Vater und Sohn sprechen über die Rückkehr des Circus Nock
Zofingen Die Familie Nock zaubert ein Winter-Varieté mit 33 Vorstellungen auf die Zofinger Schützenmatte

Sieben Jahre nach dem Konkurs kehrt der Traditionszirkus zurück. Im Gespräch erzählen Brandon Nock und sein Vater René Bügler, weshalb sie die Familientradition wiederbeleben wollen und wie weit die Pläne für das Winter-Varieté Nock sind.
Brandon Nock befindet sich gerade mitten in der Prüfungsphase. Es ist der strenge Alltag eines 23-Jährigen, der neben seiner Arbeit als Firmenkundenberater bei der Raiffeisenbank parallel für seinen Bachelorabschluss in Betriebsökonomie büffelt.
In diesem Jahr kam noch eine dritte Aufgabe dazu: Der junge Mann bringt den Circus Nock zurück. Doch anders als früher werden Akrobaten, Clowns und Co. nicht auf einer Tournee durchs Land ziehen, sondern im kommenden Dezember und Januar mit einem Winter-Varieté auf der Schützenmatte in Zofingen residieren.
Hinter dem Revival steckt neben Brandon Nock, Spross der achten Generation der Zirkusfamilie, auch sein Vater René Bügler. Diese Zeitung trifft die beiden diese Woche in Oeschgen. Im Winterquartier im Fricktal war der Zirkus über Jahrzehnte zu Hause und übte die Nummern für die kommende Saison. Noch heute ist hier ein Museum eingerichtet, das mit seinen Glitzerkostümen, Plakaten aus vergangenen Jahrzehnten und anderen Requisiten an die Zeit erinnert, als die Familie Nock während 158 Jahren durchs Land zog.
Ein Revival stand seit Jahren im Raum
Nachdem im Mai 2019 der Konkurs über das Zirkusunternehmen eröffnet worden war , wurde es in der Öffentlichkeit ruhig um den bis dato ältesten Zirkus der Schweiz. Doch das ist nun vorbei. «Wir wollen die Familientradition weiterführen, das liegt uns sehr am Herzen», so Brandon Nock.
Hinter dem Entscheid steht alles andere als ein Schnellschuss. «Wir haben über Jahre immer wieder darüber geredet, dass wir den Zirkus gern reaktivieren möchten», sagt Nock. Vor allem in den vergangenen zweieinhalb Jahren habe man die Planung intensiviert, sodass mittlerweile schon wichtige Meilensteine der Vorarbeit erledigt wurden.
Die Artistinnen und Artisten sind gebucht, das Catering durch das Klostergasthaus Löwen in St. Urban (LU) ist organisiert und auch die Termine für die 33 Vorstellungen stehen. «Es wird zwar auch die Historie vom Circus Nock einfliessen, doch auch modern und elegant sein», sagt Bügler. Die Nummern werden auf sehr hohem Niveau sein. Obwohl vor allem die Pferdedarbietungen einst zu den Aushängeschildern der Nock-Tourneen zählten, werden im Varieté keine Tiere mehr in der Manege sein.
Wie ernst es der Familie Nock-Bügler mit dem Winter-Varieté ist, zeigt auch das grosse Zirkuszelt, das sie derzeit eigens dafür in Italien anfertigen lässt. «Wir möchten das Winter-Varieté gern jedes Jahr nach Zofingen bringen», sagt Bügler.
René Bügler stammt aus Hochseilartisten-Familie
Dass die Shows in Zofingen stattfinden werden, sei schnell klar gewesen. «Wir sind in der Region rund um Zofingen mittlerweile verankert», sagt Nock und sein Vater ergänzt: «Als Brandon in die Schule kam, entschieden wir uns, nach Oftringen zu ziehen. So konnte er normal zur Schule gehen.» Auch habe man dem Sohn die Wahl lassen wollen, ob er später einmal in der Zirkuswelt arbeiten oder sein Berufsleben anders gestalten möchte.
Selbst auf der Bühne stehen wird das Vater-Sohn-Gespann nicht. Zumindest noch nicht in der ersten Saison, sagt René Bügler. «Vielleicht packt uns dereinst der Mut und wir treten auch auf.» Und das, wo auch er den Zirkus im Blut hat. «Ich bin die siebte Generation einer Hochseilartisten-Familie», sagt er. Bis zum Alter von 20 Jahren sei er selbst durch die Manegen balanciert. Heute arbeitet er in der Eventbranche und vermietet Zelte für Grossanlässe.
Sohn Brandon ist zwar nie im Zirkus aufgetreten, doch bis zum Alter von sieben Jahren reiste er mit der Zirkus-Karawane durchs Land. «Das Zirkusleben hat mich auch später nie losgelassen», so Nock. Noch heute besuche man gern andere Zirkusse und stehe mit Menschen in Kontakt, die man einst in der Szene kennengelernt hat. So habe er schon immer im Kopf gehabt, selbst irgendwann eigene Akzente in der Zirkuswelt setzen zu können.
«Mit dem Winter-Varieté haben wir einen guten Mittelweg gefunden», sagt Bügler. Vater und Sohn werden in der Winterzeit in ihren Berufen kürzertreten, diese aber generell weiterführen. Mit dem Varieté werden Brandon Nock und sein Vater eine Familientradition zurückholen, die einst Brandons Ur-Ur-Ur-Grossvater Joseph Nock 1860 ins Leben gerufen hat. Doch bevor die erste Show ansteht, muss der 23-Jährige noch einige Prüfungen für seinen Bachelor schreiben. Mira Güntert