Seit 39 Jahren unterhalten Freiwillige das 1000-er-Stägli

Aarburg Die 1896 gebaute Bornstiege ist seit 1987 wieder begehbar

Herbert Scheidegger, kurz «Born-Hörbi», verdient auch heute noch allergrössten Respekt für seine unglaubliche Pionierleistung.Bild: zvg

Herbert Scheidegger, kurz «Born-Hörbi», verdient auch heute noch allergrössten Respekt für seine unglaubliche Pionierleistung.Bild: zvg

Um das Sturzrisiko zu minimieren wurden einige Wege neu gemergelt. Dabei kam der von einem Rothrister Ehepaar gesponserte Plattenvibrator zum Zuge.Bild: Bruno Muntwyler

Um das Sturzrisiko zu minimieren wurden einige Wege neu gemergelt. Dabei kam der von einem Rothrister Ehepaar gesponserte Plattenvibrator zum Zuge.Bild: Bruno Muntwyler

Die freiwilligen «Born-Ranger» mit (v.l.): Rolf Wullschleger, Hans Schürch, Kurt Hilfiker, Andy Flükiger, Bruno Muntwyler und Guido Vonäsch.Bild: Bruno Muntwyler

Die freiwilligen «Born-Ranger» mit (v.l.): Rolf Wullschleger, Hans Schürch, Kurt Hilfiker, Andy Flükiger, Bruno Muntwyler und Guido Vonäsch.Bild: Bruno Muntwyler

Wer eine echte Challenge sucht, der findet sie seit 1987 auf dem legendären 1000er-Stägli oberhalb der A1 am Born. Die Bewältigung der 1150 Treppen mit 244 m Höhendifferenz auf einer Strecke von nur einem halben Kilometer entspricht einer Steigung von 47,3 Prozent.

Dass die Bornstiege – 1896 gebaut – seit 1987 wieder begehbar ist, ist dem Aarburger Herbert Scheidegger («Born-Hörbi») zu verdanken. Als der Arzt dem ernsthaft erkrankten Informatiker viel frische Luft und körperliche Arbeit verordnete, wurde im Kopf des naturverbundenen Menschen die Idee Sanierung des «Tuusigerstäglis» geboren. Ein gewaltiges Vorhaben, das in der regionalen Tageszeitung als Aprilscherz die Runden machte. Am 1. April 1986 setzte «Hörbi» aber tatsächlich den ersten von insgesamt 1144 Holztritten in den steinigen Boden. Die 80 cm langen Rottannen- und Buchenspälte wurden mit 50 Zentimeter langen Armierungseisen befestigt. Wie oft «Hörbi» mit seiner hölzernen Rückentrage (Träf) der Marke Eigenbau ins Basislager abstieg, um Holzspälten zu holen ist unbekannt. Körperlich erging es dem Pionier, der sich einer Operation hatte unterziehen müssen, von Tag zu Tag besser. Am 29. April 1987 hatten es Scheidegger und seine treuen Wegbegleiter geschafft: Persönlich haute er die letzten Armierungseisen für den 1144. Tritt in den harten Boden. Leider war die Hoffnung auf «Hörbis» vollständige Genesung zu optimistisch: Erst 61-jährig verstarb er 2001.

Sein Vermächtnis wird seit 39 Jahren von einer Freiwilligengruppe, den Born-Rangers, mit grossem Engagement unterhalten. Der bekannte «Fitness-Hotspot» auf dem Born ist kult und an 365 Tagen begehbar. Das riesige Interesse nutzt die Stufen natürlich ab. Dazu Rolf Wullschleger, «Polier» der Arbeitsgruppe: «Im vergangenen Jahr haben wir etwa 500 Tritte erneuert und mit Juramergel hinterfüllt, den wir in Kesseln rauf und runter geschleppt haben. Auch die Wege für den Abstieg via «Känzeli» haben wir saniert. Insgesamt wurden rund fünf Kubikmeter Mergel verbaut und einvibriert.»

2025 wurden 130’000 Bewegungen gemessen

Im vergangenen Jahr wurden mittels Lichtschranke auf dem Stägli unglaubliche 130 000 Bewegungen gemessen – entspricht etwa 2500 Benützer pro Woche. Es ist klar, dass die Treppe enorm strapaziert wird, und das Relikt aus dem Jahre 1896 der Belastung nur deswegen standhält, weil es mit grossem Aufwand unterhalten wird. Der intensive Unterhalt ist eine kontinuierliche Aufgabe, die von der freiwilligen Arbeitsgruppe mit Hans Schürch, Rolf Wullschleger, Guido Vonäsch, Andy Flükiger, Kurt Hilfiker und Bruno Muntwyler übernommen wird. Hauptaufgabe ist das Auswechseln abgenützter Stufen, das Entfernen des glitschigen Laubes, das Sichern der Zugänglichkeit und die Pflege der Wege inklusive Littering. Auch die drei Grillstellen werden unterhalten und mit Feuerholz bestückt; Fallholz entsorgt und zahlreiche Bänkli tragen auch die Handschrift der «Born-Rangers». Meinte ein namentlich nicht genannt werden wollender «Stägli-Stammgast»: «Wenn die freiwillige Gruppe nicht wäre, die Borntreppe würde sich innerhalb von ein, zwei Jahren in einem desolaten Zustand befinden. Daher finde ich es wichtig, die strenge Arbeit der freiwilligen Chrampfer zu schätzen und zu unterstützen.»

Bruno Muntwyler