«Wir sind auf einem guten Weg»
Zofingen So geht es dem Spital zwei Jahre nach dem Verkauf
2024 wurde das defizitäre Spital Zofingen von der privaten Klinikgruppe Swiss Medical Network gekauft. An einem Behördenanlass präsentierte das Unternehmen nun einige Zahlen und stellte neue Projekte vor.
Noch vor wenigen Jahren stand die Zukunft des Spitals Zofingen auf der Kippe. Die Institution schrieb rote Zahlen, war hoch verschuldet und eine Schliessung stand im Raum.
Umso grösser war die Erleichterung in der Region, als 2024 eine Lösung gefunden wurde. Die private Klinikgruppe Swiss Medical Network kaufte das Spital von der Kantonsspital Aarau AG und übernahm alle Mitarbeitenden.
Heute, knapp zwei Jahre nach der Übernahme, hat sich die Lage laut Swiss Medical Network zum Besseren verändert. «Das Spital ist ausser Gefahr», sagte Fabrice Zumbrunnen, Delegierter des Verwaltungsrats von Swiss Medical Network, an einem Behördenanlass des Spitals: «Wir sind auf einem guten Weg.»
Höhere Gewinne, mehr Mitarbeitende
Mindestens einmal jährlich informiert das Spital lokale Politikerinnen und Politiker über seine Entwicklung. Dieses Mal präsentierte die stellvertretende Direktorin Béatrice Gass einige positive Zahlen des Spitalbetriebs.
So sei die Bettenauslastung im Spital erhöht worden, von rund 80 Prozent 2025 auf über 90 Prozent in diesem Jahr. Auch im integrierten Pflegezentrum liege die Bettenauslastung bei über 90 Prozent. Zudem wurden heuer im Vergleich zum Vorjahr mehr Notfalleintritte verzeichnet.
Finanziell gehe es dem Spital besser. Von Januar bis August 2026 habe der Gewinn im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt werden können. Von 425'000 auf 912'000 Franken.
Die EBITDAR-Marge lag im selben Zeitraum bei 9,2 Prozent. Die Kennzahl zeigt vereinfacht, wie viel vom Umsatz aus dem laufenden Betrieb übrig bleibt, bevor unter anderem Abschreibungen, Zinsen sowie Miet- und Leasingkosten abgezogen werden. Zum Vergleich: Schweizer Akutspitäler erreichten 2025 laut einer Studie im Mittel 6,8 Prozent. Als Zielwert für eine langfristig nachhaltige Finanzierung gelten rund 10 Prozent.
Geld gespart habe man etwa, indem man effizienter arbeite und weniger temporäre Angestellte beschäftige als früher, sagte Béatrice Gass. Dennoch sei die Zahl der Beschäftigten im Spital gestiegen. Heute werden circa 780 Mitarbeitende beschäftigt, das sind rund 30 Personen mehr als noch im Vorjahr.
Projekte und Investitionen
Vorgestellt wurden am Behördenanlass auch einige aktuelle Projekte. Per 1. Oktober hat das Spital die Notfallpraxis Zofingen übernommen. Sie befindet sich bereits auf dem Spitalcampus. Künftig sollen Notfallpraxis und Notfallstation organisatorisch besser aufeinander abgestimmt werden.
Patientinnen und Patienten mit weniger komplexen Beschwerden könnten so gezielter in der Notfallpraxis behandelt werden. Dadurch soll die Notfallstation entlastet und die Wartezeit verkürzt werden, sagte Béatrice Gass.
Auch weitere Investitionen sind geplant. So soll etwa im nächsten Jahr der OP im Spital umgebaut werden. Es muss unter anderem die Lüftung erneuert werden.
Diese Woche wurde ausserdem bekannt, dass das Spital Zofingen seine Allgemein- und Viszeralchirurgie neu organisiert. Der bisherige Co-Chefarzt Dirk Bulian verlässt das Spital, Peter Pozgainer übernimmt die alleinige Leitung als Chefarzt.
Gleichzeitig verstärkt das Spital die Zusammenarbeit mit der Viszeralchirurgie Aargau. Der Fachbereich bleibt jedoch am Spital Zofingen bestehen. Spezialisierte und hochspezialisierte Eingriffe erfolgen weiterhin in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Aarau.
Trotz der positiven Entwicklung wurde am Anlass auch deutlich: Die Herausforderungen bleiben gross. Die Überalterung in der Gesellschaft und die schwierigen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen beschäftigen auch das Spital Zofingen. Hinzu kommt die hohe Verschuldung. Diese in den Griff zu bekommen, sei eines der grossen Ziele für die kommenden Jahre.
Melissa Burkhard



