Von hohen Wassern und hoher Handwerkskunst

Aarburg/Oftringen/Rothrist/Zofingen 17. Mai, 10 bis 16 Uhr: Internationaler Museumstag

In der naturhistorischen Abteilung des Museums Zofingen lagern unzählige Schätze.bild: Ramona Tollardo

In der naturhistorischen Abteilung des Museums Zofingen lagern unzählige Schätze.bild: Ramona Tollardo

Im Heimatmuseum Rothrist findet die Finissage der Ausstellung «Hut Mania» statt.Bild: Felix Wey

Im Heimatmuseum Rothrist findet die Finissage der Ausstellung «Hut Mania» statt.Bild: Felix Wey

Autosattler Rudy Nafzger bei der Arbeit. Bild: zvg

Autosattler Rudy Nafzger bei der Arbeit. Bild: zvg

Das Füürwehrchörli Oftringen spielt zur Mittagszeit ein Platzkonzert.Bild: zvg

Das Füürwehrchörli Oftringen spielt zur Mittagszeit ein Platzkonzert.Bild: zvg

Am Internationalen Museumstag nehmen jährlich Tausende Museen aus über 150 Ländern teil. Im Einzugsgebiet des «Wiggertalers» laden heuer das Heimatmuseum Aarburg, das VW-Käfer-Museum Aarburg, das Museum Oftringen, das Heimatmuseum Rothrist und das Museum Zofingen zu einem sonntäglichen Rundgang mit mannigfaltigem Rahmenprogramm ein.

Vor einem Jahr fiel die Teilnahme des Heimatmuseums Aarburg wegen des budgetlosen Zustands der Stadt ins Wasser. 2026 sind die Aarburger wieder im Boot – und Wasser bleibt das beherrschende Thema: Die neue Sonderausstellung «Hohe Wasser – Überschwemmungen und ihre Folgen für Aarburg» thematisiert Überschwemmungen von Aarburger Gewässern im 20. Jahrhundert. Anlässlich der Vernissage hält der Historiker Aleksander Jauk um 11 Uhr ein Referat zu den wichtigsten Hochwasserereignissen in Aarburg im vergangenen Jahrhundert.

Hörspiel und Bilderschau

Die Sonderausstellung gibt anhand eines bebilderten Zeitstrahls Einblick in die Ursachen und die ergriffenen Präventionsmassnahmen von Gemeinde und Kanton. Ein Hörspiel entführt das Publikum ins Jahr 1888, in dem der Zeitzeuge Walter Baur seine Erinnerungen an das verheerende Hochwasser schildert. Eine reiche Bilderschau illustriert verschiedene Hochwasserereignisse an Aare, Wigger, Dorfbach und Tiefelachbach. Historische und aktuelle Karten zeigen die veränderten Bachläufe und die durch Hochwasser gefährdeten Gebiete.

Käfer spüren den Frühling

Das VW-Käfer-Museum in Aarburg sprang vor einem Jahr für das Museum Aarburg in die Bresche. Und auch in diesem Jahr machen die Freunde des Kultautos wieder mit. An der Feldstrasse im Untergeschoss der Turnhalle-Höhe werden die wichtigsten VW Käfer der Wolfsburger Produktionsjahre von 1950 bis 1974 gezeigt. Darunter befindet sich unter anderem eine Rarität: das Hebmüller Cabriolet 1950. Die Gäste dürfen sich auch mal in einen der Käfer setzen und dabei die Nostalgie so richtig fühlen. Der VW Käfer Club Luzern wird mit seinen verschiedenen Fahrzeugen präsent sein. Selbstverständlich sind alle Oldtimer-Besitzer herzlich willkommen, speziell für sie ist der Parkplatz direkt neben der Turnhalle reserviert.

Um 10.30 und 14.30 Uhr zeigt der Autosattler Rudy Nafzger, unterstützt durch Roland Schmid, wie aus einem Käfer entnommener, abgenutzter Autositz zu neuwertigem Glanz kommt. Als Kaffeebar steht vor Ort ein spezieller VW Käfer 1951 mit Pritsche bereit. Kuchen und Getränke stehen ebenfalls zur Verfügung.

Gedengelt und gewetzt

Auch im Museum Alten Löwen stehen dieses Jahr alte Handwerke im Fokus: Die Museumskuh «Fleckli» will gemolken werden und zum 200. Geburtstag des Streichholzes kann man ausprobieren, ein Feuer nur mit Stahl, Feuerstein und Zunder zu entfachen. Mitglieder der Museumskommission zeigen, wie man Wolle zu einem Faden spinnt oder wie eine Sense gedengelt und gewetzt wird. Eigene Sensen können mitgebracht werden. Wer es lieber gemütlicher mag, setzt sich für eine kurze Rundfahrt in die Pferdekutsche oder besucht die beiden aktuellen Ausstellungen: Seit dem Jahr 1900 wird im südlichen Gemeindeteil von Oftringen geturnt. Die Sonderausstellung porträtiert die Geschichte des STV Küngoldingen. Dass ein lokaler Verein das Sprungbrett für eine internationale Karriere sein kann, beweist WM-Bronzemedaillengewinner Noe Seifert, der kurze Zeit im STV Küngoldingen geturnt hatte, ehe sein grosses Talent entdeckt wurde.

«Von der Natur inspiriert» heisst die Kunstausstellung, welche noch bis im Juni im Alten Löwen zu sehen sein wird. Die Künstlerin Sonja Obrist ist pensionierte Lehrerin für Textiles Werken und lebt in Aarburg.

Um die Mittagszeit gibt das Füürwehrchörli Oftringen ein Platzkonzert. Der STV Küngoldingen betreibt die Festwirtschaft und bietet Feines vom Grill, Kaffee und Kuchen und allerlei erfrischende Getränke an.

(Film-)Schatzkammer entdecken

Das Museum Zofingen öffnet seine Türen für Gross und Klein und beteiligt sich am regionalen Museumserlebnis. Zu Gast ist Ron Dideldum, der gemeinsam mit Familien die Zofinger Schatzkammer entdeckt. Im ganzen Haus laden Rätsel zum Mitmachen ein. Spannende Kurzführungen zur Sonderausstellung «Zofingens Blick zurück (1929–1967) – Filme aus dem Studio Scholl» finden um 11 und 14 Uhr statt. Für das leibliche Wohl ist mit einer süssen Überraschung gesorgt. «Ob für einen kurzen Besuch oder einen längeren Aufenthalt – das Museum Zofingen lädt zum Staunen und Verweilen ein und freut sich auf einen besonderen Tag im Zofinger ‹Palazzo›», schreiben die Verantwortlichen.

Ausstellung nimmt den Hut

Zum Abschluss der Ausstellung lädt das Heimatmuseum Rothrist zur Finissage von «Hut Mania» ein. Ein letztes Mal können Besucherinnen und Besucher in die Welt der Freiämter Strohhutkunst eintauchen, einer Tradition, in der aus einfachem Stroh kunstvolle Hüte und feine «agréments» entstanden, oft nach gut gehüteten Familiengeheimnissen.

Während im Freiamt aus dem Flechten und Nähen von Stroh eine eigenständige Hutindustrie hervorging, entwickelte sich im Einzugsgebiet des Rothrister Museums aus dem Spinnen und Weben eine eigene Textilindustrie. Beide Tätigkeiten begannen als wichtiger Zusatzverdienst für Bauernfamilien und führten doch zu unterschiedlichen industriellen Entwicklungen. So wird sichtbar, wie vielfältig lokale Ressourcen zu wirtschaftlichen Zentren führen konnten. Ein besonderes Augenmerk gilt der traditionsreichen Fischer Hutfabrik Dottikon. Ergänzt wird die Ausstellung durch Leihgaben des Schweizerischen Strohmuseums Wohlen und einen Film aus der Risa Hutwerkstatt Hägglingen.

Zum Mittagessen gibt es in Rothrist Chäsbrätel. Im Museumscafé warten hausgemachte Kuchen; der wohlig-süsse Ausklang der Ausstellung.

«Es ist ein Gewinn für alle»

Dass heuer gleich fünf Kulturinstitutionen beim internationalen Museumstag mitmachen, freut Mathias Baumann, Konservator des Museums Oftringen, besonders: «Es ist eine Chance für die verschiedenen Museen, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und Synergien zu nutzen. Es ist ein Gewinn für alle. Den Teams und den Besucherinnen und Besuchern bietet sich so die Gelegenheit, sich stärker zu vernetzen.»

Damit die Reise zu den fünf Standorten eine entspannte ist, fährt auch in diesem Jahr ein Shuttle Bus. Erstmals sind es sogar deren zwei, wodurch das Hüpfen von Museum zu Museum im Halbstundentakt möglich ist.

Manuel Arnold