Rothrist packt das Problem mit den Neophyten an der Wurzel
Rothrist Neophyten-Aktionstag, Samstag, 20. Juni, ab 9 Uhr
Die Gemeinde Rothrist, der Naturschutzverein und der Forstbetrieb Region Zofingen laden die Bevölkerung am Samstag, 20. Juni, zum «Neophyten-Aktionstags» ein, um im gemeinsamen Einsatz gegen die unkontrollierte Ausbreitung invasiver Pflanzen ein Zeichen für die heimische Biodiversität zu setzen.
Sie nennen sich «Drüsiges Springkraut», «Asiatische Staudenknöteriche» oder «Schmalblättriges Springkraut»: invasive Neophyten, die ungebetenen Gäste des Pflanzenreichs. Weil gewisse dieser Pflanzen gesundheitliche Probleme, Schäden an der Infrastruktur oder Einbussen in der Land- und Forstwirtschaft verursachen, hat Rothrist den Invasoren im Verbund den Kampf angesagt. Und so lädt die Gemeinde am 20. Juni, gemeinsam mit dem Naturschutzverein Rothrist und dem Forstbetrieb Region Zofingen, im vierten Jahr in Folge zum Neophyten-Aktionstag unter dem Motto «Rothrist bekämpft die Neophyten nachhaltig».
Markus Wittwer (41), der Leiter des Werkhofs, und seine Stellvertreterin Serafin Flury (33) erklären gegenüber dem «Wiggertaler», dass sich in Rothrist vor allem das für Tiere giftige «Jakobskreuzkraut» und das «Einjährige Berufkraut» invasiv verbreitet haben. «Eine einzige Pflanze kann bis zu 50’000 Samen mit dem Wind verstreuen. Dementsprechend schnell verbreiten sich die invasiven Pflanzen», sagt der gelernte Strassenbauer Markus Wittwer. Erschwerend kommt hinzu, dass sich gewisse invasive Neophyten und einheimische Arten ähneln. «Das Berufkraut sieht für Laien aus wie ein Gänseblümchen. Meine Kinder haben im Sommer auch schon einen Strauss gepflückt, den sie ihrer Mutter schenken wollten. Einen Strauss aus Berufkraut», sagt Markus Wittwer schmunzelnd.
Damit die Teilnehmer am Neophyten-Aktionstag in Rothrist nicht aus Versehen die falschen Pflanzen pflücken, erhalten sie um 9 Uhr beim Forstwerkhof eine Instruktion mit Bildern der zu bekämpfenden Neophyten. Im Idealfall ausgerüstet mit Handschuhen, langen Kleidern, robusten Schuhen und Zeckenschutz, geht es dann in Gruppen zu den verschiedenen Hotspots: ins Siedlungsgebiet, in den Wald und auf Kulturland. Den grössten Erfolg gäbe es, wenn vor dem Neophytentag Regen fallen würde, wie die gelernte Landschaftsgärtnerin und Neobiota-Beauftragte Serafin Flury erklärt: «Wenn der Boden aufgeweicht ist, lassen sich die Pflanzen mitsamt der Wurzeln viel einfacher entfernen. Aber selbst, wenn die Wurzel im Erdreich verharrt, so haben wir zumindest die Ausbreitung der Samen für eine Saison gestoppt.»
Geselligkeit wird grossgeschrieben
Am Ende des morgendlichen Einsatzes im Dienste der Natur erwartet die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein gratis Mittagessen mit Dessert und geselliges Beisammensein beim Forstwerkhof Rothrist. Der Anlass ist auch für Familien mit Kindern geeignet. «Der Neophyten-Aktionstag richtet sich an Personen jeden Alters, die Interesse an der Umwelt haben und denen die Nachhaltigkeit der einheimischen Pflanzen wichtig ist. Er ist zudem auch für Waldgänger interessant, die ihren Naherholungsraum schützen wollen», sagt die Brittnauerin Serafin Flury. Wie viele Personen kommen, um zu helfen, hänge sehr stark vom Wetter ab. In diesem Jahr dürfte zudem die Tour-de-Suisse im benachbarten Aarburg eine nicht zu verachtende Konkurrenzveranstaltung sein.
25 Säcke voller Neophyten sammelten die Teilnehmer im Vorjahr. Matchentscheidend ist die gesammelte Menge gemäss Markus Wittwer aber nicht. «Ob an diesem Tag 25 oder 35 Säcke zusammenkommen, ist nicht das Wichtigste. In erster Linie geht es darum, die Bevölkerung für dieses Thema zu sensibilisieren und ihr ein Wissen weiterzugeben, das sie in ihren Alltag tragen kann.»
Das ganze Jahr im Einsatz
Rothrists Kampf gegen Neophyten ist kein Ein-Tages-Event, der mit dem Ende des Neophyten-Aktionstags endet. Mehrere Tage pro Jahr sind die Mitarbeitenden des Werkhofs unterwegs, um die Ausbreitung der invasiven Pflanzen einzudämmen. Mehrere Rothrister Schulklassen machen jährlich einen Neophytentag, und erarbeiten sich so einen Zustupf für ihre Klassenkasse. Seit 2023 kann die Bevölkerung zudem gratis Säcke bei der Sammelstelle abholen, um sie mit Neophyten zu füllen und wieder gratis bei der Gemeinde abzugeben. Im Grüngut landen sollten die fiesen Pflanzen nämlich nicht. Sie gehören in den Kehricht, wo sie verbrannt werden. Im letzten Jahr brachte ein Einwohner 40 volle Säcke zur Sammelstelle. Ein Rekord, über den sich das Team um Markus Wittwer besonders freute.
Der Kampf gegen Neophyten ist eine Sisyphusarbeit. Ihn ganz zu gewinnen, ist aufgrund der rasanten Ausbreitung der Pflanzen kaum möglich. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund erhöhter Sicherheitsbestimmungen die Begehung von Flachdächern und Bahntrassen nicht möglich ist. «Es gibt aber Orte auf unserem Gemeindegebiet, bei denen die Ausbreitung merklich zurückgegangen ist», hält Markus Wittwer positiv dagegen. Und im Gegensatz zur griechischen Sagengestalt Sisyphus, die ihren Stein immer wieder vergeblich den Berg hochrollen musste, hoffen die Organisatoren des «Neophyten-Aktionstags», dass sie mit ihrer Aktion zumindest in Sachen Sensibilisierung einen Stein ins Rollen bringen können.
Manuel Arnold





