Wenn Klassik und Jazz miteinander spielen
Zofingen Musikalische Welten trafen aufeinander

Zwei musikalische Welten, vier Pianisten und am Ende acht Hände an den Tasten: Das Konzert «klassikPIANOjazz» sorgte im ausverkauften Kulturhaus West in Zofingen für einen aussergewöhnlichen Abend. Stephanie Trick aus den USA und Paolo Alderighi aus Italien brachten den Jazz mit, Walter Zoller und der Zofinger Matthias Kipfer die Klassik. Was daraus entstand, war weit mehr als ein Wechsel zwischen zwei Stilrichtungen.
Schon im ersten Konzertteil entwickelte sich ein musikalisches Wechselspiel. Kipfer und Zoller eröffneten mit Joseph Haydns Sinfonie Nr. 95 in c-Moll, bevor Trick und Alderighi mit mitreissenden Big-Band-Arrangements antworteten. Besonders reizvoll wurde das Aufeinandertreffen bei Edvard Grieg: «Morgenstimmung» und «Anitras Tanz» erklangen zunächst klassisch, ehe Stephanie Trick «Anitras Tanz» im Stride-Piano-Stil neu interpretierte. Auch «In der Halle des Bergkönigs» wechselte unmittelbar von der klassischen in eine jazzige Welt.
Ein Komponist, der in beiden Welten zu Hause ist
Nach der Pause führte die musikalische Reise zunächst nach Frankreich. Kipfer und Zoller spielten Francis Poulencs «Sonate für vier Hände», Paolo Alderighi setzte mit «Autumn Leaves» einen jazzigen Kontrapunkt, Walter Zoller widmete sich Claude Debussys «Pour le piano». Mit George Gershwin fanden Klassik und Jazz schliesslich einen Komponisten, der ohnehin in beiden Welten zu Hause ist. Trick und Alderighi spielten «’S Wonderful», hinzu kamen Solo-Einlagen mit Gershwins «Liza».
Selbst ein Abstecher in die Schweiz fehlte nicht. Auf Hans Hubers «Ländler vom Vierwaldstättersee», gespielt vom klassischen Duo, antworteten Trick und Alderighi augenzwinkernd mit «Es Burebüebli mahn i nid».
Zum Finale verschwanden die musikalischen Grenzen endgültig. Alle vier Pianisten nahmen gemeinsam Platz und brachten mit acht Händen Gershwins «I Got Rhythm» auf die Tasten. Mit Griegs «Solveigs Lied» folgte als Zugabe ein ruhigerer Schlusspunkt. Das Publikum hielt es danach nicht mehr auf den Stühlen: Mit stehenden Ovationen bedankte sich der ausverkaufte Saal bei den vier Pianisten für einen Abend, an dem Klassik und Jazz nicht gegeneinander antraten, sondern miteinander spielten. Andreas Krenger / PD