Referat über die aktuellen Herausforderungen
Murgenthal Regierungsrat Dieter Egli zu Gast bei der Oberst Künzli-Gesellschaft

Regierungsrat Dieter Egli legte am 9. Juni die aktuellen Herausforderungen in seinem Departement Volkswirtschaft und Inneres in der historischen Oberst-Künzli-Stube dar.
Dieter Egli ist seit 2021 Regierungsrat des Kantons Aargau, 2025 war er Landammann. Zunächst erörterte Egli den breiten Aufgabenbereich seines Departements, das mit rund 2'300 Mitarbeitenden weitaus die grössten Personalressourcen bindet.
Der Kanton Aargau zeichne sich durch eine besondere Wirtschaftsstruktur aus. Rund 90 % der insgesamt 360'000 Beschäftigten arbeiten in Betrieben mit weniger als 10 Mitarbeitenden. Der Aargau ist damit ein ausgesprochener KMU-Kanton, wobei die Industrie mit stolzen 26 % Anteil zeige, dass hier die Produktion von Gütern nach wie vor sehr bedeutend sei. Die Herausforderung für die Betriebe sei es, für den Export weiterhin kompetitiv zu sein. Das Marktumfeld habe sich verschärft, die Betriebe sehen sich mit Produktionskosten, Zöllen und Fachkräftemangel konfrontiert. Egli freut sich, dass die Unternehmen nicht in Schockstarre verfallen, sondern agil auf Veränderungen reagieren.
Egli plädiert für verstärkte Zusammenarbeit
Der Kanton sehe seine Rolle darin, für die Unternehmen möglichst günstige Bedingungen zu schaffen. Dazu gehören insbesondere die Standortförderung und die Steuerpolitik.
Zur Sicherheitslage im Kanton nennt Egli destabilisierende Faktoren, wie Terrorismus/Extremismus, Migration und organisierte Kriminalität. Hybride Kriegsführung werde durch technologische Neuerungen befördert, Cyberattacken häufen sich. Egli plädiert für verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Polizeien der Kantone und mit benachbarten Ländern. Oft sei es einfacher, Informationen aus dem Schengenraum zu beschaffen, als von anderen Kantonen. Hier setzt Egli auf eine neue interkantonale Vereinbarung zum Datenaustausch.
Motivation müsse von den Gemeinden selbst kommen
Schliesslich sprach Egli über die 196 Gemeinden, in welchen sich knapp 1'000 Gemeinderatsmitglieder und eine Vielzahl an Angestellten engagieren. Dies sei Segen und Fluch zugleich. Der Föderalismus sei ein sehr probates Mittel, um nahe an der Bevölkerung zu sein, gleichzeitig müssen alle kommunalen Aufgaben bewältigt werden. Kleine Gemeinden stossen an ihre Grenzen, der Fachkräftemangel betreffe eben nicht nur die Betriebe, sondern auch die Verwaltungen. Der Kanton mische sich nicht offensiv in die Thematik von Gemeindefusionen ein, stehe ihr aber prinzipiell positiv gegenüber. Die Motivation müsse von den Gemeinden selbst kommen.
Egli ging auf die Frage ein, was die Haltung des Kantons zur geplanten Ansiedlung der Firma Hitachi in Wettingen sei. Der Regierungsrat würde Hitachi gerne bauen lassen, es gelte aber, den demokratisch legitimierten Planungsprozess zu respektieren. Immerhin gehe es um eine Umzonung mit Einsprachemöglichkeit, auch von umliegenden Gemeinden. Er hoffe auf eine Einigung in dieser Sache.
Walter Bosshard