Selbstbestimmung und Teilhabe ist im «azbRat» zentral

Strengelbach Im «azbRat» dürfen alle Klientinnen und Klienten ihre Wünsche äussern

Seit fünf Jahren arbeitet Beatrice Stutz in der Stiftung azb.Bild: Manuel Arnold

Seit fünf Jahren arbeitet Beatrice Stutz in der Stiftung azb.Bild: Manuel Arnold

Der aktuelle azbRat (von links): Manuel Blatter, Andreas Benker, Markus Zinniker, Karin Bernhard, Beatrice Stutz, Antoinietta D›Urso und Daniela Gerhard.Bild: zvg

Der aktuelle azbRat (von links): Manuel Blatter, Andreas Benker, Markus Zinniker, Karin Bernhard, Beatrice Stutz, Antoinietta D›Urso und Daniela Gerhard.Bild: zvg

Das Bügeln gefällt Beatrice Stutz in der Wäscherei am besten.Bild: Manuel Arnold

Das Bügeln gefällt Beatrice Stutz in der Wäscherei am besten.Bild: Manuel Arnold

Seit circa zwei Jahren vertritt der azbRat die Interessen der Klientinnen und Klienten innerhalb der Stiftung. Für den Tag der offenen Tür am 9. Mai hat der Rat einen eigenen Stand organisiert. Diese Zeitung hat sich mit Beatrice Stutz getroffen. Die Präsidentin des azbRats erklärt, wie die Arbeit rund um Selbstbestimmung und Teilhabe aussieht.

Beatrice Stutz leistet in der Stiftung azb wichtige Arbeit – in der Wäscherei, wo sie Kleider aus der Stiftung und von externen Kunden zum Strahlen bringt. «Am liebsten mag ich das Bügeln», sagt sie. Seit zwei Jahren hat Beatrice Stutz aber noch eine andere wichtige Arbeit. Sie ist die erste gewählte Präsidentin des azbRats. Der Selbstvertretungsrat ist für Menschen mit Unterstützungsbedarf da, die in der Stiftung azb wohnen oder arbeiten. Er hilft mit, dass alle gehört werden und ihre Wünsche äussern können. Beatrice Stutz hat als Präsidentin einiges zu tun: Sie leitet die monatlichen Sitzungen, verfasst E-Mails, vermittelt der Geschäftsleitung Anliegen und erstellt Einsatzpläne für den Tag der offenen Tür. «Das kann manchmal ganz schön streng sein», sagt sie, leicht seufzend, bevor sie gleich wieder lächelt.

Immer am letzten Donnerstag des Monats trifft sich der siebenköpfige Rat, um die Anliegen der Klientinnen und Klienten zu besprechen. Die allermeiste Zeit herrscht ein superfreundliches Klima. Es gab aber auch schon Momente, als die Präsidentin ein Machtwort sprechen musste. «An einer Sitzung waren einige Ratsmitglieder ständig am Handy. Da habe ich auf den Tisch gehauen. Seit diesem Moment herrscht bei unseren Sitzungen Handyverbot», sagt Beatrice Stutz bestimmt.

Der Rat hat in seiner jungen Geschichte schon einiges bewirkt. So durfte er die neue Mensa aktiv mitgestalten und im Bereich der Verpflegung Anregungen einbringen. Ein Anliegen hat der Rat nach reiflicher Überlegung abgelehnt: Eine Bewohnerin wünschte sich eine stationäre Fusspflegerin. Das hätte aber dazu geführt, dass die Klienten das Areal nicht mehr verlassen müssten. «Gelebte Inklusion ist für uns ein sehr wichtiges Thema. Wann immer möglich, sollen unsere Klientinnen und Klienten mit der Welt ausserhalb des azb in Kontakt kommen», sagt Andi Siegrist, der als Geschäftsleitungsmitglied den azbRat unterstützt – dort, wo Hilfe notwendig ist. Während des Gesprächs ergänzt er den passenden politischen Kontext: «Die UNO-Behindertenrechtskonvention (BRK) ist in der Schweiz seit dem 15. Mai 2014 in Kraft. Dadurch verpflichtet sich die Schweiz zur Gleichstellung, Zugänglichkeit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Das gleiche Ziel verfolgt aktuell die nationale Inklusionsinitiative.» Der azbRat sei die gelebte Version dieser Vorhaben, weil er Menschen mit Behinderungen bewusst den Raum zu Mitsprache, Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit gebe.

Für den Tag der offenen Tür am 9. Mai plant und organisiert der azbRat eigenständig einen eigenen Informationsstand. Das Highlight ist eine bis jetzt noch geheime Installation, auf der sich die Besucherinnen und Besucher, ganz nach dem Motto «Inklusion beginnt mit Begegnung», verewigen können. Die Kosten für den Informationsstand trägt der azbRat, welcher über ein eigenes Jahresbudget verfügt.

1. Strengelbacher Begegnungstag

Für den azbRat steht nebst dem Tag der offenen Tür in diesem Jahr noch ein weiteres Highlight bevor. Am 22. Oktober findet der 1. Strengelbacher Begegnungstag statt. In Anlehnung an die Rorschacher Fachtagung soll es einen Erfahrungsaustausch mit anderen Selbstvertretungsräten von anderen Stiftungen aus dem Kanton Aargau und umliegenden Regionen geben. «Es gibt noch nicht so viele Plattformen, wo sich Menschen mit Behinderungen unabhängig vernetzen können», sagt Siegrist.

Die Arbeit wird Beatrice Stutz und dem azbRat bestimmt nicht ausgehen. Und doch wird Beatrice Stutz ihr Amt voraussichtlich in einem Jahr niederlegen, auch wenn gemäss Statuten eine dritte Amtszeit möglich wäre. Übrigens finden die nächsten Erneuerungswahlen im Juni 2027 statt. Dabei können ausschliesslich Klientinnen und Klienten die Mitglieder in den azbRat wählen.

Beatrice Stutz bezeichnet sich als Schönwettermensch. Seit eineinhalb Jahren joggt sie. Wann immer möglich, fährt sie mit dem Velo zur Arbeit. Im solothurnischen Walterswil wohnt die Schweizerin mit haitianischen Wurzeln mit ihren Eltern. Ihre EBA-Lehre hat die 33-Jährige als Koch in der Stiftung Schürmatt in Zetzwil gemacht. «Wenn ich im azb durch die Küche laufe, denke ich immer, wie froh ich bin, in der Wäscherei zu arbeiten, weil ich viel lieber mit dem Bügeleisen als mit der Bratpfanne arbeite», sagt Beatrice Stutz. An diesem Beispiel zeige sich die Umsetzung der Mission der Stiftung azb, so Andi Siegrist: «Wir verstehen Menschen, erkennen ihre Bedürfnisse und schaffen für sie massgeschneiderte Angebote.»Manuel Arnold