Wie aus einer Krise ein Kraftort entstand
Safenwil Zehn Jahre Atemweg: Lisbeth Bloch ist die Frau hinter dem Projekt

Nach einer schweren Zeit fand Lisbeth Bloch im Wald und in der Atemtherapie neuen Mut. Heute verbindet ihr Atemweg in Safenwil Bewegung, Natur und Entspannung.
Ein Pferd, eine Lebenskrise und ein Kraftort im Wald: Der Weg von Lisbeth Bloch zur Atemtherapeutin verlief alles andere als geradlinig. Heute führt die Mühlethalerin nicht nur ihre eigene Praxis, sondern steht auch als Initiantin hinter dem Atemweg Safenwil, der in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen feiert.
Der Wald spielte in ihrem Leben schon lange eine zentrale Rolle. Die gelernte Dentalassistentin Lisbeth Bloch erkundete mit ihrem Pferd die umliegenden Wälder in alle Richtungen. Die gemeinsamen Ausritte wurden zu einem festen Bestandteil ihres Alltags. «Ich war sozusagen süchtig nach der frischen Waldluft», sagt sie, lächelt und fügt augenzwinkernd hinzu: eine gesundheitsfördernde Sucht – natürlich.
Nach 17 Jahren musste sie jedoch Abschied von ihrem geliebten Pferd nehmen. Der Verlust stürzte sie in eine Lebenskrise. «Ich hatte keine Perspektive mehr», erinnert sie sich. Für längere Zeit wusste sie weder beruflich noch persönlich, wie es weitergehen sollte.
Der Wald blieb in dieser schwierigen Zeit ihr Rückzugsort. Sie ging regelmässig spazieren und entdeckte später das Joggen für sich. Die Strecken wurden immer länger, doch ihre Freude wurde getrübt: Schon nach kurzer Zeit ging ihr die Luft aus. «Es kann nicht sein, dass ich ständig so schnell ausser Atem bin», dachte sie damals.
Beim Durchblättern einer Zeitung stiess sie zufällig auf ein Inserat für Atemtherapie. «Ich war skeptisch und fragte mich, was man damit wohl erreichen kann – man atmet doch einfach», erzählt Bloch. Trotzdem besuchte sie eine Gruppenatemtherapie. Je intensiver sie sich mit dem Thema beschäftigte, desto grösser wurden ihre Faszination und ihre innere Ruhe.
Sie liess sich Unterlagen für eine Ausbildung zur Atemtherapeutin zukommen. «Ich legte sie auf den Wohnzimmertisch, las sie immer wieder durch, hatte aber offen gesagt nicht den Mut, so etwas anzugehen.» Erst ein besonderes Erlebnis brachte die Wende.
An jenem Ort, an dem sich heute der vierte Posten des Atemwegs befindet, machte sie Jahre vor dessen Entstehung eine prägende Erfahrung. «Ich hatte dort einen sehr intensiven Moment in der Erinnerung an mein verstorbenes Pferd Loyana, der mir half, mit der Vergangenheit abzuschliessen», erzählt sie. Dieser Moment wurde für sie zum Schlüsselerlebnis. Noch am selben Abend schickte sie die Anmeldung für die Ausbildung ab.
Mit 47 Jahren begann sie die dreijährige Ausbildung zur Atemtherapeutin. Seit 2010 arbeitet sie hauptberuflich in ihrer eigenen Praxis.
Nach dem Abschluss wollte sie der Natur als Dank etwas zurückgeben. Ausgangspunkt für den heutigen Atemweg waren zunächst zwei Sitzbänke aus einer umgestürzten Eiche, die sie der Gemeinde Safenwil schenkte. Immer wieder beobachtete sie, wie sich Spaziergänger darüber freuten. Daraus entstand die Idee eines Atemwegs. «Ich suchte Menschen, die dieses Projekt mit mir umsetzen wollten.»
Verein mit 270 Mitgliedern
Aus der Idee entwickelten sich ein sechsköpfiger Vorstand und ein Verein, der heute rund 270 Mitglieder zählt. Die wichtigste Stütze während der Idee und Aufbauphase war ihr Ehemann Walter Bloch. «Zusammen ergänzen wir uns optimal. Walti ist ein Organisationstalent, und ich kümmere mich mit meinem Wissen um die Inhalte», sagt Lisbeth Bloch. Gleichzeitig habe sie gelernt, ein solches Projekt Schritt für Schritt aufzubauen und aufrechtzuerhalten, sowie sich in einem eher männerdominierten Team zu behaupten.
Von der ersten Idee bis zur Eröffnung im Jahr 2016 vergingen rund sechs Jahre. Der Atemweg sollte das Pendant zum Vitaparcours werden – allerdings mit dem Fokus auf bewusstes Atmen und innere Ruhe. Der Bau der zehn Stationen erforderte zahlreiche Abklärungen sowie Bewilligungen der vier beteiligten Gemeinden Safenwil, Zofingen, Uerkheim und Oftringen sowie des Kantons.
Heute führt der knapp sieben Kilometer lange Rundweg durch die Wälder dieser vier Gemeinden. An jeder Station stehen Atemübungen im Mittelpunkt, die dazu einladen, sich zu bewegen, Kraft zu schöpfen, Energie zu tanken und zur Ruhe zu kommen. Wer möchte, kann auch eine verkürzte Route wählen. Start und Ziel befinden sich beim Schützenhaus Safenwil.
Mit frischem Schwung ins nächste Jahrzehnt
Zum zehnjährigen Bestehen investierte der Verein einen namhaften Geldbetrag in neue Informationsschilder, Wegweiser und Holzinstallationen. Finanziert wurde das Projekt durch Partner und Gönner.
Mit den Investitionen zum Jubiläum blickt der Verein nicht nur auf das Erreichte zurück, sondern auch nach vorn. Was einst mit zwei Wald-Ruhe-Bänkli und einer Idee begann, ist heute ein Ort der Begegnung und Erholung. Gleichzeitig wirkt Atemkraft verbindend. «Ich freue mich sehr auf die besonderen Vereinsanlässe im Jubiläumsjahr», sagt Lisbeth Bloch. Für sie schliesst sich damit ein Kreis: Der Wald, der ihr in einer schwierigen Lebensphase Halt gab, schenkt heute auch anderen Menschen Raum zum Durchatmen und zeigt, wie wohltuend diese Nähe zur Natur sein kann. Gabriela Studer