Stadtkompanie marschiert stolz durchs Jubiläumsjahr

Zofingen Stadtkompanie Schultheiss Niklaus Thut feiert heuer ihr 40-Jahr-Jubiläum

Vor zwei Jahren beschaffte sich die Stadtkompanie neue Uniformen.Bild: zvg

Vor zwei Jahren beschaffte sich die Stadtkompanie neue Uniformen.Bild: zvg

Bundespräsident Alphons Egli (mit grauer Krawatte) stattete der Stadtkompanie 1986 beim Festakt in Sempach einen Besuch ab.Bilder: zvG

Bundespräsident Alphons Egli (mit grauer Krawatte) stattete der Stadtkompanie 1986 beim Festakt in Sempach einen Besuch ab.Bilder: zvG

Der Zofinger Ehrenkommandant Christoph Mauch.

Der Zofinger Ehrenkommandant Christoph Mauch.

Die Stadtkompanie Zofingen in der Ordonnanz 1986.

Die Stadtkompanie Zofingen in der Ordonnanz 1986.

Sie bewacht keine Stadtmauern und zieht nicht in den Krieg. Und doch versteht sich die Stadtkompanie Zofingen als Wächterin von Zofingens Geschichte.In diesem Jahr darf der historische Verein sein 40-jähriges Bestehen feiern.

Sie kommen nicht hektisch. Sie kommen nicht eilig. Die Trommelschläge der Tambouren sind der Herzschlag des Zuges. Die Stadtkompanie bewegt sich vorwärts – und zugleich durch die Zeit. Als Hüterin der Tradition, dem Stadtpatron Niklaus Thut verpflichtet, bewahrt sie Zofingens Geschichte, damit sie nimmer in Vergessenheit gerät. Die Historie dieser eingeschworenen Gemeinschaft ist – gemessen an der Geschichte, die sie erzählt – noch jung. Sie entstand 1986 bei den Vorbereitungen zu den Feierlichkeiten «600 Jahre Schlacht bei Sempach». Am 9. Juli 1386 kämpfte dort Zofingens Schultheiss Niklaus Thut mit zwölf Zofinger Bürgern an der Seite der Habsburger gegen die Eidgenossen. Vor der Niederlage riss Niklaus Thut die Zofinger Fahne in Stücke und steckte sie in den Mund, um eine Schmach für Zofingen abzuwehren. 600 Jahre später sollten die Zofinger auf Geheiss wieder auf ehemaligem Feindesland defilieren. Und so fassten am 28. April 1986 24 «Krieger» einen Marschbefehl zum Fassen der Uniformen und der Spiesse. Gründungsmitglied Christoph Mauch erinnert sich an diesen denkwürdigen Tag. «Es war so heiss, dass uns die Eisenhelme schier an den Köpfen kleben blieben. Die schönste Erinnerung war, als der ständige Gast der Kompanie, Nationalrat Willy Loretan, zu fortgeschrittener Stunde den Bundespräsidenten Alphons Egli an unseren Festbank lotste – der darauf bestand, dass wir ihn duzten.»

Auf dem Schlachtfeld lernte die Stadtkompanie die Herren von Keppenbach und Markgrafen von Hachberg kennen. Eine freundschaftliche Bande mit den «Schwaben» entstand, die bis heute Bestand hat.

Stramm organisiert

Die Stadtkompanie Schultheiss Niklaus Thut Zofingen, wie sie mit vollem Namen heisst, trägt rotweisse Uniformen. Der linke Strumpf muss weiss sein, der rechte blutrot. Früh tauschten die Krieger ihre sperrigen Eisenhelme gegen Stoffbaretts. Die horrende Miete für die Uniformen – 1986 betrug sie 15’000 Franken – veranlasste die Ehrengarde dazu, selbst Uniformen und Waffen anzufertigen. Besagte Bewaffnung besteht aus einem Speer und einem Dolch.

Die Kompanie wird von einem Kommandanten angeführt. Ein Stab aus Adjutanten, Quartiermeister, Stabsschreiber sowie Verantwortlichen für das Zeughaus, ist ihm unterstellt. Die Vorhut der Stadtkompanie bilden zwei bis drei Tambouren. Marketenderinnen versorgen den Trupp mit Proviant.

Namhafte Mitglieder

Ein Blick in die Chronik des Vereins zeigt, dass sie einst elitären Charakter besass. 1994 waren vier von sieben Stadträten in der Stadtkompanie. Max Künzli (von 1973 bis 1993 Zofingens Stadtschreiber), die beiden ersten Kommandanten Kurt Blum und Walter Frösch, hochrangige Banker und führende Wirtschaftsköpfe der Region gehörten im Wandel der Zeit der Ehrengarde an. 2001 übernahm Christoph Mauch das Kommando und führte es bis 2009 an. Der heutige Ehrenkommandant ist ein Ur-Zofinger, unterrichtete Zeit seines Lebens als Lehrer – und sorgte im Geschichtsunterricht dafür, dass Zofingens Nachwuchs das Andenken an Niklaus Thut bewahrt. «Zofingen ging es unter den Habsburgern nicht schlecht, die Stadt wurde nicht gegängelt, sie konnte sogar alle verbrieften Rechte der Habsburger weiter behalten», weiss der 74-Jährige zu erzählen.

Im heurigen Jubiläumsjahr geht Dominic Scheidegger als Kommandant voran. Er positioniert die Stadtkompanie folgendermassen: «Wir sind ein historischer Verein, dessen Aufgabe es ist, die Farben von Zofingen zu repräsentieren. Auch wenn wir ein vaterländisch gesinnter Traditionsverband sind, sind wir politisch und konfessionell neutral.»

In den 40 Jahren hat die Stadtkompanie die Zofinger Fahne schon an vielen historischen Feiern hochgehalten: unter anderem an der 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft 1991, an der 500-Jahr-Feier der Aufnahme Basels in die Eidgenossenschaft, und am Aargauer Tag an der Olma. Am Kinderfest in Zofingen lief die Kompanie 1986 als Generalprobe vor der Schlachtjahrzeit in Sempach. Nach längerer Pause läuft sie am 3. Juli wieder mit. «Wir haben uns dazu entschieden, künftig wieder jedes Jahr durch Zofingen zu marschieren», verrät Christoph Mauch. Um den martialischen Charakter etwas zu dämpfen, hängen die Krieger am Kinderfest Röslein an ihre Speere.

Geschichte und Geselligkeit

Über fehlenden Nachwuchs kann sich die Stadtkompanie nicht beklagen. 50 Mitglieder, darunter 28 Krieger und zwei Marketenderinnen, gehören aktuell dem Verein an. Die Beliebtheit gründet gemäss Christoph Mauch unter anderem darin, dass im Verein nebst den historischen Auftritten auch die Geselligkeit und Kameradschaft grossgeschrieben werden. Einmal pro Jahr treten die Mitglieder in der Schützenstube zum Rapport (zur GV) an. Seit 1987 gibt es im Sommer alljährlich ein Kompanieschiessen, bei dem unter Gewehr- und Pistolenfeuer um den Wanderpreis, die Sempacher Hellebarde, geschossen wird. Es folgt das legendäre Picknick mit Suppe und Spatz. Ein Fondueplausch und ein Feierabendbier runden das Jahresprogramm ab, das in diesem Jahr mit einem vereinsinternen Jubiläumsfest am 17. Oktober ergänzt wird. «Unser Erfolgsrezept liegt vielleicht auch darin, dass wir unsere Mitglieder nicht mit Anlässen überfluten. Es ist ein ungezwungenes, kameradschaftliches Miteinander, das sich gut mit dem Berufsleben vereinbaren lässt.»Manuel Arnold