Rothirsch hat sich etabliert, Luchs und Wolf tauchen immer wieder auf

Murgenthal Wechsel an der Spitze der Jagdgesellschaft: Von Marco Caneri zu Ueli Wyss

Wechsel an der Spitze der Jagdgesellschaft Murgenthal: Von Marco Caneri (links) mit Jagdhund Helios zu Ueli Wyss mit Jagdhund Arya.

Wechsel an der Spitze der Jagdgesellschaft Murgenthal: Von Marco Caneri (links) mit Jagdhund Helios zu Ueli Wyss mit Jagdhund Arya.

In den 1970-er-Jahren wurden in der Schweiz erstmals Luchse ausgewildert. Dieses Bild wurde im Tierpark Goldau geschossen.Bild: Beat Rüegger / ornifoto.ch

In den 1970-er-Jahren wurden in der Schweiz erstmals Luchse ausgewildert. Dieses Bild wurde im Tierpark Goldau geschossen.Bild: Beat Rüegger / ornifoto.ch

Ein ausgewachsener Rothirsch kann 170 bis 220 Kilogramm schwer werden. Die Aufnahme stammt aus dem Revier Murgenthal.Bild: zvg

Ein ausgewachsener Rothirsch kann 170 bis 220 Kilogramm schwer werden. Die Aufnahme stammt aus dem Revier Murgenthal.Bild: zvg

Bei der Jagdgesellschaft Murgenthal geht eine Aera zu Ende. Nach 12 Jahren hat Marco Caneri das Amt des Obmanns an Ueli Wyss abgegeben. Die beiden Murgenthaler Jäger äussern sich dazu, was sich rund um Wild und Wald in dieser Zeit verändert hat.

Generationenwechsel an der Spitze der Jagdgesellschaft Murgenthal: Der 72-jährige Marco Caneri hat sein Amt als Obmann im Dezember letzten Jahres an den 35-jährigen Ueli Wyss abgegeben. «Der Zeitpunkt ist gut gewählt», sagt Marco Caneri. Er fühle sich noch gut in Form, aber man solle dann ins zweite Glied zurücktreten, wenn die Jungen bereit sind, die Verantwortung zu übernehmen. Die Verjüngung an der Spitze sei gleichzeitig ein Signal an den Kanton, dass die Jagdgesellschaft Murgenthal weiterhin gewillt sei, ihre Aufgaben als Pächterin des Jagdreviers 178 zu erfüllen. Denn die Alterstruktur einer Jagdgesellschaft ist neben der Erfüllung der jagdlichen Aufgaben ein weiteres Kriterium, welches der Kanton bei der Neuvergabe der Jagdreviere auf Beginn des nächsten Jahres heranzieht. «Diesbezüglich ist der Verein auf einem guten Weg», sagt der neue Obmann Ueli Wyss. Einerseits konnte der Verein neue Pächter gewinnen, die ihre Jagdausbildung teilweise in Murgen-thal absolviert haben. Andererseits sind auch wieder drei Jagdlehrgängerinnen und -lehrgänger dabei, das Weidwerk zu erlernen.

Grosse Verdienste um die Jagd

Als Jäger ist Marco Caneri eher ein Spätberufener. 2005/06 hat er als Jagdlehrgänger bei der Jagdgesellschaft Murgenthal die Jagdschule Bertschinger absolviert und seine Jagdprüfung 2006 erfolgreich abgelegt. Seither ist er nicht nur Mitglied bei der Jagdgesellschaft, er nahm 2010 auch Einsitz in den Vorstand: Zuerst vier Jahre als Aktuar, dann 12 Jahre als Obmann. Zudem engagierte sich der ehemalige Murgenthaler Gemeinderat in zahlreichen weiteren jagdlichen Ämtern. So war Caneri zum Beispiel sechs Jahre Mitglied im Rotwild Hegering 1, in dem ein breit abgestütztes Gremium von Fachleuten von Kanton, Forst und Jagd Massnahmen im Umgang mit dem Rothirsch erarbeitete. Zudem war er 10 Jahre Bezirksvertreter beim Aargauischen Jagdschutzverein, sein Amt als Prüfungsleiter für Jagdhunde, beim Schweizerischen Kleinen Münsterländerverein, wird Caneri Ende 2026 abgeben.

Die Vielfalt der von Caneri ausgeübten Ämter zeigt auch die Bandbreite der Aufgaben eines Jägers. «Die wichtigste Aufgabe des Jägers bleibt, das Gleichgewicht zwischen Wildtieren und ihrem Lebensraum zu bewahren», betont der langjährige Murgenthaler Obmann der Jagdgesellschaft. Dabei gehe es nicht nur um die Regulierung des Wildtierbestands, sondern auch um den Schutz des Waldes.

Entsprechend leistete die Jagdgesellschaft Murgenthal beim Projekt zum Schutz von Weisstannen (2015 – 2025) ihren Beitrag mit dem Stellen von diversen Zäunen sowie dem Anbringen von Knospenschützen. Ein Jäger müsse aber auch Aufgaben wie das Stellen von Salzlecken wahrnehmen, die dem Wohl der Wildtiere zu Gute kommen würden. Zahlreiche Murgenthaler Jäger sind regelmässig dabei, wenn der Naturschutzverein Neophyten bekämpft, beteiligen sich aktiv an Waldgängen. Und last but not least stellt die Jagdgesellschaft auch die Jagdaufseher, welche bei Wildtierunfällen Tag und Nacht zum Unfallort gerufen werden. Was nicht gerade selten passiert, fielen doch 2024 alleine im Kanton Aargau 703 Rehe Strassenunfällen zum Opfer. Wird ein Reh dabei nicht getötet, leisten Jägerinnen und Jäger die Nachsuche nach dem verletzten Tier. «Die Jagd leistet viel für die Gesellschaft», betont Caneri, da sei auch ein grosses Mass an Freiwilligenarbeit dabei.

Druck auf den Wald wird immer grösser

Auch im Wald selber habe sich in den vergangenen Jahren vieles verändert, hält Caneri fest, die grösste Veränderung sei sicherlich die Rückkehr des Rothirschs ins Mittelland. Der erste fotografische Nachweis im Aargau gelang einem Mitglied der Jagdgesellschaft Strengelbach am 4. Juli 2010. Mittlerweile könne man sagen, dass sich der Rothirsch wieder in der Region etabliert habe. Es sei allerdings schwierig, den Bestand von Rotwild in der Region zu schätzen. «Weil sich der Hirsch in einem sehr grossen Raum von rund 60’000 Hektaren bewegt», erläutert Caneri. Dies hat ein Forschungsprojekt der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften bestätigt, bei dem in den Jahren 2020 bis 2022 freilebende Rothirsche eingefangen und mit GPS-Halsbändern versehen wurden. Das treffe im übrigen auch auf Luchs und Wolf zu, die immer wieder im Revier auftauchen würden, wie anhand von Wildrissen und Spuren festgestellt worden sei. «Auf jeden Fall ist es imposant, dass man ein so schönes und grosses Tier wie den Rothirsch wieder in der Region sehen kann», zeigt sich Caneri über die Veränderungen im Wildtierbestand erfreut. Auf der anderen Seite habe die starke Zunahme von Rotwild dazu geführt, dass das Rehwild heimlicher geworden sei. Auch der Wald selber hat sich verändert. Caneri denkt hier an die Schaffung von Naturwaldreservaten, die dem Wild mehr Rückzugsorte verschaffen, gleichzeitig aber auch die Jagd erschweren.

Überhaupt sei der Wald ein Ort, an dem viele Interessen aufeinander stossen würden. «Freizeitaktivitäten haben im Verlauf der letzten zwanzig Jahre stark zugenommen», stellen sowohl Caneri als auch Ueli Wyss fest. Sie möchten dies nicht als Klage verstanden haben, denn natürlich habe jedermann ein Recht darauf, sich im Wald aufzuhalten. Wie überall aber, wo es keine Beschränkungen gebe, gebe es leider auch Auswüchse, für die er wenig Verständnis aufbringe, hält Marco Caneri fest. So treffe er immer wieder Pilzsammler aus den Kantonen Basel und Zürich in den Murgenthaler Wäldern an. «Macht es wirklich Sinn, 50 Kilometer zu fahren, um hier Pilze zu sammeln?», fragt er rhetorisch.

«Habe mein Amt in gute Hände übergeben»

Nun ist Caneri im Dezember letzten Jahres ins zweite Glied zurückgetreten. Sein Nachfolger ist Ueli Wyss, der seine Jagdprüfung im Juni 2022 abgelegt hat und seit August desselben Jahres Pächter der Jagdgesellschaft Murgenthal ist. «Ich habe mein Amt in gute Hände übergeben», zeigt sich Marco Caneri überzeugt. «Jagdlich ist Ueli sehr versiert, er pflegt einen guten Umgang mit Leuten und auch seine Ausbildung als Polizist ist in diesem Amt alles andere als ein Nachteil», betont Caneri. Ein Lob, das Ueli Wyss umgehend zurückgibt: «Die Jagdgesellschaft Murgenthal ist auch dank der umsichtigen Führung von Marco Caneri gut aufgestellt», betont er. Er gebe sich Zeit, in sein neues Amt hineinzuwachsen, zudem stünde ihm ein guter Vorstand zur Seite, der ein gutes Einvernehmen mit Gemeinderat, Grundeigentümern, Landwirten und Forst habe. Und ganz weg sei Marco Caneri ja auch nicht, führt Ueli Wyss weiter, wenn er einmal einen Rat brauche. Denn Caneri bleibt Pächter der Jagdgesellschaft und wird weiterhin viel im Wald anzutreffen sein. Um anzusitzen, zu pirschen oder auch einfach nur die Ruhe im Wald mit all seinen Schönheiten zu geniessen. Thomas Fürst