am Nachmittag. Im Minutentakt wird gestartet. Die 23,8 Kilometer lange Route führt dann über Boningen, Härkingen, Neuendorf und Fulenbach wieder zurück nach Aarburg. Der Startbereich liegt direkt vor dem Rathaus, das Ziel befindet sich am Landhausquai auf Höhe des «La Perla». Die ursprünglich angedachte Route um den Born ist nicht möglich, da die Sperrung zu aufwendig ist.
Keine Einschränkungen für die Gastrobetriebe
Das Städtli ist während dieser Zeit gesperrt, der Bus umfährt vom Bahnhof her das Städtli via OKUA-Tunnel. «Die Gastrobetriebe sind wegen der Tour de Suisse nicht eingeschränkt», sagt Hans-Ulrich Schär und zeigt eine Luftaufnahme des Startbereichs, auf der die Sonnenschirme des «Bären» noch gut zu erkennen sind. Die Fanzone ist nahe des Startbereichs zu finden, der VIP-Bereich beim Schulhaus Hofmatt. Am Aareweg gibt es mit der Kidsworld einen Bereich für Kinder, unter anderem mit Pumptrack. Der Parkplatz für die Teams befindet sich auf dem Franke-Areal.
Da mit minütlichen Starts und Zielankünften bereits sehr viel geboten wird, hat die Stadt Aarburg kein grosses Rahmenprogramm organisiert. Es wird verschiedene Foodstände geben. Diese Organisation wurde an Hannibal Events ausgelagert. Die Tour de Suisse selbst bietet mit Fanzone, Kidsworld und Kinderrennen auf Laufrädern bereits einiges für die Zuschauer.
Anreise mit dem Fahrrad empfohlen
Grundsätzlich sei die Anreise mit dem öffentlichen Verkehr – oder mit dem eigenen Velo – empfohlen, sagt Schär. Für die Anwohnenden von Start und Ziel stehen Ersatzparkplätze bereit, sodass sie trotz Grossanlass mobil bleiben. Der Aufbau im Start/Zielbereich beginnt um 4 Uhr, abends um 22 Uhr ist alles wieder abgebaut.
Die Bevölkerung von Aarburg freue sich auf den Anlass, sagt Hans-Ulrich Schär. Tatsächlich beschränkten sich die Fragen am anschliessenden Infoanlass für die Bevölkerung auf die Zu- und Wegfahrt zu Liegenschaften, die im Start- und Zielbereich liegen.
Weniger freuen sich hingegen die Nachbargemeinden, durch die das Zeitfahren führt. Die betroffenen Strassen sind fast den ganzen Tag gesperrt – die Gemeinden darüber aber noch nicht offiziell informiert worden, wie die Gemeindepräsidenten an der Infoveranstaltung zum Ausdruck brachten.
Tour de Suisse wird in 205 Länder übertragen
«Mich freut es ganz besonders, dass die Tour de Suisse in Aarburg und damit im Aargau Halt macht», sagt der Fricktaler Olivier Senn, Tourdirektor der Tour de Suisse. Aufgrund des neuen Konzepts konnte die Tour de Suisse erst spät die Etappenorte bestimmen und stand somit unter Zeitdruck. Entsprechend kostet es die Stadt Aarburg auch nicht so viel wie sonst üblich, um als Etappenort aufzutreten. 75'000 Franken beträgt die Fee, die aber durch Sponsoring und Sport-Toto zu einem grossen Teil bereits wieder habe hereingeholt werden können, sagt Schär.
Dafür hat Aarburg punkto Präsenz das grosse Los gezogen: Für die Präsentation der fünf Etappen hat Tour de Suisse die Aarburger Woog ausgewählt. Im Video sind im Hintergrund Städtli und Festung zu sehen. Die Pressekonferenz der Tour de Suisse findet am nächsten Dienstag ebenfalls im Bärensaal in Aarburg statt und der Anlass selbst wird in 205 Länder übertragen.
Bis zu siebenstellige Wertschöpfung für die Region
Da stellt sich die Frage, ob Aarburg denn nicht sogar froh ist, dass Murgenthal beim Donnschtig-Jass nicht mitmachen wollte. Schär und Senn lachen. Für die Tour des Suisse sei dies definitiv ein Glücksfall, meint Senn. Wäre der Donnschtig-Jass-Kredit nicht schon gesprochen gewesen, hätte Aarburg die Organisation von Start und Ziel nicht so schnell aus dem Boden stampfen können.
Auch die erweiterte Region profitiert vom Anlass: 1200 Betten benötigt die Tour-Organisation unter anderem für die Rennfahrerinnen und Rennfahrer und ihren Trainertross. Vom Freitag auf Samstag übernachten die Frauen in der Region, von Samstag auf Sonntag die Männer. Die Wertschöpfung beziffern Hans-Ulrich Schär und Olivier Senn auf bis zu siebenstellig für die gesamte Region. Lilly-Anne Bruggger